Annette Jäger
Ein Beitrag von Annette Jäger, 03.01.2019

Wohnen im Alter Worauf es beim Betreuten Wohnen ankommt

Betreutes Wohnen ist eine beliebte Wohnform im Alter. Doch hinter dem Begriff verbergen sich viele Wohnvarianten und Missverständnisse. Wichtige Punkte, auf die Sie achten sollten.
Wohnen im Alter Worauf es beim Betreuten Wohnen ankommt

Wer sich f√ľr Betreutes Wohnen interessiert, sollte sich nicht von vielversprechenden Prospekten blenden lassen. Die Vertragsbedingungen sind genau zu pr√ľfen.

Fragt man Menschen, wie sie im Alter am liebsten wohnen wollen, antworten die meisten: selbstst√§ndig in der eigenen Wohnung. Die zunehmende Hilfebed√ľrftigkeit zwingt jedoch im Laufe des Lebens oft zu einer Plan√§nderung. F√ľr einige ist dann das Betreute Wohnen ein Kompromiss: Man wohnt eigenst√§ndig in einer Wohnung, kann aber bei Bedarf Hilfe in Anspruch nehmen.

Das Betreute Wohnen ist inzwischen in Deutschland nahezu flächendeckend zu finden. In vielen Kommunen wird in Neubauten investiert, die Nachfrage unter den Senioren ist groß. Bei den Projekten wird aber auch deutlich, dass sich hinter dem Namen verschiedenste Wohnformen verbergen. Es gibt nicht das eine Betreute Wohnen. Ebenso zeigt sich, dass Menschen ganz unterschiedliche Erwartungen an diese Wohnform haben und oftmals enttäuscht sind, weil nicht eingetreten ist, was sie sich erhofft haben.

Betreutes Wohnen – ein irref√ľhrender Name

Schon der Begriff „Betreutes Wohnen“ verleitet zu einem Missverst√§ndnis. Viele Interessierte meinen, beim Betreuten Wohnen auch wirklich individuell betreut zu werden. Sie gehen davon aus, dass sich pers√∂nlich jemand um sie k√ľmmert, am besten t√§glich. Das ist aber nicht der Fall. Nat√ľrlich ist Betreutes Wohnen eine Wohnform, bei der es Hilfeleistungen gibt, aber diese stellen in erster Linie eine Unterst√ľtzung im Alltag dar, werden in der Regel nur organisiert und sie sind zu bezahlen. Dabei handelt es sich also eher um praktische Hilfeleistungen.

Hier klaffen Anspruch und Wirklichkeit oft weit auseinander. Das mag daran liegen, dass einige Brosch√ľren, die f√ľr Betreutes Wohnen werben, vom bunten, sozialen Leben im Wohnungskomplex erz√§hlen. Wie intensiv der soziale Austausch dann zwischen den Nachbarn tats√§chlich ist, h√§ngt meist von den Bewohnern selbst ab.

Was genau ist Betreutes Wohnen?

Betreutes Wohnen ist kein gesetzlich gesch√ľtzter Begriff. Jeder darf unter diesem Titel eine beliebige Wohnform anbieten, es gibt keine rechtlich verbindlichen Vorgaben. Oft findet man auch Namen wie Wohnen mit Service oder Service-Wohnen. Beim Betreuten Wohnen leben Senioren eigenst√§ndig in seniorengerechten Wohnungen in einem Wohnkomplex zusammen. Die eigene Wohnung gew√§hrt Privatsph√§re und ein selbstbestimmtes Leben.

Zusätzlich können Bewohner professionelle Serviceleistungen in Anspruch nehmen: ein Hausnotruf ist in der Regel integriert, es gibt einen Hausmeister und einen festen Ansprechpartner vor Ort, manchmal gehört auch die Freizeitgestaltung zum Konzept. Obendrein können bei Bedarf Mahlzeiten geliefert werden, die Wäsche wird gemacht oder die Wohnung gesäubert. Manchmal gibt es auch Fahrdienste oder eine ambulante Pflege wird organisiert.

Der Umfang der Serviceleistungen variiert von Anbieter zu Anbieter. Meist unterscheiden sie zwischen Grund- und Wahlleistungen. Die Bewohner bezahlen eine monatliche Miete, plus einen Grundservice sowie Wahlleistungen.
Stromvergleich
Betreutes Wohnen gibt es in unterschiedlichsten Varianten: Es können mehrere Wohnungen in einem eigenen Wohnkomplex sein inmitten eines Siedlungsgebietes einer Kommune. Der Wohnkomplex kann aber auch an ein Alten- und Pflegeheim angegliedert sein. Das sind nur zwei mögliche Modelle.

F√ľr wen ist Betreutes Wohnen geeignet?

Der Vorteil ist, dass hier Senioren selbstbestimmt leben, ihren Alltag alleine meistern, bei Bedarf aber jederzeit Hilfe in Anspruch nehmen k√∂nnen. Das Netzwerk ist bereits da, es muss im Notfall nicht erst m√ľhselig aufgebaut und organisiert werden. Das gibt vielen √§lteren Menschen ein Gef√ľhl der Sicherheit, vor allem dann, wenn sie vielleicht keine Angeh√∂rigen haben, die im Notfall an ihrer Seite stehen k√∂nnen. In der Regel sind die Bewohner solcher Anlagen noch r√ľstig, wenn sie einziehen, eine Pflegebed√ľrftigkeit liegt noch nicht vor.

Wie sehr sich diese Wohnform langfristig eignet, h√§ngt davon ab, wie hilfebed√ľrftig man ist und welches Konzept der jeweilige Anbieter umsetzt. Manche Angebote setzen ein gutes Ma√ü an Selbstst√§ndigkeit voraus und eine langfristige, umfassende Pflege ist nicht vorgesehen. Wer umfangreiche Hilfe und Versorgung ben√∂tigt, muss in der Regel doch irgendwann in ein Pflegeheim umziehen. Bei anderen Angeboten ist das Betreute Wohnen an eine Pflegeeinrichtung angeschlossen, sodass der Pflegebed√ľrftige jederzeit auch umfangreichere Hilfe in Anspruch nehmen kann.

Tipp: Wer erw√§gt, in Betreutes Wohnen umzuziehen, sollte sich vorher beraten lassen, ob die Wohnform auch tats√§chlich geeignet ist. Anlaufstellen k√∂nnen lokale Alten- und Servicezentren sein, die Pflegest√ľtzpunkte der Pflegekassen beraten zu geeigneten Wohnformen (die Pflegekasse vermittelt Adressen), unter Umst√§nden auch Wohlfahrtsverb√§nde. Oder die L√§nder haben Fachstellen zur Wohnberatung eingerichtet.

Mietwohnung oder Eigentumswohnung

Meist sind es Mietwohnungen, die beim Betreuten Wohnen angeboten werden, eher seltener finden sich Eigentumswohnungen. Egal, ob eine Wohnung zur Miete oder zum Kauf angeboten wird: Sie sollte barrierefrei sein. Das ist wichtig, denn es ziehen ja betagtere Menschen ein, die – auch wenn sie zum Zeitpunkt des Einzugs noch r√ľstig sind – irgendwann vielleicht doch gebrechlicher werden und eine Gehhilfe ben√∂tigen. Dann ist Barrierefreiheit ein wichtiges Kriterium, um auch noch lange in der Wohnung leben zu k√∂nnen. Doch aufgepasst: Auch wenn eine Wohnung im Rahmen des Betreuten Wohnens angeboten wird, ist Barrierefreiheit nicht automatisch gegeben.
Was hei√üt barrierefrei genau? Das hei√üt zum Beispiel, dass es keine Schwellen zwischen Zimmer und Flur oder von Zimmer zu Zimmer gibt. Das hei√üt auch, dass es ein gro√ües Bad gibt, mit Haltegriffen und beispielsweise einer ebenerdigen Dusche. Dazu geh√∂rt auch, dass eventuell Lichter √ľber einen Bewegungsmelder funktionieren. Flure und Treppenh√§user sollten so gro√ü sein, dass ein Rollator dort Platz findet. Der Zugang zum Haus im Au√üenbereich sollte ebenerdig sein. Gibt es Stufen, sollte eine Rampe zus√§tzlich zur Verf√ľgung stehen. Wer eine Wohnung besichtigt, sollte sich in die Lage eines Menschen mit Bewegungseinschr√§nkungen versetzen und √ľberlegen, ob die Wohnung dann den Bed√ľrfnissen gerecht wird. Wichtig ist auch, dass es im Haus einen Aufzug gibt.
Tipp: Es gen√ľgt nicht, dass die Wohnung seniorengerecht oder altengerecht ist. Eine Wohnung sollte ausdr√ľcklich barrierefrei sein, denn dieser Begriff beinhaltet Standards. So ist zum Beispiel in der DIN-Norm 18040- 2 festgeschrieben, was barrierefrei genau beinhaltet (mehr dazu siehe Punkt 3a).

Zum Wohnen geh√∂rt nicht nur die Wohnung selbst, sondern auch das Umfeld. Einkaufsm√∂glichkeiten, eine gute Anbindung an √∂ffentliche Verkehrsmittel, √Ąrzte und Apotheken in der Nachbarschaft sind wichtig, um m√∂glichst lange selbstbestimmt zu leben.

Serviceleistungen beim Betreuten Wohnen

Das, was das Betreute Wohnen vom √ľblichen Wohnen in einem Mehrfamilienhaus abhebt, sind die Serviceleistungen. In den meisten F√§llen wird hier zwischen Basis- oder Grundleistungen und Wahlleistungen unterschieden. Die Basisleistungen gibt es oftmals als Paket und sie sind obligatorisch. Das hei√üt: Wer sich f√ľr das Betreute Wohnen entscheidet, muss sie mit dazu buchen.

Was zu den Grundleistungen gehört, ist von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich. Das sollte mindestens enthalten sein:
  • Ein Hausnotruf, der per Knopfdruck ausgel√∂st werden kann und woraufhin professionelle Hilfe rund um die Uhr an sieben Tagen die Woche zur Verf√ľgung steht.
  • Ein Hausmeisterservice, der sich um die M√ľllentsorgung k√ľmmert, eventuelle Gr√ľnanlagen pflegt, die Treppen s√§ubert, aber auch den Winterdienst √ľbernimmt.
  • Ein fester Ansprechpartner, der zu bestimmten Sprechzeiten vor Ort ist und bei Fragen weiterhilft, wie etwa bei Beh√∂rdenangelegenheiten oder der auch notwendige Hilfen organisiert.
Oft gehört zu den Grundleistungen auch die Organisation und Vermittlung von Freizeit- und Kulturveranstaltungen.

W√§hrend man die Grundleistungen gleich mit Abschluss des Mietvertrags bucht, sollten die Wahlleistungen optional dazu gebucht werden k√∂nnen, am besten auch erst dann, wenn der Bedarf besteht und nat√ľrlich sollte man sie wieder abw√§hlen k√∂nnen, wenn kein Bedarf mehr besteht. Es kann ja durchaus sein, dass ein Bewohner in Folge eines Krankenhausaufenthaltes vor√ľbergehend auf Unterst√ľtzung angewiesen ist, nach vollst√§ndiger Genesung seinen Alltag aber wieder alleine organisieren kann.

Was alles zu den Wahlleistungen gehört, ist von Anbieter zu Anbieter sehr unterschiedlich. Das sind typische Angebote:
  • Mahlzeitenservice
  • W√§scheservice
  • Hauswirtschaftliche T√§tigkeiten
  • Ambulante Pflege
  • Krankenpflege
  • Haar- und Fu√üpflege
  • Begleit- und Fahrdienste

Wichtige Verträge beim Betreuten Wohnen

In Prospekten und bei Besichtigungen kann viel versprochen werden Рentscheidend ist, was in den Verträgen steht. Und hier sind Interessenten angehalten, genau zu lesen und auch zu hinterfragen. Was nicht im Vertrag steht, kann hinterher auch nicht eingeklagt werden.

Mieter unterschreiben beim Betreuten Wohnen mehrere Vertr√§ge: Den Mietvertrag (wir gehen im Folgenden von einem Mietverh√§ltnis aus, da dies die h√§ufigste Variante beim Betreuten Wohnen darstellt), in der Regel einen weiteren Vertrag, in dem die Grundleistungen beschrieben sind und gegebenenfalls noch einen weiteren dritten Vertrag √ľber Wahlleistungen.

Der Miet- und der sogenannte Dienstvertrag (auch Betreuungsvertrag oder Servicevertrag genannt), in dem die Grundleistungen vereinbart sind, sind in der Regel gekoppelt und damit nicht separat k√ľndbar. Der Vertrag, der die Wahlleistungen regelt, sollte jedoch unbedingt separat k√ľndbar sein. W√ľnschenswert ist auch, dass die Wahlleistungen einzeln und nicht nur als Paket gebucht werden k√∂nnen und auch einzeln wieder zu k√ľndigen sind.
 
Das ist wichtig im Mietvertrag (Auswahl):
• Die Wohnung wird in Gr√∂√üe und Ausstattung genau beschrieben. Wenn sie laut Anbieter barrierefrei ist, steht auch die entsprechende DIN-Norm im Vertrag (DIN 18040- 2). Wichtig ist in dem Fall der Begriff barrierefrei, denn er beinhaltet gewisse Standards. Begriffe wie barrierereduziert, barrierearm oder altersgerecht hingegen k√∂nnen niedrigere Standards bedeuten. Ebenso ist die DIN-Norm f√ľr Betreutes Wohnen genannt (DIN 77800).
• Alle Kosten sind aufgeschl√ľsselt: Miete und Nebenkosten. Bei den Mietkosten ist darauf zu achten, wie die Kosten f√ľr die Gemeinschaftsr√§ume berechnet werden und ob sie angemessen sind. Bei den Nebenkosten ist genau aufgelistet, was alles dazu geh√∂rt.
• Der Mietvertrag ist unbefristet und im Idealfall bei Pflegebed√ľrftigkeit zu k√ľndigen. Es gelten dann am besten verk√ľrzte K√ľndigungsfristen.
• Der Mieter kann die Wohnung nicht wegen Eigenbedarf k√ľndigen.

Der Dienstvertrag

Das ist wichtig im Dienstvertrag (Auswahl):
• Im Vertrag sind die Grundleistungen wie der Hausnotruf, der feste Ansprechpartner und der Hausmeisterdienst genau beschrieben. Wichtig ist der zeitliche Umfang – also an wie vielen Wochentagen von wann bis wann eine Leistung abrufbar ist. Mit pauschalen Formulierungen wie „regelm√§√üig“, „umfassend“, „angemessen“ sollte man sich nicht zufriedengeben.
• Im Vertrag sollten die genauen Preise und am besten auch die voraussichtlichen Preissteigerungen festgehalten sein.
• Wissen muss man, dass die Grundleistungen zu bezahlen sind, auch wenn man sie als Bewohner nicht oder kaum in Anspruch nimmt.

Weitere Verträge

Zusatzleistungen wie Essens- und Wäscheservice sind in separaten Verträgen geregelt, auch die Vermittlung bzw. Organisation eines ambulanten Pflegedienstes ist möglich.
Diese Vertr√§ge sind separat k√ľndbar und nicht mit Miet- und Dienstvertrag gekoppelt. Es besteht keine Verpflichtung zur Buchung von Leistungen. Leistungen sollten dem Bewohner Flexibilit√§t bieten und deshalb einzeln und nicht im Paket angeboten werden.
Im Vertrag sollten die genauen Preise und am besten auch die voraussichtlichen Preissteigerungen festgehalten sein.

Qualitätsstandards beim Betreuten Wohnen

An das Betreute Wohnen sind keine bestimmten Leistungen und auch keine Qualit√§tsstandards gekn√ľpft. Je nach Anbieter variieren Umfang und Qualit√§t. Gute Qualit√§t zu erkennen, ist f√ľr den Laien oft gar nicht so einfach. Anhaltspunkte k√∂nnen DIN-Normen und Qualit√§tssiegel sein. So gibt es etwa in Nordrhein-Westfalen und Baden-W√ľrttemberg G√ľtesiegel f√ľr Betreutes Wohnen, die Standards definieren. Wer als Einrichtung das Siegel tr√§gt, hat ein Zertifizierungsverfahren durchlaufen. Welche Anlagen das Siegel erhalten haben, erf√§hrt man bei den √∂rtlichen Verbraucherzentralen, aber auch im Internet unter: www.kuratorium-nrw.de und www.kvjs.de.

Ebenso kann die bundesweit g√ľltige DIN-Norm 77800 f√ľr Betreutes Wohnen ein Hinweis sein, ob wenigstens die Mindestanforderungen erf√ľllt sind. Es steht den Anlagen frei, sich zu zertifizieren – die Einhaltung der DIN-Norm ist rechtlich nicht verbindlich. Auch die DIN-Norm f√ľr barrierefreies Wohnen sollte erf√ľllt sein: DIN 18040-2.

Tipp: Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz empfiehlt, bei der Besichtigung einer Anlage konkret nachzufragen, ob die DIN-Normen eingehalten sind und sich dies eventuell auch schriftlich bestätigen zu lassen.

Die richtige Anlage finden

Die meisten älteren Menschen wollen trotz Hilfebedarf in der gewohnten Umgebung leben. Erste Anlaufstelle ist deshalb auch die Kommune oder der Landkreis, um herauszufinden, ob es zum Beispiel ein Angebot in der Nähe gibt. Auch Beratungsstellen bei den Wohlfahrtsverbänden wissen häufig von Angeboten. Betreutes Wohnen ist sehr regional organisiert. So gibt es in den Bundesländern verschiedene Anlaufstellen, die Adressen von Einrichtungen zusammengetragen haben. Hier vier Beispiele:
Bayern: Bayerische Stiftung f√ľr Qualit√§t im Betreuten Wohnen (BSQBW), www.stiftung-betreutes-wohnen.de.
Rheinland Pfalz: www.sozialportal.rlp.de.
Nordrhein-Westfalen: Kuratorium Qualit√§tssiegel Betreutes Wohnen f√ľr √§ltere Menschen Nordrhein-Westfalen e.V., www.kuratorium-betreutes-wohnen.de.
Baden-W√ľrttemberg: www.kvjs.de


Nat√ľrlich gibt es auch Hilfe im Internet. Auf Portalen kann man √ľber die Eingabe der Postleitzahl Einrichtungen des Betreuten Wohnens in der N√§he finden (z.B. www.wohnen-im-alter.de oder www.betreut-wohnen.de). Tats√§chlich zeigt das Suchergebnis aber h√§ufig auch Wohnangebote in ganz √ľblichen Alten- und Pflegeheimen auf. Das hat nichts mit Betreutem Wohnen zu tun.

Eine umfangreiche Checkliste, mit der Interessenten verschiedene Angebote des Betreuten Wohnens vergleichen können, stellt die Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen bereit (www.bagso.de). Unsere knappe Checkliste zeigt auf, auch welche Leistungen zu achten ist:
Checkliste: Die wichtigsten Kriterien f√ľr Betreutes Wohnen
• G√ľnstige Lage und Verkehrsanbindung
• Barrierefreie Wohnung
• 24-Stunden-Notrufsystem mit Erreichbarkeit von qualifiziertem Personal
• Pflegedienst (von Krankenkasse zugelassen) abrufbar
• Fester Ansprechpartner im Haus
• Hausmeisterservice
• Krankenpflege bei Bedarf abrufbar
• Genaue Aufschl√ľsselung der Mietnebenkosten
• Schutz vor Eigenbedarfsk√ľndigung
• Detaillierte Auflistung inklusive der Preise und k√ľnftiger Preissteigerungen der Grund- und Wahlleistungen

Betreutes Wohnen – Kosten und Finanzierung

Es gibt keine verbindlich festgelegten Kosten, die f√ľr Betreutes Wohnen anfallen. Die Preise variieren enorm, je nach Ausstattung der Wohnung und angebotenem Leistungsspektrum. Es gibt alle Wohnvarianten – von einfach bis luxuri√∂s. Das schl√§gt sich auch im Preis nieder. Grunds√§tzlich bezahlen Bewohner eine monatliche Miete (oder einmalig einen Kaufpreis), plus eine monatliche Betreuungspauschale f√ľr die Basis- oder Grundversorgung. Hinzukommen Kosten f√ľr die Wahlleistungen, die bei Bedarf in Anspruch genommen werden.

Miete und Kaufpreis

Erfolgt das Betreute Wohnen auf Mietbasis – das betrifft die meisten Angebote – dann ist f√ľr die Miete in etwa die √∂rtliche Vergleichsmiete heranzuziehen, plus einen Aufpreis f√ľr die barrierefreie Ausstattung der Wohnung. Wenn au√üerdem Gemeinschaftsr√§ume zur Verf√ľgung stehen, muss man sich auch an diesen kostenm√§√üig beteiligen. In manchen St√§dten gibt es einen Mietspiegel, der einen √úberblick gibt, welche Mieten im Durchschnitt anfallen. Dieser Mietspiegel kann eine Orientierungshilfe darstellen. Ob ein solcher existiert, erf√§hrt man bei der Kommune oder beim Mieterverein.

Werden Wohnungen zum Kauf angeboten, richtet sich auch der Kaufpreis nach den √ľblichen Preisen in der Region. Wer eine Wohnung kauft, muss wissen, dass zu den Kosten auch noch die Grunderwerbsteuer kommt, Kosten f√ľr den Notar und den Grundbucheintrag, eventuell auch eine Maklerprovision. Auch beim Kauf fallen monatliche Kosten an, etwa um R√ľcklagen f√ľr Instandhaltungen zu bilden.

Kosten f√ľr Serviceleistungen

Die Kosten f√ľr die Grundversorgung, die √ľber eine monatliche Pauschale abgerechnet werden, variieren ebenfalls enorm. Entscheidend ist, welche Serviceleistungen der Preis beinhaltet. Je umfangreicher das Leistungspaket, desto teurer. Bei vielen Angeboten fallen im Monat zwischen 60 und 150 Euro an. Es gibt aber auch g√ľnstigere und wesentlich teurere Angebote. Die Kosten berechnen sich pro Person – allerdings f√§llt f√ľr die zweite Person – in der Regel den Ehepartner – oft nur ein geringer Aufpreis an, mal 20, mal 40 Euro. Diese Preise sind als grobe Richtwerte zu verstehen.

Zus√§tzlich fallen Kosten f√ľr die Wahlleistungen an, die individuell bei Bedarf dazu gebucht werden k√∂nnen. Hier gibt es keine Faustregeln, wie hoch die Kosten sind.

Tipp:
Interessenten sollten genau durchkalkulieren, ob sie sich die Anlage auch leisten k√∂nnen, wenn sie sp√§ter noch Wahlleistungen hinzubuchen m√ľssen. Betreutes Wohnen ist nicht unbedingt die preisg√ľnstigste Wohnform im Alter. Einen Gro√üteil der anfallenden Kosten m√ľssen die Bewohner aus eigener Tasche bezahlen.

Betreutes Wohnen finanzieren

Lange Zeit galt der Grundsatz, dass Betreutes Wohnen eher etwas f√ľr gutbetuchte Senioren ist. Das mag auch heute noch teilweise G√ľltigkeit haben, denn tats√§chlich m√ľssen Senioren die Kosten f√ľr Betreutes Wohnen in den meisten F√§llen selbst tragen. Allerdings gibt es inzwischen auch √∂ffentlich gef√∂rderte Bauten, die auf Senioren mit wenig Budget zugeschnitten sind und die dort zum Beispiel mit einem Wohnberechtigungsschein, den sie bei der Kommune erhalten, einziehen k√∂nnen.

Manchmal k√∂nnen Senioren auch √ľber das Wohngeld einen Zuschuss zu Betreutem Wohnen erhalten. Ob und welche M√∂glichkeiten der finanziellen Unterst√ľtzung es gibt, k√∂nnen Interessenten bei der zust√§ndigen Kommune in Erfahrung bringen. Wer bereits finanzielle Leistungen vom Sozialamt erh√§lt, sollte dort abkl√§ren, ob er auch Zusch√ľsse zu Betreutem Wohnen erhalten kann.

Tipp: Mit dem Geldsparen-Wohngeld-Rechner erhalten Sie vorab einen Überblick, ob Sie Wohngeld bekommen können.

Leistungen aus der Pflegeversicherung

Leistungen aus der Pflegeversicherung kommen erst in Frage, wenn der Bewohner pflegebed√ľrftig ist, also einem Pflegegrad zugeordnet ist. Dann k√∂nnen Kosten, die f√ľr einen ambulanten Pflegedienst anfallen, abgerechnet werden. Allerdings rechnet der Pflegedienst seinen Aufwand direkt mit der Kasse ab – alles, was √ľber dem genehmigten Budget liegt, muss der Bewohner selbst bezahlen.

Tipp: Lesen Sie hier, worauf es bei der Einstufung in einen Pflegegrad ankommt.

Liegt ein Pflegegrad vor, dann steht dem Bewohner au√üerdem der sogenannte Entlastungsbetrag von 125 Euro im Monat zu. Damit kann der Bewohner zum Beispiel hauswirtschaftliche Unterst√ľtzung finanzieren. Allerdings erh√§lt er den Betrag nicht bar ausgezahlt, sondern er erh√§lt eine Erstattung nach Rechnungsvorlage. Hier ist gut aufzupassen: Der Anbieter der jeweiligen Leistung muss von der Pflegekasse anerkannt sein. Am besten fragt man bei der Kasse nach, bevor man einen Anbieter beauftragt und l√§sst sich eine Kosten√ľbernahme schriftlich geben.

Da Betreutes Wohnen nicht automatisch hei√üt, dass die Wohnung barrierefrei ist, k√∂nnen auch Zusch√ľsse zur Verbesserung des Wohnumfelds Frage kommen. Ab Pflegegrad 1 werden maximal 4.000 Euro pro Ma√ünahme gew√§hrt. Damit k√∂nnen Umbauma√ünahmen in der Wohnung finanziert werden, wenn dadurch die Pflege erst erm√∂glicht, die Pflege erleichtert oder die Selbstst√§ndigkeit des Versicherten gef√∂rdert wird. Beispielsweise kann eine ebenerdige Dusche eingebaut werden.
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Annette Jäger mein Name ist Annette Jäger. Ich schreibe √ľber Gesundheit, Versicherungen und Soziales auf Ihrem Family-Portal geldsparen.de. Ich habe Neuere Geschichte studiert und bin seit 1993 als Journalistin t√§tig.

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