Matthias Kutzscher
Ein Beitrag von Matthias Kutzscher, 10.08.2018

Contracting Heizung mieten statt kaufen?

Viele Heizungen sind alt und ineffizient. Ein Tausch bedeutet nicht unbedingt Neukauf. Eine Alternative ist Contracting: Das Rundum-sorglos-Paket ist bequem, aber auch teuer.
Contracting Heizung mieten statt kaufen?

Muss eine neue Heizung her, muss man diese nicht unbedingt selbst kaufen. Auch Mieten kann eine Alternative sein.

In deutschen Kellern stehen etliche alte Kessel: Jede zweite der gut 18 Millionen Öl- und Gasheizungen ist laut Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks älter als 20 Jahre – und wärmt damit wenig sparsam. Machen Heizungen Probleme oder verschlingen zu hohe Energiekosten, ist der Tausch empfehlenswert. Aber nicht jeder hat genug Geld für eine neue Anlage oder möchte sich mit Heizungstechnik und Handwerkern beschäftigen. Mieten statt kaufen kann dann in Frage kommen.

Rundum-sorglos-Paket für Heizungssanierung

Das sogenannte Heizungs-Contracting funktioniert wie Leasing: Ein Anbieter beschafft und finanziert die Anlage und überlässt dem Kunden die Nutzung gegen Entgelt. Bislang ist das Modell typisch für Gewerbegebäude oder Wohnquartiere, da liquide Mittel geschont werden, moderne Technik installiert wird und sich Eigentümer um nichts mehr kümmern müssen.

Von der Anlagenplanung über den Energieeinkauf bis zur Abrechnung übernimmt der Contractor meist alles. Da zunehmend Dino-Heizungen in Ein- und Zweifamilienhäusern modernisiert werden, kommen nun immer mehr Contracting-Angebote für Privatleute auf den Markt: Stadtwerke, Energielieferanten, Heizungsbauer werben mit „Rundum-sorglos-Paketen“ für die Heizungssanierung.

Contracting-Verträge sind komplex

„Wer es bequem haben möchte, für den ist Contracting durchaus eine Möglichkeit“, bestätigt Matthias Bauer. Der Experte von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg weist aber darauf hin, dass die Verträge „komplex sind und genau bedacht werden müssen“. Das gilt insbesondere für die vereinbarten Leistungen, Laufzeit und Kosten. Klar ist: Je mehr der Partner übernimmt, desto höher sind die monatlichen Grundkosten.

Wird die Anlage finanziert, montiert, gewartet und repariert, zahlen Hauseigentümer für die sichere Lösung ohne Aufwand auch entsprechend viel Geld. „Wenn etwa nach acht Jahren der Kessel kaputt geht, bauen wir einen neuen ein. Das ist unser Risiko“, erklärt Thomas Bierlein von den Stadtwerken Karlsruhe.

Kosten können stark variieren

Contracting ist wie Pkw-Leasing ein Geschäftsmodell, das sich für den Anbieter lohnen soll. „Gemietete Heizungen mit Service-Garantie sind im Vergleich zur Selbstfinanzierung und eigenen Bewirtschaftung in der Regel etwa doppelt so teuer“, weiß Udo Peters von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.


 
Gesamten Vergleich anzeigenWohnkredit Kredit: 3.000 €, Laufzeit: 36 Monate
  Anbieter Monatliche Rate eff. Zins
p.a.
repr. Beispiel
 
 
1.
87,09
2,92%
0,97% - 2,92%
2.
87,43
3,19%
2,00% - 4,85%
3.
87,82
3,49%
maxGesTab=
Datenstand: 17.08.2018
Sämtliche Angaben ohne Gewähr
 repr. Beispiel
Die Contracting-Kosten unterscheiden sich jedoch im Einzelfall: Kesselgröße, Heizungstechnik und Gerätestandort, gesetzliche Vorgaben im Bundesland oder auch die individuellen Wünsche bestimmen die Verträge. Der Heizungsbauer Thermondo zum Beispiel bietet ein Zehn-Jahrespaket für 8.280 Euro beziehungsweise 69 Euro im Monat an.

Jüngere wählen oft Contracting

Darin enthalten ist eine Etagen-Gasbrennwertheizung sowie eine Vollkasko-Rate inklusive Reparaturen, Wartung, Ersatzanlage und Schornsteinfeger. Zum Vergleich: Nur für Kauf und Montage einer vergleichbaren Anlage müssen Verbraucher mit etwa 3.000 bis 4.000 Euro rechnen.

„Rund 30 Prozent unserer jüngeren Kunden entscheiden sich für Contracting“, sagt Stephan Herwig von Thermondo und erläutert: „Die Interessenten wollen entweder alles abgeben oder haben finanziell nicht ausreichend vorgesorgt.“

Der Vertrag: Darauf müssen Sie achten

Wer eine neue Heizungsanlage mieten statt kaufen möchte und einen Rundum-Schutz dazu wünscht, sollte diese sieben Vertragsaspekte genau bedenken:
 
  1. Leistungen: Der Vertragspassus nennt die Hauptleistungen des Contractors. Ein- und Ausbau der Anlage müssen formuliert, die Kostenübernahme zugesichert, die Technik genau spezifiziert, eventuell Reparaturen, Wartung und Schornsteinfegerkosten vereinbart werden.
     
  2. Laufzeit/Kündigung: Gängige Verträge laufen zwischen zwei und zehn Jahre. Eine Verlängerung kann jederzeit vereinbart werden. Im Vertrag müssen allerdings auch die Kündigungsfristen stehen. Zudem können separate Kündigungsgründe und -fristen aus „wichtigen Gründen“ geregelt werden.
     
  3. Energielieferung: Stellt der Contractor auch die Heizenergie, kommt zum Anlagen-Contracting ein separater Vertrag. Wichtig zu wissen: Jeder Energieliefervertrag kann nach Ablauf der Laufzeit oder bei Preiserhöhungen gekündigt werden.

  4. Preise-/Preisänderungen: Wer eine Heizung least, zahlt eine monatliche Pauschale und die Kosten für die gelieferte Energie. Da sich die Preise etwa für Erdgas nach oben und unten bewegen können, enthalten Energielieferverträge Änderungsklauseln. Bei Verbraucherberatungen kann geprüft werden, ob sie wirksam sind.
     
  5. Lieferunterbrechung/Haftung: Im Contracting-Vertrag sollte vereinbart werden, wie schnell eine Lieferunterbrechung behoben sein muss und wer bei ausbleibender Versorgung haftet.
     
  6. Rechtsnachfolge: Wird die Immobilie verkauft oder vererbt, kann der Contracting-Vertrag an den neuen Eigentümer weitergegeben werden. Viele Anbieter verlangen das laut Verbraucherberatern sogar explizit. Das sollte aber nur eine Option sein. Alternativ kann eine Entschädigung vereinbart werden.
     
  7. Eigentumsrechte: Die Heizungsanlage bleibt nach dem Ende des Vertrags im Besitz des Contractors. Daher sollte im Vertrag stehen, ob und zu welchen Konditionen der Nutzer die Heizung erwerben kann.
     
Tipp: Lesen Sie hier, was Stromheizungen bringen und wann sich Photovoltaik-Anlagen lohnen.

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Matthias Kutzscher mein Name ist Matthias Kutzscher. Mit Beiträgen über Strom, Gas, Öl und Erneuerbare Energien, über Preise und Verträge, Geräte und Produkte, über Marktdaten sowie staatliche Förderkonditionen liefere ich Ihnen Tipps, die Sparen helfen. Nach dem Wirtschaftsstudium in Großbritannien und Volontariat bei der Deutschen Presse-Agentur arbeite ich seitdem als Journalist.

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