Von Michael Schreiber, 20.12.2018

Neuerungen 2019 Mehr Rentner müssen eine Steuererklärung abgeben

2019 winkt Rentnern wieder eine Rentenerhöhung. Zugleich müssen aber immer mehr Rentner eine Steuererklärung abgeben. Neuerungen und Tipps.
Neuerungen 2019 Mehr Rentner müssen eine Steuererklärung abgeben

Die Höhe ihrer Altersrente müssen Rentner in der Anlage R der Steuererklärung eintragen.

2019 werden nach Angaben des Bundesfinanzministeriums voraussichtlich rund 48.000 Rentner erstmals steuerpflichtig. Das liegt an der prognostizierten Rentenerhöhung im kommenden Jahr von 3,2 Prozent in Westdeutschland und 3,9 Prozent in den neuen Bundesländern. Als Folge dieser Erhöhung überschreiten viele Ruheständler mit ihren Altersbezügen dann erstmalig das steuerfreie Existenzminimum und müssen eine Steuererklärung abgeben.

Wer mit seinen Bezügen über dem Grundfreibetrag liegt, muss die Formulare ausfüllen. Der Grundfreibetrag liegt 2018 bei 9.000 Euro, 2019 steigt er auf 9.168 Euro.

Je nach Rentenbeginn steigt der steuerpflichtige Anteil

Welcher Anteil der Rente steuerpflichtig ist, hängt davon ab, wann man in den Ruhestand gegangen ist. Bis Ende 2004 galt ein Wert von 50 Prozent, seitdem steigt der steuerpflichtige Anteil Jahr für Jahr an. Wer 2018 Rentner geworden ist, versteuert bereits 76 Prozent seiner Altersbezüge. Das bedeutet, bereits ab einer Monatsrente von 1.132 Euro brutto fallen erste Steuerbelastungen an, wenn man keine nennenswerten Abzüge gegenrechnen kann. Im nächsten Jahr steigt der steuerpflichtige Anteil dann auf 78 Prozent, ab 2040 werden Renten in voller Höhe steuerpflichtig sein.

Tipp: Die Sozialversicherungsträger melden Rentenzahlungen automatisch an die Finanzämter - verschweigen kann man seine Renteneinkünfte deshalb ohnehin nicht. Aber die Verpflichtung zur Abgabe einer Steuererklärung heißt noch lange nicht, dass man tatsächlich am Ende auch Steuern zahlen muss. Rentner können viele Ausgaben gegenrechnen - zum Beispiel den eigenen Beitrag zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung. Im Folgenden lesen Sie Tipps rund ums richtige Ausfüllen der Steuererklärung:

Anlage R oder Anlage N?

Angaben zu Altersbezügen gehören in die Anlage R der Steuererklärung. Auf insgesamt 59 Zeilen sollen alle Zahlungen von Rentenversicherern, Versorgungswerken, Pensionskassen oder Lebensversicherungen haarklein aufgeführt werden. Werkspensionäre und Beamte im Ruhestand füllen für ihre Altersbezüge, die der ehemalige Arbeitgeber über die Lohnsteuerkarte abrechnet, die Anlage N aus.

Tipp: Viele ältere Menschen sind mit dem Ausfüllen ihrer Steuerklärung überfordert. Finanzbeamte dürfen zwar fremde Steuererklärungen nicht komplett ausfüllen – sie sind aber bei konkreten Fragen zur kostenlosen Hilfestellung verpflichtet, wenn man beim örtlichen Service-Center des Finanzamts darum bittet. Gegen Honorar helfen Steuerberater oder Lohnsteuerhilfevereine weiter.

Steuererklärung und Leibrenten

Angeben müssen Rentner in den Zeilen 4 bis 10 der Anlage R sämtliche Altersrenten, Renten aus landwirtschaftlichen Alterskassen und berufsständischen Versorgungseinrichtungen. In Zeile 4 der Anlage R muss zunächst die Art der Rente mit einer Schlüsselzahl definiert werden. Wird die Hauptrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung gezahlt, trägt man hier eine "1" ein.

In Zeile 5 ist der Rentenbetrag anzugeben. Maßgebend ist der Bruttobetrag der Rente, bei Pflichtversicherten also der Betrag vor Abzug des eigenen Beitrags zur Krankenversicherung und Pflegeversicherung.

Tipp: Freiwillig Versicherte erhalten neben ihrer Rente noch Zuschüsse zu ihren eigenen Krankenversicherungsaufwendungen. Diese Zuschüsse sind steuerfrei und dürfen nicht dem Rentenbetrag hinzugerechnet werden. Nachzahlungen für mehrere Jahre sollten zusätzlich auch in Zeile 10 eingetragen werden. Das Finanzamt prüft für diese Beträge dann eine ermäßigte Besteuerung.

Steuererklärung und private Zusatzrenten

Bezüge aus der privaten Rentenversicherung oder aus sonstigen Verpflichtungsgründen (zum Beispiel Renten aus dem Verkauf eines Mietshauses) sind in den Zeilen 14 bis 20 der Anlage R einzutragen. Diese Leibrenten unterliegen nur mit einem niedrigen Ertragsanteil der Steuerpflicht. Dessen Höhe richtet sich nach dem Alter des Versicherten zu Rentenbeginn und gilt lebenslang. Auch Leibrenten mit befristeter Laufzeit (etwa Berufs- und Erwerbsminderungsrenten) sind hier einzutragen. Für sie gelten sogar noch günstigere Ertragsanteile. So greift der Fiskus bei einer zehnjährigen Rentendauer nur auf zwölf Prozent der Zahlung zu.
 
Sämtliche Angaben ohne Gewähr

Riester, Rürup und Betriebsrente

Staatlich geförderte private Renten zum Beispiel aus Riester-Rente, Rürup-Rente oder einer betrieblichen Altersversorgung werden auf der Rückseite der Anlage R vermerkt. Sie sind je nach Vertragstyp in voller Höhe oder nur zum Teil steuerpflichtig.

Tipp: Jeder Vertragsanbieter erteilt seinen Kunden jährlich eine "Mitteilung zur Vorlage beim Finanzamt". Diese Bescheinigung kann als Ausfüllhilfe für die Seite 2 der Anlage R genutzt werden. Dort sind nicht nur alle steuerlich relevanten Beträge aufgeführt – die Bescheinigung enthält auch einen Hinweis, in welche Zeile des Steuerformulars die jeweilige Rente einzutragen ist. Man kann also praktisch nichts falsch machen.

Steuerfreie Renten

Renten aus der gesetzlichen Unfallversicherung, Kriegs- und Schwerbeschädigtenrenten sowie Geldrenten, die unmittelbar zur Wiedergutmachung erlittenen nationalsozialistischen oder DDR-Unrechts geleistet werden, sind steuerfrei. Sie brauchen in der Steuererklärung deshalb nicht angegeben zu werden.

Werbungskosten bei Rentnern

Steuer sparende Werbungskosten sind auch für Rentner ein Thema. Gibt man nichts an, schreiben die Finanzbeamten automatisch 102 Euro als Pauschbetrag gut. Mit Belegen sind Gewerkschaftsbeiträge, Honorare für einen Rentenberater oder Schuldzinsen für eine auf Kredit finanzierte Einzahlung aufs Rentenkonto abzugsfähig – die Eintragung erfolgt in den Zeilen 52 bis 59 der Anlage R.

So sparen Rentner Steuern

Auch Rentner und Pensionäre können Steuervergünstigungen wie Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen, haushaltsnahe Dienstleistungen und Handwerkerleistungen geltend machen. Trotz hohem Einkommen im Ruhestand geht der Fiskus deshalb oft leer aus.

Die Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung bringen als größte Position die meiste Ersparnis. Dazu müssen Ruheständler die Anlage Vorsorgeaufwand ausfüllen. Rentner tragen ihre Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung in die Zeilen 17 und 19 ein – steuerfreie Zuschüsse der Rentenkasse müssen von den eigenen Aufwendungen abgezogen werden. Weitere Steuerfreibeträge und Vergünstigungen gibt es über die Angaben im vierseitigen Mantelbogen.

Von Steuererklärung befreien lassen

Für viele Rentner ist die jährliche Steuererklärung eine lästige Pflicht. Berechnet das Finanzamt tatsächlich keine Steuerschuld, kann man sich von der Abgabepflicht befreien lassen. Am besten geht das mit einem Antrag auf Erteilung einer Nichtveranlagungsbescheinigung (NV-Bescheinigung). Das Formular gibt es beim Finanzamt. Wird es erteilt, hat man die nächsten drei Jahre seine Ruhe.

Tipp: Lesen Sie hier, was sich ab 2019 bei der Erwerbsminderungsrente ändert.
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