Annette Jäger
Ein Beitrag von Annette Jäger, 08.01.2019

Krankenkasse Grüne Rezepte können teuer werden

Medikamente auf grünen Rezepten muss der Patient selbst bezahlen. Manche Kassen erstatten trotzdem die Kosten.
Krankenkasse Grüne Rezepte können teuer werden

Auch wenn ein verordnetes Medikament nicht verschreibungspflichtig ist, sollte der Arzt es auf einem grünen Rezept statt auf normalem Papier notieren.

So manche Erkrankung geht ins Geld. Eine Stirnhöhlenentzündung zum Beispiel, wie eine Patientin erfahren musste. Zur Behandlung riet die Ärztin zu drei Medikamenten, darunter der Wirkstoff Ibuprofen zur Entzündungshemmung und ein kortisonhaltiges Nasenspray. Die Ärztin stellte ein grünes Rezept aus, in der Apotheke musste die Patientin selbst bezahlen, insgesamt über 20 Euro. Auf das ebenfalls empfohlene pflanzliche Mittel verzichtete sie, das hätte weitere 14 Euro gekostet.

Der Grund für die teure Krankheit ist das grüne Rezept. Darauf landen Medikamente, die der Arzt empfiehlt, die aber nicht verschreibungspflichtig sind, sprich: Die Kasse erstattet sie nicht. Mit dieser Regelung sind viele Krankheiten förmlich aus dem Leistungskatalog herausgeflogen.

Die äußerst schmerzhafte Stirnhöhlenentzündung der Patientin gehört dazu, solange die Erkrankung keines Antibiotikums bedarf – das würde die Kasse wiederum bezahlen. Auch für die Heilung eines Hexenschusses ist der Patient selbst finanziell zuständig. Ebenso gibt es in der Regel keine Leistungen bei Halsschmerzen, Erkältungskrankheiten, Bronchitis, Heuschnupfen und vielen Hautkrankheiten. Die Kosten trägt allein der Patient und das sind schnell mal 30 Euro oder sogar mehr pro Familienmitglied.

Grünes Rezept: Kassen erstatten Kosten als Zusatzleistung

Manche Kassen erstatten aber solche Ausgaben im Rahmen ihrer freiwilligen Leistungen. Allerdings machen sie Unterschiede: Manche erstatten nur pflanzliche oder homöopathische Arzneimittel, andere auch sogenannte OTC-Medikamente, also solche, die nicht verschreibungspflichtig sind. Dazu gehören Nasensprays, Abführ- oder Erkältungsmittel oder die Wirkstoffe Ibuprofen und Acetysalicylsäure, letztere ist in Form von Aspirin bekannt.
Krankenkasse
Oftmals gibt es auch eine Erstattungshöchstgrenze, so gewähren beispielweise die Techniker, die Barmer und die hkk maximal 100 Euro im Jahr für homöopathische, pflanzliche oder antroposophische Arzneimittel. Die AOK Baden-Württemberg erstattet maximal 80 Euro im Jahr für homöopathische Arzneimittel. Voraussetzung ist, dass ein Arzt mit Zusatzqualifikation Homöopathie die Medikamente verschrieben hat. Zur Kostenerstattung müssen Patienten die in der Apotheke abgestempelten grünen Rezepte, plus den Kassenbeleg bei ihrer Krankenkasse einreichen.

Bei Medikamenten für Kinder fallen keine Kosten an

Kinder bis zwölf Jahren erhalten alle Medikamente auf Rezept. Manche Kassen erweisen sich auch hier kulanter und erstatten im Rahmen ihrer freiwilligen Leistungen Jugendlichen bis zum 18. Lebensjahr bestimmte OTC-Arzneimittel. Am besten ruft man bei seiner Krankenkasse an und erkundigt sich, ob sie Kosten erstattet und wenn ja, in welchem Umfang.

Mein Tipp: Wenn der Arzt ein Medikament empfiehlt, das die Kasse nicht bezahlt, es aber nicht von sich aus auf einem grünen Rezept notiert, bitten Sie ihn darum. Sie haben dann wenigstens die Chance, es bei Ihrer Kasse über die freiwilligen Zusatzleistungen anteilig erstattet zu bekommen.

Grün, rosa, blau - die Farbe macht beim Rezept den Unterschied

Die Farbe des Rezepts entscheidet darüber, welche Kosten der Patient in der Apotheke zu tragen hat. Neben grünen Rezepten, gibt die rosafarbenen, die jeder Kassenpatient kennt. Hier verschreibt der Arzt verschreibungspflichtige Medikamente, die die Kasse bezahlt. Der Patient leistet die üblichen Zuzahlungen: mindestens fünf, maximal zehn Euro pro Medikament. Auf blauen Rezepte, den Privatrezepten, verordnet der Arzt hingegen Medikamente, die verschreibungspflichtig sind, aber nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung gehören. Ein klassisches Beispiel ist die Anti-Baby-Pille. Die Kosten muss der Patient selbst tragen.

Grünes Rezept: Sparmöglichkeiten

Für Versicherte mit geringem Einkommen sind solche finanziellen Belastungen bei Krankheit oft enorm. Welche Alternative haben sie? „Man kann mit seinem Arzt besprechen, ob er auf andere Medikamente ausweichen kann, die er auf einem üblichen Kassenrezept verordnen kann“, rät Charlotte Henkel, Patientenberaterin bei der Verbraucherzentrale Hamburg. „Eventuell kann man auch auf einen Reimport ausweichen“, sagt Henkel. Reimporte sind Medikamente, die im Ausland hergestellt werden, aber dieselben Wirkstoffe enthalten und in der Regel günstiger sind. Das sollte man mit seinem Apotheker besprechen, rät Henkel.

Übrigens: Wenn sich keine Sparmöglichkeit anbietet, sollte man die Rezepte und Apothekenbelege trotzdem sammeln. Am Ende des Jahres kann man sie möglicherweise im Rahmen der außergewöhnlichen Belastungen bei der Steuer geltend machen.
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Annette Jäger mein Name ist Annette Jäger. Ich schreibe über Gesundheit, Versicherungen und Soziales auf Ihrem Family-Portal geldsparen.de. Ich habe Neuere Geschichte studiert und bin seit 1993 als Journalistin tätig.

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