Von Anja Lang und Oliver Mest, 28.06.2018

Wurzelbehandlung Wann die Krankenkasse zahlt

Die gesetzliche Krankenkasse bezahlt Wurzelbehandlungen nicht in jedem Fall. Wann sie die Kosten übernimmt und wann eine Zahnzusatzversicherung sinnvoll ist, erfahren Sie hier.
Wurzelbehandlung Wann die Krankenkasse zahlt

Equipment für eine Wurzelbehandlung. Mit speziellen sehr feinen Instrumenten entfernt der Zahnarzt das entzündete Mark, die Blutbahnen und das Nervengewebe aus den Wurzeln des Zahns.

Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen eine Wurzelbehandlung nur noch dann, wenn abzusehen ist, dass der Zahn durch die Behandlung auch tatsächlich erhalten werden kann.

In diesen Fällen zahlt die Krankenkasse die Wurzelbehandlung

Die Chancen dafür sind grundsätzlich umso höher, je gründlicher und damit tiefer die Wurzeln vom Zahnarzt gereinigt und anschließend auch befüllt werden können. Dafür müssen zwei Bedingungen erfüllt sein:

1. Behandlung in die Tiefe möglich

Erste Bedingung der Krankenkassen für die Kostenübernahme der Wurzelbehandlung ist somit, dass der Zahnarzt die Wurzelkanäle bis an die Spitze behandeln kann und auch eine Füllung bis dahin möglich ist.

2. Gesamtsituation im Kiefer

Für die Wurzelbehandlung der Backenzähne gelten außerdem zusätzlich noch gesonderte Bedingungen, von denen mindestens eine zutreffen muss.
  • So zahlt die Krankenkasse die Wurzelbehandlung eines Backenzahns, wenn der Zahn in einer bis dahin noch vollständigen Reihe ohne sonstige Lücken steht und mit der Wurzelbehandlung diese ununterbrochene Zahnreihe erhalten werden kann. 
  • Und/oder wenn durch die Wurzelbehandlung eine sogenannte einseitige Freiendsituation vermieden werden kann. Das heißt, dass verhindert werden kann, dass auf einer Seite der letzte Zahn fehlt
  • Und/oder wenn der Zahn einen bereits bestehenden und funktionstüchtigen Zahnersatz trägt und dieser dadurch erhalten werden kann.

Wird keines dieser Kriterien erfüllt, besteht die Kassenleistung für die Wurzelbehandlung lediglich im Entfernen des erkrankten Zahns.

Unsicherheit für die Patienten - auch finanziell

Nicht immer ist es für den Zahnarzt einfach im Voraus zu bestimmen, ob die Krankenkassen-Kriterien eingehalten werden können. Manchmal sieht man einen Wurzelkanal auf dem Röntgenbild nicht richtig. Manchmal wird erst während der Behandlung klar, dass Wurzelkanäle weiter verzweigt sind, als man dachte. Können die oben genannten Bedingungen dadurch nicht mehr erfüllt werden, darf der Zahnarzt die Kosten nicht mehr über die Krankenkasse abrechnen.
Hintergrund: Was passiert bei einer Wurzelbehandlung?

Wird Karies über längere Zeit nicht versorgt, können Bakterien in die tieferen Schichten des Zahns vordringen und in den Zahnwurzeln eine äußerst schmerzhafte Entzündung auslösen – Zahnverlust droht. Soll der Zahn erhalten bleiben, muss der Zahnarzt die Entzündung rechtzeitig und nachhaltig stoppen. Dazu führt er eine sogenannte Wurzelbehandlung durch.

Bei einer Wurzelbehandlung öffnet der Arzt den Zahn an der Zahnkrone durch ein Loch und entfernt mit speziellen sehr feinen Instrumenten das entzündete Mark, die Blutbahnen und das Nervengewebe aus den Wurzeln des Zahns. Die entstandenen Hohlräume werden anschließend desinfiziert und dann mit einem speziellen Wurzelfüllmaterial wieder gefüllt. Danach verschließt der Zahnarzt das Loch wieder. In der Regel sind mehrere Sitzungen nötig. Häufig wird der behandelte Zahn – zur besseren Stabilisierung – anschließend noch überkront.

Wurzelbehandlung immer häufiger Privatleistung

Die gesetzliche Krankenkasse zieht sich nicht nur dann aus der finanziellen Verantwortung zurück, wenn die erwähnten Kriterien nicht erfüllt werden. Häufig werden von Zahnärzten bei der Wurzelbehandlung auch bestimmte moderne Verfahren eingesetzt, die zu höheren Erfolgschancen führen sollen oder geringere Schmerzen verursachen. Dazu zählen der Einsatz eines OP-Mikroskopes bzw. OP-Lasers, die elektronische Wurzellängenmessung oder auch die Anwendung von elektrophysikalisch-chemischen Methoden. Nehmen Sie eine solche Behandlung in Anspruch, müssen Sie die Kosten dafür selbst tragen. Das können bis zu 500 Euro sein.

Zahnzusatzversicherung übernimmt die Kosten

Die meisten Zahnzusatzversicherungen sehen heute bereits die Kostenübernahme für Wurzelbehandlungen vor, wenn und soweit die Kasse nicht leistet. Die Bedingungen sind dabei sehr unterschiedlich: Manche Zahnzusatzversicherungen setzen voraus, dass die Kasse grundsätzlich leistet, und erstatten dann die Zusatzkosten für privatärztliche Behandlungen. Andere Zahnzusatzversicherungen springen nur dann ein, wenn die Kasse gar nicht einstandspflichtig ist.

Tipp:
Nutzen Sie unseren Vergleichsrechner, um den passenden Tarif zu konfigurieren, wenn Ihnen eine Absicherung von Zusatzkosten bei der Wurzelbehandlung wichtig ist:
Zahnzusatzversicherung mit Wurzelbehandlung finden

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Leserkommentare

Kommentare können sich auf eine ältere Version des Artikels beziehen.

18.01.2017 16:21 Uhr
Geldsparen-Redaktion: @ Kurt
Vielen Dank für Ihren ausführlichen Erfahrungsbericht. Bei Problemen mit der Zahnzusatzversicherung kann Ihnen möglicherweise der Ombudsmann weiterhelfen. Der folgende Link könnte Ihnen behilflich sein, wenn Sie Beschwerde einlegen möchten: https://www.pkv-ombudsmann.de/ihre-beschwerde/beschwerde-einreichen/

18.01.2017 15:45 Uhr
Kurt: gesetzlich krankenversichert + Zusatzversicherung
Bei der jährlichen Zahnuntersuchung hat man mir eine Wurzelbehandlung am Backenzahn empfohlen, weil ich angeblich eine chronische Entzündung drin haben soll. Ich habe keinerlei Beschwerden, weder beim Kauen noch auf Kälte usw usw. Naja kein Thema dachte ich und daraufhin meinte meine Zahnärztin, dass sie mich an einen Spezialisten weiterschicken müsste. Dieser Spezialist hat mir einen Kostenvoranschlag von 700,00 EUR gegeben. Ich dachte, naja egal für was habe ich den die sündhaft teure Zahnzusatzversicherung bei der ich seit über 13 Jahren bin. Antwort der Zusatzversicherung war, dass über 300 Euro nicht erstattungsfähig ist und mit irgenwelchen GOZ Kennzeichen bla bla. Daraufhin habe ich das dem Spezialisten weitergeleitet, der behauptete, dass die Versicherung falsch liegt und alles abrechnungstechnisch korrekt sei. Fazit war, ich habe den angedachten Termin für die Wurzelbehandlung storniert und werde meinen Zahnarzt auch wechseln. Ich habe weder Schmerzen, noch irgendwelche anderen Probleme und ich bin mir fast sicher, dass es nichts anderes ist als ABZOCKE. Das wird man zu seinem Spezl weitergeleitet und somit wird meiner Meinung nach nur die Kunden hin und her geschoben um ordentlich mal alles aus einem Patienten finanziell rauszuholen. Eine absolute Frechheit, für was wir eigentlich noch gesetzliche + Zusatzversicherungen haben, wenn am Ende des Tages sowie der Patient das meiste selbst bezahlen muss.

29.12.2016 11:25 Uhr
Zahnfee: Kosten Wurzelbehandlung
Nun ja, man sollte sich bei solch einem Problem immer eine Zweitmeinung bei einem anderen Arzt einholen. Bei einem Zahnarzt der auf Wurzelbehandlungen spezialisiert ist zahlt man 800-1.400 EUR. Ich frag mich was wir noch zahlen müssen und ärgere mich jedes Jahr aufs Neue. Jetzt gibt es Zahnzusatzversicherungen, in ein paar Jahren wird es weitere Versicherungen geben. Die Ideen hören ja nicht auf.


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