Von Peter Rensch, 19.12.2018

Patientenrechte Wenn Sie Ärger wegen einer teuren Zahnbehandlung haben

Sie ärgern sich über eine überhöhte Rechnung für eine Zahnbehandlung? Wo Sie Unterstützung finden und wie Sie zu Ihrem Recht kommen.
Patientenrechte Wenn Sie Ärger wegen einer teuren Zahnbehandlung haben

Auf die Erleichterung wegen einer überstandenen Zahnbehandlung folgt zuweilen Ärger wegen der hohen Rechnung.

Nicht nur die Zahnbehandlung, sondern auch eine überhöhte Zahnarztrechnung kann unerwünschte Folgen haben. Gerade bei Zahnersatz und kieferorthopädischen Behandlungen übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen nur einen Teil der Kosten und erstatten lediglich zwischen 50 Prozent und 65 Prozent bei Inanspruchnahme der jährlichen Vorsorgetermine.

In der Regel informiert Sie der Zahnarzt über eine anstehende zahnärztliche Heilbehandlung, worauf er einen Kostenvoranschlag plus Heilungsplan erstellt und die Dokumente an die Krankenkasse übermittelt.

Nach Prüfung erhalten Sie ein Schreiben mit der Zustimmung der Krankenkasse mit den darin enthaltenen Beträgen Ihres zu zahlenden Eigenanteils und der Anteil der Kostenerstattung.

Tipp: Lesen Sie hier unseren Kostencheck zu Zahnkronen.

Als Patient haben Sie das Recht auf eine Kostenanalyse

Katrin Becker, Pressesprecherin der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz informiert: „Die Entscheidung für eine zahnmedizinische Behandlung ist immer eine von Patient und Zahnarzt. Das umfasst, dass der Zahnarzt den Patienten über Therapiealternativen sowie Kosten informiert und aufklärt. Dazu zählen auch die Ausgaben, die nicht von der Krankenkasse übernommen werden, sondern privat zu zahlen sind.“

Ihrer Meinung nach sollten sich die Patienten die Zeit nehmen, den Kostenvoranschlag aufmerksam zu lesen und bei Unklarheiten den Zahnarzt darauf ansprechen. Nach erfolgreicher Behandlung erhalten Sie vom Zahnarzt die Abschlussrechnung mit Ihrem Eigenanteil der einzelnen Kostenarten.

So läuft die Abrechnung

Im Anschluss daran reichen Privatpatienten die Zahnarzt-Rechnung bei ihrer Krankenkasse ein und erhalten ihren Kostenanteil erstattet. Gesetzlich Versicherte zahlen ihren Kostenanteil an den Zahnarzt, der Rest wird über die Gesundheitskarte abgerechnet. Es ist auch möglich, die Rechnung komplett zu bezahlen, diese bei der gesetzlichen Krankenkasse einzureichen, um den zustehenden Erstattungsbetrag zu erhalten. Diese Variante ist jedoch eine Ausnahme.

Der Zahnarzt muss Sie schriftlich über die Kosten der Zahnbehandlung informieren

Doch was können Sie tun, wenn Ihnen die Zahnarztrechnung zu hoch erscheint oder erheblich vom Kostenvoranschlag abweicht? Manfred Pfeiffer, Präsident vom Das Patienten Forum e.V." erklärt: „Sollte der Eindruck bestehen, dass die Abrechnung unberechtigt hoch ist, sollte man in jedem Fall schriftlich Widerspruch einlegen. Bei einer überhöhten Rechnung kann es sich jedoch nur um den Eigenanteil bzw. eine Privatrechnung handeln. Zahnärztliche Rechnungen werden von allen Krankenkassen, ganz gleich ob gesetzlich oder Privat, immer auf Richtigkeit geprüft.“

Tipp:
Grundsätzlich gilt: Unabhängig davon, ob Sie gesetzlich oder privat versichert sind, sollten Sie sich schon vor der Behandlung einen konkreten Überblick zu den Kosten verschaffen. Der Zahnarzt muss gesetzlich versicherte Patienten schriftlich über die Kosten aufklären. Erfolgt dies nicht, können Sie die Zahlung der Rechnung verweigern. Die Verbraucherzentralen weisen darauf hin, dass die alleinige Mitteilung, es handle sich um eine Selbstzahler-Leistung, nicht ausreicht. Auch die voraussichtlichen Kosten müssen im Vorfeld schriftlich beziffert werden. Kostenvoranschläge sind zwar keine Preisgarantie, aber der Zahnarzt kann davon nur mit ausreichender Begründung abweichen.

Toleranzgrenze von 20 Prozent bei Abweichungen vom Kostenvoranschlag

Dr. Johannes Schenkel, Ärztlicher Leiter der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD) rät: „Wichtig ist, sich bereits vor Beginn der Behandlung über die voraussichtlichen Kosten der Behandlung in Form eines Heil- und Kostenplan inklusive aller Steigerungsfaktoren zu informieren. Sofern die Kosten für zahntechnische Leistungen insgesamt voraussichtlich einen Betrag von 1.000 Euro überschreiten, kann der Patient vom Zahnarzt einen Kostenvoranschlag des Labors anfordern. Damit hat man als Patient dann vorab einen guten Überblick, welche Kosten voraussichtlich durch die Behandlung auf einen zukommen.“

Weicht die Rechnung vom Kostenvoranschlag ab, wird dies oft mit unvorhersehbaren Komplikationen bei der Behandlung begründet. Die Toleranzgrenze liegt hier bei 20 Prozent. Wird dieser Wert überschritten, also liegen die tatsächlichen Kosten höher als die Veranschlagung, ist der Zahnarzt verpflichtet, Sie vor dem nächsten Behandlungsschritt darüber zu informieren. So haben Sie die Chance, die Behandlung abzubrechen oder eine Alternative einzufordern, wenn dies möglich ist. Die Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) hat jede Leistung mit einem Faktor von 1 bis 3,5 versehen. Je nach Art der Behandlung erhält der Zahnarzt bis zum Faktor 3,5 des festgelegten Preises. Die GOZ ist öffentlich einsehbar auf der Internetseite der Bundeszahnärztekammer.
„Wenn die Zahnarztrechnung den Kostenvoranschlag übersteigt, gilt als Faustregel Folgendes: Überschreitungen in der Endrechnung bis zu 20 Prozent, maximal 25 Prozent der ursprünglich veranschlagten Kosten für den Patienten können zulässig sein“, erklärt Dr. Johannes Schenkel. „Es kommt jedoch immer auf den Einzelfall und die Art der Abweichung an – in diesen Fällen hilft dann eine individuelle Beratung weiter.“

Bitten Sie schriftlich um Zahlungsaufschub

Für einen Laien ist es nicht einfach zu prüfen, ob die Abrechnung ordnungsgemäß und gerechtfertigt ist. Kommt Ihnen die Zahnarztrechnung überhöht vor, sollten Sie Ihren Zahnarzt darauf hinweisen. Besteht dieser auf die Richtigkeit der Rechnung, bitten Sie schriftlich um Zahlungsaufschub mit der Begrünung, die Rechnung überprüfen zu lassen.

Anschließend können Sie die Rechnung kostenlos bei der Zahnärztekammer kontrollieren lassen. Kommt die Zahnärztekammer zu der Erkenntnis, dass die Rechnung überhöht ist, wird Ihnen dies mitgeteilt. Der Zahnarzt ist zwar nicht verpflichtet, diese Entscheidung zu akzeptieren, jedoch haben Sie damit ein schlagkräftiges Argument bei einer möglichen gerichtlichen Auseinandersetzung und der Zahnarzt wird sich gut überlegen, ob er den juristischen Weg einschlagen soll.

Kostenlose Hilfe bei Zweifel an Korrektheit der Zahnarztrechnung

Noch einmal Katrin Becker: „Auch nach der Behandlung bleibt der Zahnarzt der erste und wichtigste Ansprechpartner. Ist die Rechnung für den Patienten unverständlich oder hat er den Eindruck, dass diese überhöht sein könnte, sollte er zunächst den Zahnarzt ansprechen und um Erklärung bitten!“

Hilft dies nicht weiter, stehen Ihnen die zahnärztlichen Beratungsstellen zur Seite. Die Kassenärztlichen Vereinigungen und die Zahnärztekammern haben ein bundesweites Beratungsnetz aufgebaut. „Hier beraten Zahnärzte und fachlich qualifizierte Mitarbeiter kostenfrei und fundiert, vertraulich und unabhängig“, erklärt Katrin Becker. Bei Beschwerden leisten die Beratungsstellen fachkundige Unterstützung. Ist eine Rechnung nicht korrekt oder nicht vertretbar, sucht die Beratungsstelle den direkten Kontakt zum Zahnarzt, wenn Sie als Patient dies wünschen.

Unterstützung können betroffene Patienten bei der zuständigen Landeszahnärztekammer – Schlichtungsstelle – erhalten. Mitglieder von "Das Patienten Forum" können sich auch an Präsidium und Beirat wenden.

Tipp: Wenn ein begründeter Verdacht auf eine überhöhte Rechnung vorliegt, unterstützen Sie die Verbraucherzentralen bei der Durchsetzung Ihrer Rechte (siehe www.kostenfalle-zahn.de). Auch Ihre Krankenkasse hilft Ihnen bei Überprüfung der Rechnung und informiert Sie zu überhöhten Forderungen.

Abschließend noch einmal Johannes Schenkel: „Patienten können auch gerne und kostenlos die Beratung der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland in Anspruch nehmen. Wir geben gerne allgemeine Informationen zur den Formalitäten der zahnärztlichen Rechnung wie zum Beispiel zur Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ), allgemeine Informationen zu speziellen Bestimmungen und Regelungen der GOZ. Eine offizielle Rechnungsprüfung muss jedoch durch die Zahnärztekammern erfolgen.“
Eine kostenfreie Beratung erhalten Sie unter Telefonnummer 0800 011 77 22, Montag bis Freitag von 8 bis 22 Uhr, Samstag 8 bis 18 Uhr.
Tipp: Sie möchten grundsätzlich die Kosten beim Zahnarzt senken? Dann kann eine Zahnzusatzversicherung für Sie sinnvoll sein. Der Geldsparen-Vergleich von Zahnzusatzversicherungen hilft Ihnen dabei, eine Police nach Ihren individuellen Anforderungen zu finden.
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