Rolf Winkel
Ein Beitrag von Rolf Winkel, 22.03.2018

Flexirente Rentenplus für pflegende Angehörige

In diesem Jahr auf ein paar Euro Rente verzichten – und ab dem nächsten Jahr lebenslang deutlich mehr bekommen. Dies ermöglicht die Flexirente pflegenden Rentnern.
Flexirente Rentenplus für pflegende Angehörige

Viele Pflegebedürftige werden von Ehepartnern im Rentenalter betreut.

Mehr als zwei Drittel der Pflegebedürftigen werden zu Hause betreut, meist von Ehefrauen und Töchtern. Die Pflege ist für die Angehörigen oft ein Vollzeitjob. Dafür gibt es vom Staat neben dem Pflegegeld einen kleinen Ausgleich bei der Sozialversicherung – vor allem bei der Rente.

Wann haben pflegende Angehörige Rentenansprüche?

Diese erwirbt, wer einen Angehörigen betreut, der mindestens in Pflegegrad 2 eingestuft ist. Die Pflege muss dabei zehn oder mehr Stunden in der Woche in Anspruch nehmen und an mindestens zwei Tagen erfolgen. Weiterhin gilt: Wer mehr als 30 Stunden in der Woche sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist, erwirbt keine zusätzlichen Rentenansprüche.

So hoch fallen die Rentenansprüche aus

Die höchsten Beiträge werden für Pflegepersonen gezahlt, die einen Pflegebedürftigen mit Pflegegrad 5 (das ist der höchste Grad) ohne Unterstützung eines Pflegedienstes in den alten Bundesländern betreuen. Ein Jahr Angehörigenpflege bringt für sie nach aktuellem Rentenwert (Stand: 1. Halbjahr 2018) einen zusätzlichen Rentenanspruch von 29,94 Euro monatlich (siehe Tabelle).

Die niedrigsten Beiträge werden für Pflegepersonen in den neuen Bundesländern gezahlt, wenn sie Pflegebedürftige mit Grad 2 betreuen, die in vollem Umfang den Etat für Leistungen eines Pflegedienstes ausschöpfen. Ein Jahr Angehörigenpflege bringt ihnen in diesem Fall (Stand: 1. Halbjahr 2018) einen monatlichen Rentenanspruch von nur 5,39 Euro (siehe Tabelle).
       
So viel bringt ein Jahr Pflegetätigkeit für die Rente
 
 
 
Pflegegrad     
  
bei ausschließlich Pflegegeld für die gepflegte Person
 
  
bei ausschließlich Pflegesachleistungen für die gepflegte Person
  
bei Kombination von Pflegesachleistungen und Pflegegeld
 West  Ost  West Ost West Ost
 Pflegegrad 2  8,08 €  7,70 €  5,66 €  5,39 €  6,87 €  6,54 €
 Pflegegrad 3  12,87 €  12,26 €  9,01 €  8,58 €  10,94 €  10,42 €
 Pflegegrad 4  20,96 €  19,96 €  14,67 €  13,97 €  17,81 €  16,97 €
 Pflegegrad 5  29,94 €  28,52 €  20,96 €  19,96 €  25,45 €  24,24 €

Senioren haben das Nachsehen

All das gilt allerdings im Standardfall nicht für die wohl größte Gruppe unter den pflegenden Angehörigen: Rentner, die ihren Ehepartner und manchmal auch ihre hochbetagten Eltern oder Geschwister pflegen, sind im Regelfall vom Rentenplus ausgeschlossen. Wer nämlich das reguläre Rentenalter überschritten hat und bereits die volle reguläre Altersrente erhält, erwirbt durch die Pflege keine Rentenversicherungsansprüche.

Beispiel: Nehmen wir Elvira Meyer aus Hamburg. Die Rentnerin ist 67 Jahre alt und bezieht monatlich 683 Euro brutto Altersrente. Seit zwei Jahren betreut sie ihren Ehemann, der nach einem Schlaganfall halbseitig gelähmt ist und neuerdings in Pflegegrad 4 eingestuft ist. Da sie bei der Pflege keine professionelle Hilfe in Anspruch nimmt, erhält ihr Mann das volle Pflegegeld in Höhe von 728 Euro. Das Geld fließt in ihre gemeinsame Haushaltskasse. Eine Aufstockung ihrer Altersrente könnte sie gut gebrauchen, bei Pflegegrad 4 könnte ihr ein Pflegejahr ein monatliches Rentenplus von 20,90 Euro bringen. Dies gilt jedoch nicht für Elvira Meyer. Denn die 67-Jährige erhält bereits die volle Altersrente.

Rentenplus durch Teilrente

„Ausgeschlossen vom Rentenplus sind allerdings nur die Pflegenden im regulären Rentenalter, die eine Vollrente beziehen“, erklärt Dirk Manthey von der Deutschen Rentenversicherung Bund. „Für Teilrentner gilt der Ausschluss nicht“. Wichtig ist dabei: Alle Renten können auch als Teilrenten in Anspruch genommen werden. „Möglich sind Teilrenten zwischen zehn und 99 Prozent“, so Manthey.
Vergleich Sofort-Rentenversicherung
Sämtliche Angaben ohne Gewähr
Auch Elvira Meyer sollte diese Möglichkeit nutzen. Es reicht, wenn sie – solange sie ihren Mann pflegt – auf ein Prozent ihrer Rente verzichtet. Dann erhält sie eine 99-Prozent-Teilrente. Ihre monatliche Rente würde dann um 6,83 Euro gekürzt. Die Folge: Schon ein einziges Jahr Pflege würde ihr im nächsten Jahr ein schönes Rentenplus bringen – und zwar lebenslang 20,90 Euro monatlich. Mit jedem weiteren Jahr entsprechend mehr.

Das in einem Kalenderjahr erwirtschaftete Rentenplus wird am 1. Juli des Folgejahrs gutgeschrieben. Wenn ihr Ehemann später doch ins Pflegeheim ziehen muss, kann sie wieder auf die Vollrente umsteigen. „Sowohl der Wechsel in eine Teilrente als auch der spätere Wechsel in die Vollrente können formlos beantragt werden“, so Manthey. Die Rente wird dann jeweils ab dem Folgemonat umgestellt.

Tipp:
Lesen Sie hier, welche arbeitsrechtlichen Besonderheiten gelten, wenn Senioren arbeiten.
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Liebe Leserinnen und Leser,

Rolf Winkel mein Name ist Rolf Winkel. Ich bin Ihr Spezialist für alles, was mit Sozialversicherungen, insbesondere mit der Rente zu tun hat. Ich bin gelernter Sozialwissenschaftler und schreibe seit mehr als 30 Jahren Sozialratgeber.

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