Von Ines Baur, 15.11.2017

Schuldneratlas Viele Deutsche sind überschuldet

Die Zahl überschuldeter Privatpersonen steigt. Wann Sie als überschuldet gelten und wie Sie aus der Schuldenfalle wieder herauskommen.
Schuldneratlas Viele Deutsche sind überschuldet

Bislang sind deutlich mehr Männer überschuldet, doch die Zahl überschuldeter Frauen nimmt zu.

Die Überschuldung von Privatpersonen ist in Deutschland zum vierten Mal in Folge gestiegen, so der "Schuldneratlas Deutschland" der Wirtschaftsauskunftei Creditreform. Aktuell sind 6,9 Millionen Menschen ab 18 Jahren überschuldet. Das sind rund 65.000 Personen mehr als im Vorjahr. Zwar fällt der Anstieg mit 0,9 Prozent geringer aus als in den Vorjahren. Allerdings gehen die Creditreform-Experten davon aus, dass die Überschuldungszahlen in den nächsten Jahren weiter ansteigen werden.

Die bundesweite Überschuldungsquote lag zum Stichtag 1. Oktober 2017 bei 10,04 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein leichter Rückgang, allerdings ist die Bevölkerung auch gewachsen. In den neuen Bundesländern (ohne Berlin) fällt die Quote mit 10,42 Prozent deutlich höher aus als in den alten Bundesländern mit 9,97 Prozent.

Zahl überschuldeter Frauen nimmt zu

Die meisten Schuldner sind zwischen 30 und 39 Jahren alt. Die mittlere individuelle Schuldenhöhe beträgt derzeit 30.200 Euro pro Person. Männer sind wesentlich häufiger überschuldet als Frauen. Aber von den neuen Überschuldungsfällen entfielen 39.000 auf Frauen – meist alleinerziehende Mütter – und 26.000 auf Männer.

Ab wann ist jemand überschuldet?

Wer dauerhaft höhere Ausgaben als Einnahmen hat, gilt als überschuldet. Hauptgründe für eine Überschuldung sind laut Statistischem Bundesamt meist Arbeitslosigkeit oder unwirtschaftliche Haushaltsführung. Dadurch können die Betroffenen ihre Kreditraten nicht mehr zahlen, der Dispokredit auf dem Girokonto ist komplett überzogen, Überweisungen sind nicht mehr möglich und die Bank führt keine Lastschriften mehr aus.

Handelt der Schuldner nun nicht, kann es schnell gehen: Die Bank kündigt den Dispokredit und sperrt die Karten. Besonders schlimm ist es, sollte der Schuldner seine Raten für Kredit oder Baufinanzierung nicht mehr zahlen können. Dann kommt schnell die Darlehenskündigung ins Haus. Die Bank möchte ihr Geld am liebsten sofort und in einer Summe zurück. Kann der Schuldner das Geld nicht zahlen, werden die Sicherheiten verwertet: Bei einem hinterlegten Kfz-Brief veräußert die Bank das Auto. Bürgen werden zur Zahlung aufgefordert. Eine Immobilie wird zwangsversteigert.
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So verläuft eine Schuldnerberatung

Oft resignieren Menschen, die überschuldet sind. Sie haben sich an Mahnungen, Inkassos und Gerichtsvollzieher gewöhnt. Wer es aus eigener Kraft nicht mehr aus der Schuldenfalle heraus schafft, sollte sich schnell professionelle Hilfe suchen. Diese bieten Schuldnerberatungen, zum bei der Caritas oder einem auf Privatinsolvenz spezialisierten Anwalt.

Bevor ein Verbraucherinsolvenzverfahren eröffnet wird, findet ein außergerichtlicher Einigungsversuch mit den Gläubigern statt. Bleibt dieser erfolglos, kann noch ein gerichtlicher Versuch gestartet werden. Verläuft der ebenfalls ohne Erfolg, beginnt das Insolvenzverfahren. Das verläuft quasi in zwei Schritten: der Wohlverhaltensphase und der Restschuldbefreiung.

Was bei einer Vebraucherinsolvenz passiert

Bei einer Verbraucherinsolvenz versucht zunächst ein vom Gericht bestellter Insolvenzverwalter, alles zu Geld zu machen, was der Schuldner hat. Dazu zählen Immobilien ebenso wie wertvolle Möbel oder Gemälde, Schmuck oder Zweitautos. Einige Gegenstände, die zur gewöhnlichen Wohnungseinrichtung zählen, sind allerdings tabu.

Während der Wohlverhaltensphase muss der Schuldner alle zumutbaren Anstrengungen unternehmen, die Schulden abzutragen. Das bedeutet zum Beispiel auch, dass Arbeitnehmer sämtliches Einkommen über der Pfändungsfreigrenze zur Schuldentilgung einsetzen müssen. In dieser Zeit übernimmt ein Treuhänder Monat für Monat den pfändbaren Teil des Einkommens. Damit begleicht er die Verfahrenskosten, danach kommen die Gläubiger an die Reihe. Während dieses Zeitraumes kommt kein Gerichtsvollzieher. Es gilt die sogenannte Vollstreckungssperre. Der Schuldner muss sich, soweit er arbeitslos ist, um eine zumutbare Arbeit kümmern.

Nach fünf oder sechs Jahren schuldenfrei

Ist die Wohlverhaltensphase beendet und hat der Schuldner während des ganzen Zeitraums seine Pflichten erfüllt und mit dem Treuhänder gut zusammengearbeitet, ist er von seinen Restschulden befreit – in der Regel nach sechs Jahren.

Eine Verkürzung auf fünf Jahre ist möglich, wenn der Überschuldete die Verfahrenskosten selbst tragen kann. Wer dazu auch noch 35 Prozent der angemeldeten Schulden innerhalb von drei Jahren begleicht, für den kann die Restschuldbefreiung bereits zu diesem Zeitpunkt erfolgen.
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