Rolf Winkel
Ein Beitrag von Rolf Winkel, 14.12.2018

Rente 2019 Erwerbsminderungsrente fällt künftig höher aus

Wer ab 2019 eine Rente wegen Erwerbsminderung erhält, wird deutlich besser gestellt. Es kann sich lohnen, eine Erwerbsminderungsrente statt eines vorzeitigen Altersruhegelds zu beantragen.
Rente 2019 Erwerbsminderungsrente fällt künftig höher aus

Einen Antrag auf Erwerbsminderungsrente sollte man mit Unterstützung seiner behandelnden Ärzte und mit kompetenter Beratung sorgfältig vorbereiten.

Für ältere Menschen mit Handicaps fällt die Erwerbsminderungsrente (EM-Rente) künftig höher aus als etwa die vorzeitige Schwerbehindertenrente. Das liegt an der Verlängerung der Zurechnungszeit bei der EM-Rente.

Zurechnungszeit steigt

Erwerbsminderungen treten im Schnitt mit 51 Jahren ein. Bis dahin haben die Betroffenen nur geringe Rentenansprüche erworben. Die Zurechnungszeiten stellen die Erwerbsgeminderten so, als hätten sie weiterhin wie bisher in ihrem Erwerbsleben Beiträge gezahlt. Derzeit endet die Zurechnungszeit für neue EM-Rentner bei 62 Jahren und drei Monaten. Ab 2019 läuft sie bis zum regulären Rentenalter. Das liegt im nächsten Jahr bei 65 Jahren und acht Monaten.

Damit werden für EM-Rentner künftig etwa dreieinhalb Versicherungsjahre mehr berücksichtigt als nach dem jetzigen Stand. Für Neurentner kann dies ein Rentenplus von mehr als 100 Euro pro Monat bringen.

Allerdings: Wer Ende 2018 bereits eine Erwerbsminderungsrente bezieht, dem bringt die Neuregelung keinen Cent mehr.

Erwerbsminderungsrente statt vorzeitiger Altersrente

Eine Erwerbsminderung kann aber natürlich auch erst spät eintreten. Versicherte jenseits der 60 haben bisher – selbst bei starken gesundheitlichen Handicaps – meist eine vorzeitige Altersrente beantragt, Behinderte vielfach die Schwerbehindertenrente, die es derzeit mit knapp 61 Jahren gibt.

Tipp: Lesen Sie hier, auf welche Unterstützung Schwerbehinderte einen Anspruch haben.

Nun lohnt es sich für Betroffene, zweigleisig zu fahren. Vorrangig sollten sie die EM-Rente und – nur für den Fall, dass dieser Antrag abgelehnt wird – ein vorzeitiges Altersruhegeld beantragen. Wird die Erwerbsminderungsrente nicht bewilligt, dann gibt es eben nur die meist niedrigere vorgezogene Altersrente.

Wer beispielsweise mit 61 die Schwerbehindertenrente erhält, bei dem zählen für die Rente dann auch nur die Beitragszeiten bis zum Renteneintritt mit 61 Jahren. Bei einer EM-Rente würde dagegen die Zeit bis zum regulären Rentenalter als Zurechnungszeit für ein weiteres Rentenplus sorgen. Die EM-Rente würde sogar höher ausfallen als die abschlagfreie Rente für besonders langjährig Versicherte, die es im nächsten Jahr ab 63 Jahren und acht Monaten gibt. Die Deutsche Rentenversicherung Bund erwartet daher besonders „von Versicherten in der Altersgruppe ab dem 62. Lebensjahr deutlich häufiger Anträge auf Erwerbsminderungsrente als bisher“.

Wann liegt eine Erwerbsminderung vor?

Ob eine Erwerbsminderung vorliegt, wird von der Rentenversicherung allerdings penibel geprüft. Nur etwa die Hälfte aller Anträge wird bewilligt. Hierbei kommt es nicht auf die Schwere der gesundheitlichen Handicaps, sondern die „Restarbeitsfähigkeit“ an.
   Was ist der Grund für eine verminderte Erwerbsfähigkeit?
Rentenzugänge 2017 wegen verminderter Erwerbsfähigkeit nach Diagnosegruppen:
 Diagnosegruppen  Männer
Anteil in %
 Frauen
Anteil in %
 Krankheiten von Skelett/Muskeln/Bindegewebe   12,6  13,2
 Krankheiten des Kreislaufsystems  13,1  5,7
 Krankheiten des Verdauungssystems/Stoffwechselkrankheiten   4,2  2,8
 Krankheiten der Atmungsorgane   4,1  2,7
 Neubildungen  13,1  13,0
 Psychische Störungen
Darunter: Sucht
 36,7
6,5
 49,3
2,0
 Krankheiten des Nervensystems  6,7  6,7
 Sonstige Krankheiten   8,4  6,5
 Keine Aussagen möglich
(insbesondere Renten für Bergleute wegen Vollendung des 50. Lebensjahres) 
 1,1  0,0
   Quelle: Statistik der Deutschen Rentenversicherung – Rentenzugang 2017.
Eine Rente wegen voller Erwerbsminderung gibt es, wenn jemand nur noch Jobs mit täglich weniger als drei Stunden ausüben kann. Die nur halb so hohe Rente wegen teilweiser EM wird bei einer Restarbeitsfähigkeit zwischen drei und weniger als sechs Stunden pro Tag gezahlt. Wer keinen entsprechenden Teilzeitjob findet, kann ebenfalls die Rente wegen voller Erwerbsminderung bekommen. Dies wird individuell geprüft. Dann spricht man von einer „Arbeitsmarktrente“.

Für Ältere gilt Berufsschutz

Ob Betroffene auch eine Arbeit in einem anderen Beruf aufnehmen müssen, hängt vom Alter ab. Für diejenigen, die vor dem 2. Januar 1961 geboren wurden, gilt noch ein Berufsschutz. Sie erhalten die Rente also dann, wenn sie das Stundenlimit in ihrem ausgeübten Beruf nicht mehr erreichen können. Für alle Jüngeren ist dagegen eine Arbeitsaufnahme in jedem Beruf zumutbar.

So stellen Sie einen Antrag auf Erwerbsminderungrente

Einen Antrag auf Erwerbsminderungsrente sollte man mit Unterstützung seiner behandelnden Ärzte und mit kompetenter Beratung – etwa durch Gewerkschaften oder Sozialverbände – sorgfältig vorbereiten. Aussagekräftige Diagnosen von Ärzten sind wichtig. Es kommt allerdings darauf an, wie sich Funktions- und Leistungseinschränkungen jeweils beim Einzelnen auswirken.

Antragsteller sollten genau dokumentieren – und zwar möglichst schriftlich in Tabellenform – wie sich ihre gesundheitlichen Beschwerden auswirken. Dabei sollten sie auch keineswegs Tätigkeiten zu Hause, im Garten oder im Hobbybereich vergessen. Behinderungen äußern sich dabei häufig in Aspekten, die man nach jahrelanger Gewohnheit kaum mehr wahrnimmt. Wer etwa nur noch Schuhe mit Klettverschluss tragen kann, weil er die Schuhe nicht mehr zuschnüren kann, sollte dies festhalten. Denn das zeigt, dass die Feinmotorik gestört ist. Viele Tätigkeiten kommen dann nicht mehr in Frage.

Tipp: Lesen Sie hier, worauf es bei der Einstufung in einen Pflegegrad ankommt.
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Rolf Winkel mein Name ist Rolf Winkel. Ich bin Ihr Spezialist für alles, was mit Sozialversicherungen, insbesondere mit der Rente zu tun hat. Ich bin gelernter Sozialwissenschaftler und schreibe seit mehr als 30 Jahren Sozialratgeber.

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