Von Anja Lang und Oliver Mest, 14.06.2018

Kieferorthopädie und Zahnzusatzversicherung Raus aus der Kostenfalle Zahnspange

Mehr als die Hälfte der Kinder in Deutschland trägt eine Zahnspange. Ein teures Vergnügen für die Eltern, denn nicht immer zahlen die Krankenkassen - eine private Zahnzusatzversicherung kann finanziell entlasten.
Krankenkasse Kostenfalle Zahnspange

Die gesetzlichen Krankenkassen kommen für Zahnspangen auf, wenn die Therapie wirtschaftlich, ausreichend und zweckmäßig ist.

Zahnfehlstellungen und Kieferfehllagen nehmen immer mehr zu. "Platzprobleme" im Mund führen dazu, dass sich Zähne am Kieferbogen verdrehen, kippen und nach innen oder nach außen wachsen. Viele Fehlstellungen sind hausgemacht – Prävention spart Ihnen und den Krankenkassen Geld. Lang andauerndes Daumen- und Schnullerlutschen sowie Zungen- und Lippenpressen, Wangenbeißen, Nägelkauen und Zähneknirschen verformen den Kiefer und können ebenfalls zu massiven Zahnfehlstellungen führen. Auch der frühzeitige Verlust von Milchzähnen kann sich negativ auf das bleibende Gebiss auswirken, da wichtige Platzhalter fehlen. Abhilfe verschafft eine kieferorthopädische Behandlung. Diese ist jedoch mit hohen Kosten verbunden, die Krankenkasse übernimmt Kosten nur in festgelegten Fällen.

Zahnspange: Die Krankenkasse zahlt nicht in jedem Fall

Schiefe Zähne sehen aber nicht nur unschön aus, sie führen auch zu gesundheitlichen Problemen, wenn sie beim Kauen, Schlucken, Atmen oder Sprechen behindern. Deshalb beteiligen sich die gesetzlichen Krankenkassen in vielen Fällen auch an den Kosten für eine kieferorthopädische Behandlung, wenn Fehlstellungen in den kieferorthopädischen Indikationsgruppen (KIG) 3 bis 5 festgestellt werden. Für leichtere Fehlstellungen in den KIG 1 uns 2 dagegen übernimmt die Kasse keinen Anteil. Die KIG stellt der Kieferorthopäde bei der Eingangsuntersuchung fest. In der Regel ist er es auch, der den Antrag auf Kostenübernahme bei der Krankenkasse stellt.

Zahnspange: Krankenkasse zahlt erst im späten Zahnwechsel

Eine kieferorthopädische Behandlung, häufig via Zahnspange, beginnt in der Regel im Alter von etwa neun bis elf Jahren in der Zeit des späten Zahnwechsels, wenn die hinteren Backenzähne durchbrechen. In diesem Alter gilt die Behandlung als besonders sinnvoll und effektiv. Denn die meisten bleibenden Zähne sind schon da und der Kiefer ist noch im Wachstum. Selbstverständlich ist auch bei erwachsenen Personen über 18 Jahren noch eine Korrektur möglich.

Sie ist jedoch schwieriger durchzuführen, da das Kieferwachstum bereits abgeschlossen ist. Hier zahlt die Krankenkasse in der Regel übrigens gar keinen Zuschuss. Nur in Ausnahmefällen, wenn zum Beispiel ganz schwerwiegende Fehlstellungen vorliegen, werden Kosten von der Krankenkasse übernommen.

Zahnspange: Kosten der Behandlung

Eine kieferorthopädische Behandlung ist langwierig und dauert meist mehrere Jahre. Die Kosten sind dabei so unterschiedlich, wie die Behandlung selbst. Die Therapie mit einer losen Zahnspange ist deutlich günstiger, als die mit einer festen Zahnspange. Nicht selten werden aber innerhalb einer Therapie auch beide Methoden miteinander kombiniert. Welche Zahnspange wie lange genau erforderlich ist, muss der behandelnde Kieferorthopäde entscheiden.

Zahnspange kostet mehrere Tausend Euro

Alles in allem muss man aber mit einer Summe von mehreren Tausend Euro rechnen. Davon übernimmt die gesetzliche Krankenkasse 80 Prozent. Für die restlichen 20 Prozent müssen die Eltern erstmal in Vorkasse treten. Wird die Therapie mit der Zahnspange erfolgreich abgeschlossen, erhält man das Geld am Ende der Behandlung wieder von der Krankenkasse zurück. Die Krankenkassen wollen so einen gewissen Druck ausüben, damit der Patient bei der Behandlung auch ausreichend mitwirkt und die verordnete Spange regelmäßig trägt.

Zahnspange: Die Krankenkasse bietet die Standardlösung

Der Gesetzgeber schreibt vor, dass die gesetzliche Krankenkasse ausschließlich für eine Therapie aufkommt, die wirtschaftlich, ausreichend und zweckmäßig ist. Bei der kieferorthopädischen Behandlung entspricht das einer Versorgung mit einfachen Metallbrackets, die für alle Zähne gleich groß sind, sowie Stahlbögen, die mit Gummis befestigt werden.

Zusatzleistungen werden nicht von der Krankenkasse übernommen

Ähnlich wie beim Zahnersatz, gibt es natürlich auch bei der kieferorthopädischen Therapie eine Reihe an Möglichkeiten, die für mehr Tragekomfort und kürzere Behandlungszeiten sorgen, die als schonender und weniger schmerzhaft gelten oder die einfach nur optisch besser aussehen. Die Kosten für diese Zusatzleistungen - mehr zu den einzelnen Punkten im nächsten Absatz - werden allerdings nicht von der Krankenkasse übernommen. Wenn Eltern mit ihren Kindern eine solche Versorgung wünschen, müssen sie die Kosten selbst tragen, wenn nicht eine Zahnzusatzversicherung diese Kosten übernimmt.

Übersicht: Teure Zusatzleistungen bei der kieferorthopädischen Behandlung

>>> Kunststoff- und Keramikbrackets

Kunststoff- und Keramikbrackets sorgen vor allem für eine ansprechendere Optik während der Tragezeit, da sie durchscheinend oder zahnfarben sind.

>>> Selbstligierende Brackets

Häufig angeboten werden inzwischen auch sogenannte selbstligierende Brackets. Die Bögen halten hier ohne die auffälligen Gummis. Die Behandlung soll schonender sein und weniger schmerzhaft. Außerdem wird diesen Brackets eine effektivere Kräfteübertragung durch nahezu null Reibungsverluste nachgesagt.

>>> Hochelastische Nitinol-Bögen

Standardmäßig wird in der Kieferorthopädie mit Stahlbögen gearbeitet, die relativ dick sind und hohen Druck auf die Zähne ausüben. Das kann zu Schäden an der Zahnwurzel führen. Als Alternative hierzu wurden Bögen aus dem Werkstoff Nitinol entwickelt, die zu 55 Prozent aus Nickel und zu 45 Prozent aus Titan bestehen. Sie sind hochelastisch und üben einen leichteren Druck auf die Zähne aus. Dieser Druck ist allerdings nicht individuell steuerbar, sondern besteht ständig und ist gleichbleibend stark.


Zahnspange: Hygiene, Pflege, Schutz

Bei einer festsitzenden Zahnspange ist die Reinigung der Zähne durch die Brackets und Bögen erheblich erschwert. Zudem können sich Speisereste besonders leicht verfangen und festsetzen. Zahnspangenträger sind also einem erhöhten Kariesrisiko ausgesetzt und sollten unbedingt auf eine penible Zahnhygiene achten.


Langzeit-Retainer

Sind Zähne und Kiefer nach langer Behandlung endlich in die richtige Position gebracht, neigen sie leider eine gewisse Zeit lang dazu, sich wieder in die alte Richtung zu bewegen. Vor allem die Frontzähne verstellen sich leicht, da sie relativ schwache Wurzeln haben. Nach Abschluss der aktiven Behandlung, werden deshalb sogenannte Retainer eingesetzt.

Zahnzusatzversicherung - Kosten für die Zahnspange auf Null setzen!

Gerade die privatärztlich berechneten Zusatzleistungen machen die Zahnspange und die kieferorthopädsiche Behandlung insgesamt sehr teuer: Zuzahlungen von 1.250 bis 2.000 Euro sind keine Seltenheit, sondern Realität für viele Eltern.  Eine Zahnzusatzversicherung kann helfen, diese Kosten nahezu auf Null zu setzen - denn leistungsstarke Tarife sehen vor, dass in allen Indikationsgruppen Zuzahlungen geleistet werden, die damit auch unabhängig sind von den Kassenleistungen. Hier finden Sie ausgesuchte Zahnzusatzverscherungen, die hohe Leistungen für die kieferorthopädische Behandlung Ihrer Kinder vorsehen:
Zahnzusatzversicherung für Kieferorthopädie
 Versicherer/ Tarif  Erstattung bei KIG 1 + 2  Erstattung bei KIG 3 bis 5 Beitrag / Monat 
 INTER Z 90  80 %    80 % (max. 1.000 €)   6,90 €
ARAG Dent 90  80 %   80 % (max. 1000 €)  13,91 €
AXA Dent Komfort    75 %   75 % (bis 750 €)  12,58 €
Signal Zahn TOP pur   90 %   90 %  9,54 €
 Allianz Zahn Best    90 % (max. 2.000 €)   90 %  9,44 €
 
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Zahnzusatzversicherung für Kinder - worauf achten?

Beim Abschluss einer Zahnzusatzversicherung für den Nachwuchs sollten die Eltern einiges beherzigen.

1. Früh kümmern

Eltern sollten sich frühzeitig um das Thema Zahnzusatzversicherung für ihren Nachwuchs kümmern, wenn die Kostenübernahme für kieferorthopädische Maßnahmen angestrebt wird. Denn mit einer festgestellten Zahnfehlstellung wird keine Zahnzusatzversicherung die kieferorthopädische Behandlung zahlen. Spätestens im Alter von vier bis sechs Jahren sollte der Abschluss erfolgen, danach kommt es oft zum Besuch beim oder der Überweisung zum Kieferorthopäden und zu ersten Indikationen für Fehlstellungen. 

2. Prophylaxe und Zahnbehandlungen mitversichern

Nicht nur kieferorthopädsiche Behandlungen sollten versichert sein, sondern auch Zahnbehandlungen und Prophylaxe-Maßnahmen: Vieles ist heute nicht mehr Kassenleistung, etwa eine professionelle Zahnreinigung bei älteren Kindern oder eine Versiegelung der Zähne. Und natürlich tragen die Kassen bei Zahnbehandlungen die Kosten für zweckmäßige Versorgungen - eine Zahnzusatzversicherung für Kinder trägt die Kosten für Zahnbehandlungen dagegen voll, auch wenn privatärztliche Maßnahmen abgerechnet werden.

3. Gesundheitsfragen nicht auf die leichte Schulter nehmen

Auch bei Kindern müssen für den Antrag auf Abschluss einer Zahnzsuatzversicherung Gesundheitsfragen beantwortet werden. Achten Sie darauf, dabei keine – wenn auch nur fahrlässigen – Falschangaben zu machen, sondern klären Sie den Zahnstatus mit einem Blick in die Patientenakte des Kindes.

Tipp: Lesen Sie hier, welche Füllungen die Krankenkasse zahlt.

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Leserkommentare

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16.10.2017 14:42 Uhr
Jan: Edelstahl-Brackets vs, Selbstlegierende Brackets
Hallo Zusammen, das ist wieder der gleiche Murks wie mit den Amalgan Füllungen. Gute Alternativen werden den nicht von der Kasse bezahlt. Zu den Brackets: Der behandelnde Arzt benötigt bei den einfachen Brackets für die Einstellung die doppelte Zeit. Jetzt muss man mal rechnen, was günstiger ist. Die Brackets oder die Zeit des Personals???? Es wird Zeit dass der Gesetzgeber bei Innovationen mal die Vorgaben für die Kassenleistungen korrigiert. Beste Grüße

18.03.2017 19:13 Uhr
Sabine Meier: Kinder kosten Geld
Ich bin 59 Jahre alt und meine Eltern mußten in den 60er Jahren noch komplett meine Zahnspange selbst bezahlen, da war an Kassenleistung überhaut noch nicht zu denken. Meine Eltern hatten 3 Kinder, mein Vater verdiente im Monat DM 400,00 und meine Zahnspange hat meine Eltern damals DM 6.500,00 gekostet und es ist meinen Eltern sehr, sehr schwer gefallen......... Heute wird auf hohem Niveau gejammert.

26.01.2017 11:54 Uhr
Robin Brennecke: Zahnspangen
Hallo, ich habe zwei Jungs mit denen wir beim Kieferorthopäden waren. Das Ergebnis – beide würden eine Zahnspange benötigen, die die Krankenkasse aber nicht übernimmt, da die Zahnspange erst ab der Stufe 3 bezuschusst wird. Kosten pro Kind 6000€, also zusammen 12.000€. Natürlich wurden darüber informiert, dass es bei nicht Behandlung später zu Folgeschäden bzw. Fehlstellungen kommen kann. Für Eltern eine unerträgliche Situation. Wir arbeiten beide im öffentlichen Dienst, und haben ganz normale Gehälter, aber 12.000€ für Zahnspangen kann ich nicht aufbringen. Auf Nachfrage, wie das andere Familien lösen, die finanziell nicht so breit aufgestellt sind, bekamen wir die Antwort: den nächsten Sommerurlaub ausfallen zu lassen. Selbst der Sommerurlaub hat bei uns nicht diese Dimension. Auch die zweite Meinung eines anderen Kieferorthopäden, hat ein etwa identisches Ergebnis geliefert. Ich frage mich wirklich wie das andere Familien lösen, ob sie einen Kredit aufnehmen müssen oder an die harten Reserven rann müssen. Des Weiteren würde mich interessieren, was das Ministerium für Familien und Gesundheit dazu sagt, bzw. ob diese Situation den Herrn und Damen Politikern/innen bekannt ist. Es sollte auf jeden Fall noch eine vernünftige alternative Variante, zu diesen überteuerten Behandlungsmethoden geben. Ich sehe hier in Deutschland absoluten Handlungsbedarf im Bereich des Familien und Gesundheitswesen. Viele Grüße Eine verzweifelte Familie

19.10.2016 15:53 Uhr
Verena: Abzocke oder Wahrheit
Wir waren mit unserem Sohn nun schon bei 2 verschiedenen Kieferorthopäden, da uns der erste einen Behandlungsplan vorgelegt hat, der uns über 1500 Euro zusätzlich zu den 20% Kassenvorschuss kosten sollte. Eine kassenärzliche Alternative ist dort gar nicht verfügbar - verfügbar war aber noch die Luxusbehandlung, die nochmal 400 Euro teurer war. Also dachten wir: das kann nicht rechtens sein, es muss immer eine Alternative zur Verfügung stehen und holten uns so einen zweiten Termin bei einer anderen Ärztin. Doch hier dann der Schreck: die Kosten, die uns genannt wurden, wären sowieso schon sehr günstig, bei der anderen würde es noch mehr kosten. Die Alternative, die die Kassen zahlen würden, werden heutzutage gar nicht mehr hergestellt und außerdem hätten diese Dinge Wurzelrisse verursacht. Hä? Werden wir hier in Frankfurt total veräppelt oder stimmt das etwa tatsächlich. Liegen wir so falsch, dass es immer eine Wahlmöglichkeit geben muss zwischen dem was die Kasse zahlen würde und der Behandlung mit Zuzahlung?


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