Von Olaf Grahl, 11.05.2018 (Aktualisiert 14.09.2018)

Strompreise Diese Fallen lauern beim Stromanbieterwechsel

Durch einen Stromanbieterwechsel können Verbraucher zuweilen viel Geld sparen. Damit alles reibungslos klappt, sollten sie auf einige Punkte achten.
Strompreise Diese Fallen lauern beim Stromanbieterwechsel

Viele Verbraucher bekommen beim Blick auf den Stromzähler und die anschließende Rechnung einen Schreck.

1998 wurden die Energieversorgermonopole abgeschafft. Seitdem können Verbraucher ihren Stromanbieter wechseln. Betrachtet man die Zahl der Anbieter, so ist der Wettbewerb mittlerweile groß.

Verbraucher zahlen f√ľr ihren Stom allerdings mehr als zuvor. Der Preis pro Kilowattstunde Strom ist um 70 Prozent auf im Schnitt 29,16 Cent gestiegen. Hauptgrund f√ľr den starken Anstieg ist die Entwicklung von Steuern und Umlagen, die private Verbraucher zus√§tzlich zum eigentlichen Strompreis zahlen m√ľssen.

Durch einen Wechsel 300 bis 400 Euro sparen

Viele Verbraucher sind nicht bereit, ihren Stromanbieter zu wechseln. Und immer noch f√ľhrt der Wechsel h√§ufig zu √Ąrger. Dennoch kann er sich lohnen: Unter Einberechnung der hohen Bonuszahlungen lassen sich zuweilen 300 bis 400 Euro im ersten Jahr sparen. Immerhin noch bis zu 200 Euro sind es, wenn man Tarife ohne Bonuszahlungen w√§hlt.

Allerdings gibt es einige Punkte, auf die Verbraucher beim Stromanbieterwechsel dringend achten sollten:

1. Alten Vertrag richtig k√ľndigen

Wer in der Grundversorgung seines √∂rtlichen Energieanbieters ist, kann den Vertrag jederzeit mit einer Frist von zwei Wochen k√ľndigen. Bei anderen Vertr√§gen komme es auf die darin festgelegte Laufzeit an, meist betrage sie zw√∂lf Monate, so die Verbaucherzentrale Hamburg. √úblich ist dann eine K√ľndigungsfrist von maximal sechs Wochen.

√Ąndert der Stromanbieter jedoch den Preis oder die Vertragsbedingungen, gilt ein Sonderk√ľndigungsrecht. Verbraucher k√∂nnen den Vertrag dann zum Zeitpunkt des Wirksamwerdens der √Ąnderungen k√ľndigen. Eine K√ľndigungsfrist gibt es in diesem Fall nicht. Man muss sich jedoch schnell einen neuen Stromanbieter suchen. Gelingt das nicht, springt automatisch der √∂rtliche Energieversorger ein. Eine Unterbrechung der Stromversorgung ist somit ausgeschlossen.

Tipp: Bei einem normalen Wechsel (wenn also kein Sonderk√ľndigungsrecht besteht) sollte man die K√ľndigung dem neuen Anbieter √ľberlassen, so die Hamburger Verbrauchersch√ľtzer.
 
Stromvergleich

2. Nicht zu lange an den neuen Stromanbieter binden

Die neuen Vertr√§ge laufen in der Regel zw√∂lf Monate und verl√§ngern sich auch um diesen Zeitraum, wenn sie nicht rechtzeitig gek√ľndigt werden. Das kann zum Nachteil werden, wenn die Preise im zweiten Jahr deutlich steigen, was h√§ufig der Fall ist.

Tipp: Machen Sie sich beim Abschluss des Vertrages eine Notiz in Ihren Kalender, damit Sie rechtzeitig an den K√ľndigungstermin denken.

3. Bei Bonuszahlungen genau hinsehen

Dass der Strompreis bei einem neuen Anbieter anfangs meist besonders g√ľnstig ist, liegt h√§ufig an den Bonuszahlungen. Durch sie k√∂nnen Kunden im ersten Jahr einige Hundert Euro sparen. Ohne diese Bonuszahlungen haben die Anbieter wenig Spielraum, sich preislich von den Wettbewerbern zu unterscheiden. Denn zu mehr als zwei Dritteln setzt sich der Strompreis aus Steuern und Abgaben sowie den Geb√ľhren der Stromnetz¬≠betreiber zusammen. Die Kosten f√ľr Erzeugung und Vertrieb von Strom machen nur rund 19 Prozent aus. Meist verdienen die Anbieter im ersten Jahr kein Geld. Das kann sich aus ihrer Sicht nur auszahlen, wenn der Kunde in den folgenden Jahren deutlich h√∂here Preise bezahlt.

Unterscheiden muss man zwischen Sofortkundenbonus und Neukundenbonus. Den Sofortkundenbonus erhalten Kunden meist zwei Monate nach Lieferbeginn. Der Neukundenbonus hingegen wird erst nach zw√∂lf Monaten ausgezahlt. Hier kann es passieren, dass Kunden, die gek√ľndigt haben, einen Tag fr√ľher aus dem Vertrag entlassen werden. So will sich der Anbieter die Bonuszahlung sparen. Darauf weist das Internetportal Wechselpilot hin.¬†

4. Auf verdeckte Preiserhöhungen achten

Erh√∂ht ein Stromanbieter seinen Preis, ist das f√ľr Verbraucher nicht immer leicht ersichtlich. Die Energieversorger verstecken die schlechte Botschaft nicht selten in vermeintlichen Werbeschreiben. Oft kommt der Verweis auf die Preiserh√∂hung erst am Ende eines langen Textes. Haben Kunden den h√∂heren Preis erst einmal bezahlt, ist es f√ľr eine Sonderk√ľndigung zu sp√§t. Dabei ist klar vorgeschrieben, dass Energieversorger Preiserh√∂hungen transparent und verst√§ndlich ank√ľndigen m√ľssen.

5. Keine Strompakete und keine Vorauskasse

Verbrauchersch√ľtzer raten hiervon ab und mittlerweile sind sie auch selten geworden: Strompakete und Vertr√§ge mit Vorauskasse. Bei einem Pakettarif kauft der Kunde eine bestimmte Menge Strom. Sollte er weniger verbrauchen, verschenkt er Geld. Ben√∂tigt er hingegen mehr Strom, muss er teuer nachkaufen. Bei Vorauskasse-Tarifen laufen Kunden Gefahr, Geld zu verlieren, falls der Anbieter Insolvenz anmelden muss. 2011 ist dies beim Billigstrom-Anbieter Teldafax passiert.

 
Tipp: Lesen Sie hier, was Stromheizungen bringen.
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