Von Ines Baur, 15.08.2018

Ehepaare Wann ein Ehevertrag sinnvoll ist

Ein Ehevertrag hat allen Unkenrufen zum Trotz viel mit Zukunft, Liebe und Respekt zu tun. Für wen er sinnvoll ist und worauf Sie achten sollten.
Ehepaare Wann ein Ehevertrag sinnvoll ist

Ein in guten Zeiten abgeschlossener Ehevertrag kann in schlechten Zeiten sehr hilfreich sein.

Das objektive Verhandeln über Scheidungsfolgen ist für entzweite Partner schwierig. Rotes Tuch ist vorwiegend das Thema Geld. „Unterhalt und Vermögen sind meistens Streitthemen. Wurde der Zugewinn nicht ausgeschlossen, gibt es Spannungen“, sagt die Rechtsanwältin Julia Ekdahl. „Zugewinnberechnungen sind sehr mühsam, weil oft die Geldwerte nicht klar sind wie bei Firmen. Sachverständigengutachten müssen eingeholt werden, das ist langwierig und teuer.“

Mit einem Ehevertrag im Vorfeld faire Lösungen finden

Mit einem Ehevertrag können Ehegatten im Voraus Streit vermeiden und für den Scheidungsfall faire Lösungen finden. Und das in Zeiten, in denen man sich gut versteht. Ein Ehevertrag ist für viele Paare sinnvoll, nicht nur für Industrielle, Promis oder Millionäre. Geht die Ehe gut, ist der Vertrag nur ein Stück Papier im Aktenordner. „Es ist, als ob Sie denken, Sie brauchen keine Feuerversicherung, weil Ihr Haus niemals niederbrennt“, sagte einmal Englands teuerste Scheidungsanwältin Ayesha Vardag. „Es ist ein bisschen langweilig und es ist ein bisschen peinlich, aber es ist sehr vernünftig.“

Auch bei der Zugewinngemeinschaft sind individuelle Regelungen möglich

Möchte ein Paar in der gesetzlichen Zugewinngemeinschaft leben (Paragraf 1363 Bürgerliches Gesetzbuch), allerdings mit Ausnahmen, kann es sich im Ehevertrag auf die modifizierte Zugewinngemeinschaft einigen. „So kann man beispielsweise festgelegen, dass im Falle des Todes eines Ehegatten die steuerlich und pflichtteilsrechtlich günstigere Zugewinngemeinschaft gelten soll, im Falle einer Scheidung jedoch kein Zugewinnausgleich durchzuführen ist oder bestimmte Vermögensgegenstände – zum Beispiel Grundstücke – bei der Berechnung unberücksichtigt bleiben“, sagt Dominik Hüren von der Bundesnotarkammer.
      
Beispiel zum Zugewinnausgleich
 
   Anfangsvermögen  Endvermögen Zugewinn   Überschuss  Zugewinnausgleich
Mann  20.000 Euro  50.000 Euro  30.000 Euro 20.000 Euro  
 Frau  10.000 Euro  20.000 Euro  10.000 Euro  10.000 Euro
Quelle: Eigene Berechnung, biallo.de     

Wer einen Ehevertrag abschließen sollte

Hat ein Ehepartner ein eigenes Unternehmen, empfehlen viele Experten den Abschluss eines Ehevertrags. „Es ist ratsam, das Firmenvermögen aus dem Zugewinn herauszunehmen“, rät Anwältin Ekdahl. „Andernfalls könnten bei Auszahlung berufliche Existenzen zerstört werden.“ Ist der Lebensplan eines Paares "Karriere statt Kinder", kann es den Zugewinnausgleich ausschließen. Wichtig ist ein Ehevertrag auch bei Paaren mit unterschiedlichen Staatsbürgerschaften. Sie können vereinbaren, nach welchem Eherecht ihre Ehe geführt werden soll.

Ohne Notar geht gar nichts

Wer einen rechtsgültigen Ehevertrag möchte, muss zum Notar. Die Notarkosten sind im Gerichts- und Notarkostengesetz festgeschrieben. „Für die Beteiligten ist dabei von Vorteil, dass die notarielle Beratung und Entwurfserstellung – unabhängig von Schwierigkeit und Aufwand – bereits in der späteren Beurkundungsgebühr enthalten ist“, erklärt Dominik Hüren. Einen Ehevertrag kann man vor oder während der Ehe schließen und einen bestehenden Ehevertrag jederzeit einverständlich ändern und der aktuellen Lebenssituation anpassen. Aufgrund der möglicherweise weitreichenden Folgen bedarf es wieder der Mitwirkung eines Notars.

Tipp: Wer einen Notar für eine Beratung zum Thema Ehevertrag braucht, ist nicht ortsgebunden. Man kann im gesamten Bundesgebiet einen auswählen. Die Bundesnotarkammer bietet unter www.notar.de eine Übersicht über alle Notarinnen und Notare. Hier kann man nicht nur nach Orten, sondern auch nach Sprachkompetenzen entsprechend fündig werden.

Lesetipp: Hier erfahren Sie, wie Sie mit Vollmachten und Verfügungen für den Notfall vorsorgen.
  
Notarkosten für einen Ehevertrag: Eine Ausgabe, die sich lohnt
 Reinvermögen  Beurkundungsgebühr
 10.000 Euro  150 Euro
 25.000 Euro  230 Euro
 50.000 Euro  330 Euro
 100.000 Euro  546 Euro
 500.000 Euro  1.870 Euro
  
Quelle: Gebührenrechner der Bundesnotarkammer
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