Annette J├Ąger
Ein Beitrag von Annette J├Ąger, 31.05.2018

K├╝nstliche Befruchtung Mehr Zuschuss zum Wunschkind sichern

Kinderwunschbehandlungen kosten viel Geld. Manche Krankenkassen ├╝bernehmen deutlich mehr Kosten f├╝r eine k├╝nstliche Befruchtung als andere. Ein Kassenwechsel kann sich lohnen.
K├╝nstliche Befruchtung Mehr Zuschuss zum Wunschkind sichern

Ungewollt kinderlos zu sein, wollen viele Paare nicht einfach hinnehmen. Sie entscheiden sich f├╝r eine k├╝nstliche Befruchtung.

Die Reproduktionsmedizin erf├Ąhrt gro├čen Zulauf. Ungewollt kinderlos zu sein, wollen viele Paare nicht einfach hinnehmen. Sie entscheiden sich f├╝r ├Ąrztliche Hilfe auf dem Weg zum Wunschkind. Das kostet allerdings viel Geld: Zwischen 2.000 und 3.000 Euro oder sogar mehr fallen an pro Versuch. Und meist ist es mit einem nicht getan.

Kinderwunschbehandlungen sind im gesetzlichen Leistungskatalog der Krankenkassen fest verankert. Allerdings ├╝bernehmen die Kassen nur anteilig die Kosten. Sie erstatten 50 Prozent der Kosten pro Versuch, maximal drei Versuche sind erstattungsf├Ąhig. Welches Verfahren daf├╝r zum Einsatz kommt, ist unerheblich. Meist ist es die In-Vitro-Fertilisation (IVF) oder die Intracytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI).

Diese Voraussetzungen m├╝ssen erf├╝llt sein:
  • das Paar ist verheiratet
  • die Partner sind mindestens 25 Jahre alt und maximal 40 (Frau) bzw. 50 (Mann).
  • die Kinderwunschbehandlung ist aus ├Ąrztlicher Sicht erforderlich
  • es gibt hinreichend Aussichten auf eine erfolgreiche Schwangerschaft
  • es werden nur Ei- und Samenzellen der Ehegatten verwendet
  • vor Behandlungsbeginn erh├Ąlt die Kasse einen Behandlungsplan zur Bewilligung

K├╝nstliche Befruchtung: 100 Prozent Erstattung ├╝ber Zusatzleistungen

Doch manche Kassen leisten mehr als andere. ├ťber die freiwilligen Zusatzleistungen k├Ânnen sie den Zuschuss erh├Âhen. So ├╝bernehmen einige die Gesamtkosten f├╝r die ersten drei Versuche (z.B. AOK Hessen, Bahn BKK, IKK S├╝dwest). Das macht angesichts der hohen Kosten einer k├╝nstlichen Befruchtung einen immensen finanziellen Unterschied f├╝r den Versicherten aus.

Andere Kassen gew├Ąhren immerhin einen Zuschuss zum verbleibenden Eigenanteil des Versicherten. Die H├Âhe variiert. W├Ąhrend die KKH 100 Euro Zuschuss zum Eigenanteil pro Versuch gew├Ąhrt, sind es bei der IKK Classic 500 Euro. Um ├╝berhaupt h├Âhere Zusch├╝sse zu erhalten, m├╝ssen als Voraussetzung meist beide Partner bei der Krankenkasse versichert sein.
  
Diese Kassen (Auswahl) erstatten mehr als ├╝blich bei k├╝nstlicher Befruchtung
 Krankenkasse  Mehrleistung künstliche Befruchtung
 AOK Hessen  Kostenübernahme 100 Prozent für die ersten drei Versuche. Beide Partner müssen bei der AOK Hessen versichert sein.
 Bahn BKK  Kostenübernahme 100 Prozent für die ersten drei Versuche. Ist nur ein Partner bei der Bahn BKK versichert, gilt Kostenübernahme zu 75 Prozent.
 DAK  Kostenübernahme 100 Prozent für die ersten drei Versuche. Beide Partner müssen bei der DAK versichert sein.
 HEK Zuschuss von 200 Euro zum Eigenanteil je Versuch, maximal drei Versuche. Ab Juli 2018 genügt es, wenn der zu behandelnde Partner bei der HEK versichert ist.
 hkk  Zuschuss pro Partner von 200 Euro zum Eigenanteil je Versuch, maximal drei Versuche. Beide Partner müssen bei der hkk versichert sein.
 IKK Classic  Zuschuss von 500 Euro zum Eigenanteil je Versuch. Ist nur ein Partner bei der IKK Classic versichert, gilt ein Zuschuss von 250 Euro.
 IKK Südwest  Kostenübernahme 100 Prozent für die ersten drei Versuche. Beide Partner müssen bei der IKK Südwest versichert sein.
 KKH  Zuschuss von 100 Euro zum Eigenanteil je Versuch, maximal drei Versuche. Beide Partner müssen bei der KKH versichert sein.
 Techniker  Zuschuss von 250 Euro zum Eigenanteil je Behandlungsversuch, maximal drei Versuche. Beide Partner müssen bei der Techniker versichert sein.
  
Quelle: geldsparen.de/Stand Mai 2018

Kassenwechsel kann sich lohnen

Solche Leistungsunterschiede k├Ânnen ein guter Grund sein, die Krankenkasse zu wechseln. Der Wettbewerb unter den Krankenkassen ist politisch gewollt, der Versicherte sollte ihn zu seinem Vorteil nutzen. Ein Wechsel erfolgt problemlos. „Die gesetzlichen Kassen m├╝ssen Wechselwillige aufnehmen, der Gesundheitszustand ist unerheblich“, betont Regina Behrendt, Gesundheitsexpertin bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Tipp: Im besten Fall l├Ąsst sich die Mehrleistung bei der Kinderwunschbehandlung mit anderen Zusatzleistungen kombinieren: Manche Kassen leisten mehr bei Schwangerschaft, Geburt und in den Babyjahren. Etwa erweiterte Vorsorgeuntersuchungen oder eine Hebammenrufbereitschaft.
Krankenkasse
Versicherte sollten sich allerdings nicht alleine auf die Leistungsversprechen auf der Website einer Krankenkasse verlassen. Vor dem Kassenwechsel lohnt es sich, nochmal konkret nachzufragen, ob die Leistung tats├Ąchlich noch besteht. Denn die Kassen k├Ânnen die freiwilligen Leistungen immer wieder k├╝rzen – oder erweitern, wie beispielsweise die HEK: Bislang gibt es die 200 Euro Zuschuss zum Eigenanteil pro Versuch nur, wenn beide Partner bei der HEK versichert sind. Ab Juli gen├╝gt es, wenn ein Partner Kassenmitglied ist.

Einen Stolperstein gibt es beim Kassenwechsel: „Hat die bisherige Kasse eine Behandlung extra bewilligt, beispielsweise eine Physiotherapie oder eine Kieferorthop├Ądiebehandlung, muss die neue Kasse diese Leistung nicht automatisch auch gew├Ąhren“, sagt Behrendt. Die neue Kasse darf die Leistung erneut pr├╝fen.

Kassenwechsel: So funktioniert es

Ein Kassenwechsel ist einfach, kostet aber etwas Zeit. Die Kinderwunschbehandlung sollte darauf abgestimmt sein. Jeder, der 18 Monate lang Mitglied bei seiner Kasse war, kann wechseln. Es gilt eine K├╝ndigungsfrist zum Ende des ├╝bern├Ąchsten Monats. Wer im Juni k├╝ndigt, kann fr├╝hestens zum 1. September Mitglied bei der neuen Kasse werden.

Die K├╝ndigung muss schriftlich erfolgen, am besten per Einschreiben. Nach 14 Tagen sollten Versicherte eine K├╝ndigungsbest├Ątigung erhalten. Diese ist der neuen Kasse vorzulegen, genauso wie der Mitgliedsantrag.

Sollte die Mindestmitgliedschaft nicht erf├╝llt sein, haben Versicherte nur eine Chance zu wechseln, wenn die Kassen den Beitrag erh├Âht. Dann gilt ein Sonderk├╝ndigungsrecht.

K├╝nstliche Befruchtung: Die private Krankenversicherung leistet mehr

Wer privat krankenversichert ist, erh├Ąlt deutlich h├Âhere Kostenerstattungen als gesetzlich Versicherte. Doch es gelten v├Âllig andere Voraussetzungen. In der gesetzlichen Krankenversicherung gen├╝gt es, ungewollt kinderlos zu sein, um eine Kostenerstattung zu erhalten. Die Ursache ist unerheblich. In der privaten Krankenversicherung hingegen gilt wie immer das Credo der „medizinischen Notwendigkeit“: Es muss eine organische Ursache vorliegen als Voraussetzung f├╝r eine Kostenerstattung.

Auch die privaten Krankenversicherer erstatten unterschiedlich viel. Manche limitieren die Gesamtleistung, andere die Versuchsanzahl. Die meisten erstatten jedoch mehr als drei Versuche zu 100 Prozent. Das Alter des Paares wie auch der Familienstand sind oft nicht vorgegeben.

Tipp: Lesen Sie hier, wann die Krankenkassen eine Haushaltshilfe gew├Ąhren.
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Annette Jäger mein Name ist Annette Jäger. Ich schreibe ├╝ber Gesundheit, Versicherungen und Soziales auf Ihrem Family-Portal geldsparen.de. Ich habe Neuere Geschichte studiert und bin seit 1993 als Journalistin t├Ątig.

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