Von Klaus Justen, 15.11.2008

Schadensmeldung Falsche Angaben können teuer werden

Sturm und Hagel, ein selbstverschuldeter Unfall: Die meisten Autofahrer sch√ɬľtzen sich gegen teure Sch√ɬ§den mit einer Kaskoversicherung. Dreh- und Angelpunkt bei vielen Streitereien zwischen Versicherungsgesellschaften und ihren Kunden ist dabei die Schadensmeldung. Die muss schnell erfolgen - und sie muss der Wahrheit entsprechen. Tut sie das nicht, liegt eine sogenannte Obliegenheitsverletzung vor und der Versicherungsschutz ist weg.
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Wer zum Beispiel nach dem Gewitter feststellt, dass der Hagel Dellen hinterlassen hat, sollte den Schaden in einer Werkstatt anschauen lassen und sogleich die Versicherung informieren. Normalerweise ist in den Vertragsbedingungen eine Frist von einer Woche vorgesehen. Bemerkt der Autobesitzer jedoch den Hagelschlag nicht - vor allem sehr kleine Hageldellen sind nur zu erkennen, wenn das Licht im richtigen Winkel auf das Blech fällt -, und der Schaden fällt erst beim nächsten Inspektionstermin in der Werkstatt auf, sollte es allerdings auch keine Probleme geben. Aber wenn der geringste Zweifel besteht, dass der Hagelschauer einen Schaden angerichtet hat, lieber einen Experten nachschauen lassen!

Mogeln ist riskant

Nicht nur schnell sollte man bei der Schadensmeldung sein, sondern vor allem bei der Wahrheit bleiben. Fliegt eine Mogelei auf, gibt’s kein Geld. Wer etwa bei Kilometerleistung, etwaigen Unfall-Vorsch√§den oder beim Kaufpreis mogelt, sieht keinen Cent, wenn der Versicherung der Schwindel auff√§llt. Eine Obliegenheitsverletzung berechtigt den Versicherer, die Leistung zu verweigern.

In der Kasko f√ľhrt das dazu, dass der Versicherte auf seinem Schaden sitzen bleibt. In der Haftpflicht erh√§lt zwar der Gesch√§digte Geld von der Versicherung, die holt sich aber einen geh√∂rigen Teil davon von ihrem Kunden zur√ľck. Meist sind 5.000 Euro in den Versicherungsbedingungen festgelegt. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn der Unfall unter Alkoholeinfluss begangen wurde oder der Versicherte Unfallflucht begangen hat.

Ein kleines Hintert√ľrchen bleibt, wenn tats√§chlich falsche Angaben gemacht wurden: die schnelle Korrektur des Fehlers. Wer aus Versehen eine falsche Laufleistung in der Schadensmeldung eingetragen hat, sollte also nicht darauf vertrauen, dass es vielleicht niemand merkt, sondern schnell die Versicherung informieren. Das gilt auch dann, wenn Zweifel aufkommen etwa an der H√∂he eines Vorschadens und sich die alten Rechnungen nicht auf die Schnelle finden lassen.

Der Bundesgerichtshof stellt klar: Korrigiert ein Kunde seine falschen Angaben so schnell, dass der Versicherung der Fehler noch nicht aufgefallen und ihr vor allem durch eine zu hohe Zahlung noch kein Schaden entstanden ist, dann rettet er damit seinen Versicherungsschutz. In diesem Sinne entschied etwa das Oberlandesgericht Bamberg im Fall eines Autofahrers, der einen h√∂heren Kaufpreis angegeben hatte, indem er nachtr√§glich angeschafftes Hardtop und CD-Wechsler einrechnete, und den Wagen als unfallfrei bezeichnete. Gl√ľck f√ľr ihn: Er korrigierte sich umgehend, die Versicherung musste zahlen (OLG Bamberg, 1 U 85/02 1).
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Unfallsch√§den: Alle Vorsch√§den m√ľssen angegeben werden, wenn die Versicherung danach fragt. So lie√ü das Oberlandesgericht Koblenz einen Autofahrer leer ausgehen, der nur einen Unfallschaden - den letzten - angegeben hatte, obwohl nach allen gefragt war (OLG Koblenz, 10 U 1627/99). Wer auf die Frage nach Unfallsch√§den mit nein” antwortet, obwohl er das Auto gar nicht selber nutzte, handelt bedingt vors√§tzlich”. In diesem Fall war das Auto geklaut worden. In der Schadensmeldung beantwortete der Vater, auf den das Auto versichert war, die Frage nach Unfallsch√§den mit nein. Das h√§tte er nicht so einfach tun d√ľrfen, weil das Auto ausschlie√ülich von seinem Sohn genutzt wurde. (OLG K√∂ln, 9 U 130/98).

Kilometerangaben: Auch hier hei√üt es, genau zu sein. Das Kammergericht Berlin (6 U 298/01) verweigerte einem Autofahrer, der die Laufleistung um fast 12.000 Kilometer zu niedrig angegeben hatte, Schadensersatz f√ľr sein gestohlenes Auto. Faustregel der Berliner Richter: Bis zu zehn Prozent Abweichung k√∂nnten jenseits der 100.000 km Gesamtfahrleistung noch toleriert werden, mehr aber nicht. Abzuraten ist allerdings davon, diese Marge tats√§chlich auszureizen; das kann schief gehen.

Unfallflucht ist immer eine Verletzung der Aufklärungspflicht in der Haftpflicht- und in der Kaskoversicherung. Selbst wenn die Haftungslage klar ist, stellt das Verlassen der Unfallstelle eine Obliegenheitsverletzung dar, so der Bundesgerichtshof. (BGH, IV ZR 71/99).

Kunde und Versicherungsvertreter mogeln: Auch wenn der Versicherungsvertreter, mit dem der Kunde zusammen die Schadensmeldung ausf√ľllt, wei√ü, dass der Kunde die Wahrheit glattgeb√ľgelt hat, darf die Versicherung die Leistung verweigern, wenn der Schwindel auffliegt.

Im vom Oberlandesgericht Brandenburg (7 U 55/98) entschiedenen Fall hatte der Autobesitzer nach einem Diebstahl absichtlich falsche Angaben gemacht. Darauf hatte er sich mit dem Versicherungsvertreter geeinigt, damit die Assekuranz unproblematischer reguliere. Aber Achtung: In diesem Fall entscheidend war die Tatsache, dass der Versicherte die Schadensmeldung selber ausf√ľllte und unterschrieb.H√§tte der Versicherungsvertreter das Formular ausgef√ľllt, w√§re die Sache anders ausgegangen. Dann h√§tte sich der Kunde n√§mlich darauf berufen k√∂nnen, er habe den Vertreter richtig informiert, der habe aber etwas falsches eingetragen. Dann m√ľsste die Versicherung beweisen, dass der Kunde ihren Vertreter falsch informiert hat.

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