Von Horst Peter Wickel, 13.02.2017

Keine Verwandten, kein Geld Zahl von Armenbegräbnissen steigt

Demografischer Wandel und wachsende Altersarmut haben traurige Folgen: Die Zahl der anonymen Armenbegräbnisse steigt. Sollte man mit einer Sterbegeldversicherung vorsorgen?
Keine Verwandten, kein Geld Zahl von Armenbegräbnissen steigt

Wenn sich niemand findet, der die Kosten der Bestattung tragen kann, zahlt die Kommune ein Armenbegräbnis.

Offizielle Statistiken gibt es nicht, aber die Zahl der meist mittelosen und vereinsamten Menschen, die am Ende ihres Lebens beh√∂rdlich in einem anonymen Urnengrab beigesetzt werden, steigt seit Mitte der 1990er Jahre an. Bei einer wissenschaftlichen Studie hat der Soziologe Janosch Schobin von der Universit√§t Kassel rund 70 St√§dte unterschiedlicher Gr√∂√üe befragt. In den Metropolen lag der Anteil der „ordnungsbeh√∂rdlichen Bestatteten“ bei fast sechs Prozent, in Mittelst√§dten hingegen nur bei drei Prozent. Aber das hat auch damit zu tun, dass in Krankenh√§usern Gestorbene ohne Angeh√∂rige, die eigentlich im Umland gelebt haben, stets am Ort der Klinik als verstorben gez√§hlt werden.

Schon im Jahre 2014 hatten Kommunen in Deutschland rund 60 Millionen Euro f√ľr sogenannte Armenbegr√§bnisse von rund 25.000 Menschen ausgegeben. Am meisten in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-W√ľrttemberg. Sabine Zimmermann, Bundestagsabgeordnete der Linken, sagte, sie erwarte aufgrund der zunehmenden Altersarmut und sich ausbreitender prek√§rer Besch√§ftigung einen weiteren Anstieg von Sozialbestattungen: „Angesichts der damit steigenden finanziellen Belastung der Kommunen ist zudem zu bef√ľrchten, dass die Kommunen die Kosten√ľbernahme absenken k√∂nnten.“

Wann die Behörden Ihre Bestattung bezahlen

Nach Einsch√§tzung des Soziologen Schobin sind eine Reihe gesellschaftlicher Entwicklungen daf√ľr verantwortlich, dass die Zahl der Armenbegr√§bnisse steigt. Es gibt immer mehr kinder- und partnerlose Menschen, durch Armut sozial Isolierte aber auch Individualisten, in deren Leben Freundschaften statt Verwandtschaft die wichtigste Rolle spielen.

Wenn sich niemand findet, der die Kosten der Trauerfeier und Bestattung tragen kann, werden nach dem Sozialgesetzbuch die erforderlichen Kosten √ľbernommen, soweit das den Angeh√∂rigen nicht zugemutet werden kann. Dabei werden Einkommen und Verm√∂gen gepr√ľft, sp√§ter die erforderlichen Kosten f√ľr eine orts√ľbliche und einfache, der W√ľrde des Verstorbenen entsprechende Bestattung √ľbernommen.

In Berlin beispielsweise darf eine solche Sozialbestattung maximal 750 Euro kosten. Das muss f√ľr einfachen Sarg, Bestattungsw√§sche, die √úberf√ľhrung, Desinfektion, K√ľhlhaus und Papiere reichen. Weil ein Einzelgrab zu teuer w√§re, werden die Toten in Gemeinschaftsgr√§bern beigesetzt.

Sterbegeldversicherung hilft auf dem letzten Weg

Wenn Sie Verwandte, Freunde und Sozialbeh√∂rden nicht mit den Kosten f√ľr eine w√ľrdevolle Beerdigung belasten wollen, k√∂nnen Sie mit einer Sterbegeldversicherung vorsorgen. Diese Versicherungen sind eigentlich Kapital- oder Risikolebensversicherungen mit kleinen Versicherungssummen.

Sterbegeldversicherungen gibt es in den unterschiedlichsten Varianten: So können Sie die Policen mit einer monatlichen Prämienzahlung abschließen, alternativ ist es aber auch möglich, einen größeren Einmalbeitrag in eine Sterbegeldversicherung einzuzahlen.

Unterschiedlich sind auch die Vertragsinhalte einer Sterbegeldversicherung. So gibt es Policen, bei denen die Auszahlung der vereinbarten Versicherungssumme daran gekoppelt ist, dass die Beerdigung √ľber einen vorher festgelegten Bestatter organisiert wird. Solche Sterbegeldversicherungen werden in aller Regel als Bestattungsvorsorgevertrag bezeichnet. Wenn allerdings ein anderer als der vertraglich vereinbarte Bestatter t√§tig wird, wird meist die Versicherungssumme reduziert. Flexibler sind Sterbegeldversicherungen, die unabh√§ngig vom gew√§hlten Bestatter die vereinbarte Versicherungssumme auszahlen.

Wenn Sie sich f√ľr den Abschluss einer Sterbegeldversicherung entscheiden, sollten Sie die Versicherungssumme so w√§hlen, dass sie auch tats√§chlich die Kosten der gew√ľnschten Bestattung abdeckt. Zu beachten sind je nach Versicherer unterschiedliche Mindest- und Maximal-Versicherungssummen. Viele Versicherer sehen im Minimalfall Summen von 2.500 bis 3.000 Euro als Versicherungssumme vor, nach oben ist bei vielen Versicherern schon zwischen 10.000 und 15.000 Euro die maximale Versicherungssumme erreicht.

Warnungen von Verbrauchersch√ľtzern

Verbrauchersch√ľtzer halten wenig von Sterbegeldversicherungen. Sie kritisieren in der Regel, dass Versicherte w√§hrend der Laufzeit zu viel zahlen. F√ľr den Bund der Versicherten (BdV) z√§hlt die Sterbegeldpolice zu den unsinnigsten Versicherungen des Marktes.

Ein weiterer Kritikpunkt an den Sterbegeldversicherungen ist die meist vorgesehene Karenzzeit von 18 bis 36 Monaten: W√§hrend dieser Wartezeit werden in aller Regel keine Todesfallleistungen f√ľr die Bestattung ausgezahlt – eine Ausnahme sind Todesf√§lle durch Unf√§lle. Allerdings gibt es durchaus Anbieter, die auf diese Wartezeiten verzichten, wenn Sie bereit sind, sich einer Gesundheitspr√ľfung zu unterziehen, wie es bei einer Risikolebensversicherung die Regel ist.

Tipp: Lesen Sie hier, wie man bei einem Todesfall alles richtig regelt.
Gesamten Vergleich anzeigenTagesgeld Betrag: 10.000 €, Laufzeit: ohne Laufzeitbindung
  Anbieter Zinssatz
Zinsertrag
S&P-
Länderrating 
 
1.
0,75%
A-
gute Sicherheit
2.
0,60%
AA
hohe Sicherheit
3.
0,60%
AA
hohe Sicherheit
maxGesTab=
Datenstand: 19.06.2018
Sämtliche Angaben ohne Gewähr
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