Caroline Benzel
Ein Beitrag von Caroline Benzel, 04.10.2018

Gesetzliche Krankenversicherung Telemedizin: Arztbesuch von zu Hause aus

Kein Wartezimmer, keine hustenden Mitpatienten. Online-Sprechstunden sind eine komfortable Angelegenheit. Unter Umständen zahlt sogar die Krankenkasse.
Gesetzliche Krankenversicherung Telemedizin: Arztbesuch von zu Hause aus

Viele Arztpraxen haben die Video-Sprechstunde für sich entdeckt.

Wenn der Arzt selbst Hand anlegen muss – etwa bei der Blutabnahme – bleibt Patienten der Gang in die Praxis nicht erspart. Doch gerade bei Nachsorgeterminen kann eine Online-Sprechstunde eine gute Lösung sein.

Video-Sprechstunde über die gesetzliche Krankenkasse abrechnen

Folgende Arztgruppen dürfen derzeit Video-Sprechstunden anbieten und diese über die gesetzliche Krankenkasse abrechnen:
  • Anästhesisten
  • Augenärzte
  • Chirurgen
  • Dermatologen
  • Gynäkologen
  • Fachärzte für Innere Medizin
  • Fachärzte für physikalische und rehabilitative Medizin
  • Hals-Nasen-Ohrenärzte
  • Hausärzte
  • Kinder- und Jugendärzte
  • Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen
  • Neurologen, Nervenärzte und Neurochirurgen
  • Orthopäden
  • Phoniater und Pädaudiologen
  • Psychiater
  • Urologen
Wichtig: Damit Patienten eine Video-Sprechstunde vereinbaren dürfen, die von der Krankenkasse auch übernommen wird, müssen sie zunächst einmal in der Praxis gewesen sein. Der Erstkontakt zwischen Arzt und Patient kann also nicht per Video-Chat erfolgen. Auch die möglichen Gründe für die Video-Sprechstunde sind noch stark eingeschränkt.

Aus diesen Gründen ist eine Video-Sprechstunde auf Kassenkosten möglich:
  • visuelle postoperative Verlaufskontrolle einer Operationswunde
  • visuelle Verlaufskontrolle einer/von Dermatose(n), auch nach strahlentherapeutischer Behandlung
  • visuelle Verlaufskontrolle einer/von akuten, chronischen und/oder offenen Wunden
  • visuelle Beurteilung von Bewegungseinschränkungen/-störungen des Stütz- und Bewegungsapparates, auch nervaler Genese, als Verlaufskontrolle
  • Beurteilung der Stimme und/oder des Sprechens und/oder der Sprache als Verlaufskontrolle
  • anästhesiologische, postoperative Verlaufskontrolle
Wie viele Ärzte tatsächlich Video-Sprechstunden in Kooperation mit den gesetzlichen Krankenkassen anbieten werden, ist derzeit noch völlig unklar. Grundsätzlich soll das Angebot aber ausgebaut und erweitert werden.

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Krankenkasse

Rezept übers Internet

Doch auch jenseits der Video-Sprechstunden von Kassenärzten gibt es Angebote für Selbstzahler, die den Gang zum Arzt ersparen können – Beispiel www.dred.com. Auf dem Portal können Patienten per Fragebogen, Anruf oder Video-Chat kommunizieren und sich ein Rezept für ihr Leiden ausstellen lassen.

Bei Erkrankungen wie Asthma und Bluthochdruck können Patienten sich allerdings nur ein Rezept ausstellen lassen, wenn sie bereits in Behandlung sind und deshalb nur ein Folgerezept brauchen.

Anders sieht es aus, wenn sich Patientinnen die Antibabypille verschreiben lassen wollen, ein Nutzer unter Akne oder einer Blasenentzündung leidet. Auch in diesen Fällen stellen die Ärzte von "DrEd" ein Rezept aus. Kosten: Je nach Rezept zahlen Kunden zwischen neun und 29 Euro.

Das Unternehmen "DrEd" wurde 2011 in London gegründet. Seit dem Start wurden bereits über zwei Millionen Menschen aus Deutschland, Österreich, Schweiz, England, Irland und Frankreich versorgt. In Deutschland hat die Bundesärztekammer im Mai dieses Jahres die ärztliche Berufsordnung geändert, so dass in Deutschland mehr telemedizinische Leistungen angeboten werden können.

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Arztsuche und Video-Sprechstunde kombiniert

Ebenfalls interessant ist das kombinierte Angebot der Portale Jameda und Patientus. Das Ärzte-Vergleichsportal hat Anfang des Jahres den Video-Sprechstunden-Anbieter Patientus übernommen. Jetzt lässt sich die Arztsuche direkt mit der Anforderung Video-Sprechstunde kombinieren. Falls der gewählte Arzt freie Termine hat, können Patienten ihre Video-Sprechstunde direkt online buchen.

Wie hoch die Kosten für die gebuchte Sprechstunde sind, hängt vom Arzt und der Art des Problems ab. So kostet etwa eine dermatolgische Video-Sprechstunde bei einer Münchner Ärztin rund 60 Euro. Eine augenärztliche Video-Sprechstunde kostet im mittelfränkischen Stein dagegen 29 Euro.

Bezahlen können Kunden mit Kreditkarte oder auf Rechnung. Manche Sprechstunden können auch direkt über die Krankenkasse abgerechnet werden. Rezepte stellen die Ärzte im Anschluss an eine Video-Sprechstunde allerdings nicht aus.
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Ärzten Fragen stellen

Patienten, die Ärzten Fragen stellen wollen, können das auf der Internetseite www.justanswer.de/arzt. Und das funktioniert so: Interessierte formulieren eine Frage und legen fest, was ihnen die Beantwortung ihrer Frage wert ist. Patienten können dann entscheiden, wie dringend die Beantwortung der Frage ist, indem sie Dringlichkeit und erforderliche Detailtiefe für die Bewantwortung ihrer Frage definieren. Eine besonders detaillierte und schnelle Antwort kostet 50 Euro. Wer dagegen auf die Antwort warten kann und keinen Wert auf viele Details legt, kann die Frage schon für 15 Euro beantwortet bekommen.

Der Vorteil: Kunden können auch eher unangenehme Fragen stellen, ohne sich bloßgestellt zu fühlen. Wenn man sich Fragen und Antworten auf der Seite anschaut, scheint dies der Hauptgrund zu sein, Fragen anonymisiert online zu stellen.
  • Geldsparen-Tipp: Die meisten Krankenkassen bieten ihren Mitgliedern ein kostenloses Ärztetelefon an. Da können Patienten ebenfalls Fragen stellen. Zwar sind sie dabei nicht anonym, sitzen dem Arzt dafür aber nicht im Sprechzimmer gegenüber, falls die Frage unangenehm sein sollte.

Psychotherapie online

Gerade weil es in Deutschland oft schwierig ist, eine Psychotherapie zu beginnen, können Online-Therapie-Angebote eine wertvolle Hilfe sein. Auch preislich interessant ist das Angebot unter www.instahelp.de. Kunden können zwischen drei Preismodellen wählen. Je nach Dauer und Häufigkeit der Beratung zahlen Patienten 29 Euro, 49 Euro und 69 Euro pro Woche.

Begleitend heißt das Beratungsmodell für 29 Euro. Dafür können die Patienten ein- bis zweimal pro Woche per Textchat mit ihrem Therapeuten in Kontakt treten, oder 20 Minuten pro Woche im Live-Chat, per Text, Audio oder Video.

Das Standard-Paket gibt es für 49 Euro pro Woche. Hier können Patienten schon drei bis viermal pro Woche über Textchat kommunizieren oder bis zu 40 Minuten im Live-Chat. Beim Intensiv-Paket für 69 Euro pro Woche sind schon bis zu 60 Minuten Gespräch mit drin – oder alternativ fünf bis sechs Mal pro Woche Textchats. Zum Vergleich: Patienten, die einen Psychologen aufsuchen und selbst zahlen, müssen mit Stundenpreisen ab 80 Euro aufwärts rechnen. Auf der anderen Seite müssen Kunden bei Instahelp wöchentlich bezahlen, können den Vertrag aber jederzeit kündigen.

Bezahlen können Nutzer per Paypal, Kreditkarte oder Sofortüberweisung. Ein großer Vorteil dieses Online-Angebots: Es gibt keine Wartezeiten. Bei Bedarf können Patienten sofort anfangen, ohne dass sie monatelang warten oder Anträge bei der Krankenkasse stellen müssen.

Auch auf der Plattform www.mentavio.com bieten Psychologen ihre Dienste online an. Hier werden die Stunden einzeln bezahlt. Die Stundenpreise variieren und liegen zwischen 60 und 120 Euro.

Gut zu wissen:
Der Termin zur Erstberatung ist kostenlos. Die Therapeuten beraten telefonisch, per Mail, Chat und Video-Chat. Bezahlt werden kann per Kreditkarte, Klarna und Lastschrift-Mandat.

Fragen an Psychologen und Psychiater lassen sich auch bei Justanswer stellen. Je nach Dringlichkeit und Ausführlichkeit der Antwort müssen die Fragesteller 15 bis 50 Euro in die Beantwortung der Frage investieren.

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Modellprojekt in Stuttgart und Tuttlingen

Interessant ist das Modellprojekt der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg. Das Angebot mit dem Titel "DocDirekt" existiert seit April dieses Jahres und ist derzeit nur für Patienten im Bereich Stuttgart und Tuttlingen nutzbar.

Patienten können sich montags bis freitags zwischen neun und 19 Uhr bei "DocDirekt" melden – telefonisch, per App oder Chat. Grundidee des Projektes: Die Kassenärztliche Vereinigung will ausprobieren, ob ein telemedizinischer Kontakt zwischen Patient und Arzt teilweise den Praxisbesuch ersetzen kann.

Falls Patienten trotz Arztgespräch in die Praxis kommen müssen, bekommen sie noch für denselben Tag einen Akuttermin. Bei den teilnehmenden Ärzten handelt es sich vor allem um Allgemeinmediziner.
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Caroline Benzel mein Name ist Caroline Benzel. Nach meinem Studium der Publizistik habe ich mich auf Verbraucherthemen spezialisiert. Auf Ihrem Family-Portal geldsparen.de informiere ich Sie zum Thema Mobilfunk. Ob LTE, NFC oder UMTS – ich weiß, was diese Abkürzungen bedeuten und wann sie für Sie wichtig sind.

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