Rolf Winkel
Ein Beitrag von Rolf Winkel, 13.03.2018

Grundsicherung im Alter Wenn die Miete nicht mehr zahlbar ist

In vielen Städten explodieren die Mieten. Wer nur eine kleine Rente erhält, kann seine Wohnkosten oft kaum noch bezahlen. Wann springt das Amt ein?
Grundsicherung im Alter Wenn die Miete nicht mehr zahlbar ist

Steigende Mieten sind f√ľr viele Rentner ein gro√ües Problem.

Die steigenden Wohnungsmieten sorgen mittlerweile daf√ľr, dass in Gro√üst√§dten wie M√ľnchen sogar Durchschnittsrentner mit einer Bruttorente von 1.200 Euro noch einen Zuschuss vom Sozialamt erhalten k√∂nnen. Die Leistung nennt sich Grundsicherung im Alter.

So können Sie berechnen, ob Sie Anspruch auf Grundsicherung im Alter haben:

Das Sozialhilfe- bzw. Grundsicherungsniveau l√§sst sich einfach errechnen durch die Formel „Warmmiete plus Regelsatz“. 2018 betr√§gt der (Eck-)Regelsatz f√ľr Alleinstehende 416 Euro im Monat. Ein Alleinstehender, der monatlich 400 Euro Warmmiete zahlen muss, hat 2018 einen pers√∂nlichen Grundsicherungsbedarf von 816 Euro.

F√ľr Paare liegt der Regelsatz 2018 insgesamt bei monatlich 748 Euro. Betr√§gt die Warmmiete eines Rentner-Ehepaars beispielsweise 500 Euro, so liegt ihr Grundsicherungsbedarf bei 1.248 Euro. Wer weniger zur Verf√ľgung hat, kann Anspruch auf Hilfe vom Sozialamt haben. Vorrangig muss allerdings Wohngeld in Anspruch genommen werden.

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Wann gilt eine Miete als angemessen?

Vor allem in Gro√üst√§dten sind die Unterkunftskosten jedoch deutlich h√∂her. Die Sozial√§mter akzeptieren in jedem Fall Unterkunftskosten, die am jeweiligen Ort „angemessen“ sind. Als Orientierungsgr√∂√üe dienen dabei h√§ufig die √∂rtlichen Mietspiegel.

In M√ľnchen gilt zum Beispiel seit Oktober 2017 f√ľr einen Einpersonenhaushalt eine Bruttokaltmiete bis zu 657 Euro im Monat als angemessen. In anderen Gro√üst√§dten gelten √§hnlich hohe Betr√§ge. F√ľr Heizkosten h√§lt das M√ľnchner Sozialamt f√ľr einen Einpersonenhaushalt bei Gasheizung in jedem Fall Kosten von 825 Euro im Jahr (monatlich also knapp 70 Euro) f√ľr akzeptabel. Als Warmmiete werden bei einem Alleinstehenden damit in M√ľnchen rund 725 Euro akzeptiert.

Das bedeutet: Die Grundsicherungsschwelle liegt hier f√ľr einen Alleinstehenden 2018 bei (725 + 416 =) 1.141 Euro. Wer nach Abzug von Kranken- und Pflegeversicherungsbeitr√§gen eine Nettorente von 1.000 Euro erh√§lt, hat damit bei einer entsprechend hohen Miete (die in M√ľnchen √ľbrigens „normal“ ist) Anspruch auf einen Zuschuss in H√∂he von 141 Euro vom Sozialamt. In M√ľnchen gibt es dazu noch – als √∂rtliche Sonderregel – einen Zuschlag von monatlich 21 Euro.
   
Angemessene monatliche Unterkunftskosten in Großstädten
(Bruttokaltmiete)
 Stadt  1 Person 2 Personen
 Berlin  404,00 Euro  472,00 Euro
 Hamburg  463,50 Euro 556,20 Euro
¬†M√ľnchen ¬†657,00 Euro ¬†744,00 Euro
 Köln  574,00 Euro 696,00 Euro
 Frankfurt a. M. *  496,00 Euro 560,00 Euro
 Stuttgart 436,50 Euro 546,00 Euro
¬†D√ľsseldorf 415,00 Euro 515,00 Euro
 Dortmund  396,00 Euro 484,80 Euro
 Essen  349,00 Euro 443,95 Euro
 Leipzig 269,57 Euro 354,50 Euro
   * Die Bruttokaltmiete richtet sich nach dem Baujahr des Gebäudes (hier unterstellt: ab 2002)
Quelle: Soziale Sicherheit, 2/2018, S. 79

Wenn Ihre Miete zu hoch ist

Auch wenn Ihre tats√§chliche Miete h√∂her ist als „angemessen“, m√ľssen die √Ąmter zun√§chst die tats√§chlichen Kosten voll ber√ľcksichtigen – in der Regel ein halbes Jahr lang. Die Grundsicherungsbezieher werden dann jedoch aufgefordert, die Unterkunftskosten zu senken – durch Untervermietung oder Suche einer neuen Wohnung. Von da an muss man zumindest belegen k√∂nnen, dass und wie man sich um eine neue Wohnung oder einen Untermieter bem√ľht hat. Andernfalls kann das Amt gegebenenfalls die Kosten√ľbernahme auf den Betrag k√ľrzen, der als „angemessen“ gilt.

Tipp: F√ľr Senioren gilt ein Umzug aus gesundheitlichen Gr√ľnden h√§ufig als unzumutbar, was zur Folge hat, dass dauerhaft h√∂here Mieten √ľbernommen werden.

Grundsicherung und Ersparnisse

Grundsicherung erh√§lt nur, wer als „bed√ľrftig“ gilt. Die Regeln sind dabei etwas entsch√§rft worden. Im April 2017 sind die Verm√∂gensfreibetr√§ge bei der Grundsicherung erh√∂ht worden. Alleinstehende d√ľrfen nun 5.000 Euro an R√ľcklagen haben. F√ľr Ehepaare gilt ein Verm√∂gensfreibetrag von 10.000 Euro. Seit Anfang dieses Jahres wird eine kleine Zusatzrente von bis zu 100 Euro nicht mehr auf die Grundsicherung angerechnet. Bei h√∂heren Zusatzrenten sind maximal sogar 208 Euro anrechnungsfrei. Schon vorher galt: Kinder von Grundsicherungsbeziehern werden von den Sozial√§mtern in der Regel nicht zum Unterhalt herangezogen.

Tipp: Lesen Sie hier, was hinter dem Projekt "Wohnen f√ľr Hilfe" steckt.
 
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Rolf Winkel mein Name ist Rolf Winkel. Ich bin Ihr Spezialist f√ľr alles, was mit Sozialversicherungen, insbesondere mit der Rente zu tun hat. Ich bin gelernter Sozialwissenschaftler und schreibe seit mehr als 30 Jahren Sozialratgeber.

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