Annette JĂ€ger
Ein Beitrag von Annette JĂ€ger, 26.04.2018

InhalationsgerÀt, Rollstuhl und Co. So erhalten Sie Hilfsmittel von der Krankenkasse

Ein Rollstuhl, ein InhalationsgerĂ€t, Inkontinenzhilfen oder KompressionsstrĂŒmpfe sind Hilfsmittel. Kassenpatienten mĂŒssen zwei HĂŒrden nehmen, um sie zu erhalten.
InhalationsgerÀt, Rollstuhl und Co. So erhalten Sie Hilfsmittel von der Krankenkasse

Um Hilfsmittel gibt immer wieder Ärger. Ein verordnetes InhalationsgerĂ€t tatsĂ€chlich zu erhalten, ist nicht immer einfach.

Die Verordnung von medizinischen Hilfsmitteln wird immer wieder zum Streitpunkt zwischen Krankenkassen und Patienten. Entweder genehmigt die Kasse nicht die Ă€rztliche Verordnung, zum Beispiel ein InhalationsgerĂ€t fĂŒr das Kleinkind. Oder aber der Patient erhĂ€lt die Genehmigung, scheitert dann aber im SanitĂ€tshaus, weil er dort nicht das von ihm gewĂŒnschte Produkt erhĂ€lt. So meistern Patienten die beiden HĂŒrden.

Was genau sind Hilfsmittel?

Laut Definition sind Hilfsmittel GegenstĂ€nde, die den Erfolg einer Krankenbehandlung sichern und einen Ausgleich einer Behinderung ermöglichen sollen. Oder aber sie sollen Beschwerden lindern und eine selbststĂ€ndige LebensfĂŒhrung ermöglichen. Zu Hilfsmitteln zĂ€hlen RollstĂŒhle, Prothesen, Seh- und Hörhilfen, orthopĂ€dische Schuhe, Geh- und Inkontinenzhilfen oder auch Stomaartikel. Solche Artikel muss der Arzt verordnen und die Kasse genehmigen, bevor der Patient sie im SanitĂ€tshaus beziehen kann.

Erste HĂŒrde: Arzt muss gut begrĂŒnden

„Die Verordnung ist der erste Knackpunkt“, sagt Claudia Spiegel, Juristin beim Sozialverband VdK Bayern. Hier können viele Fehler unterlaufen, weshalb die Kasse dann die Verordnung nicht genehmigt. „Der Arzt muss die Verordnung prĂ€zise ausfĂŒllen“, betont Spiegel. So muss die medizinische Notwendigkeit des jeweiligen Produkts oder GerĂ€ts genau begrĂŒndet sein. Die Diagnose und welche Art von BeeintrĂ€chtigung das Hilfsmittel genau ausgleichen soll, sollte in der Verordnung genau beschrieben sein. Ebenso, welche genauen Funktionsweisen nötig sind oder in welcher Menge es erforderlich ist. „Wenn das exakt beschrieben ist, ist man der Genehmigung schon einen großen Schritt nĂ€her gerĂŒckt“, so Spiegel.

Tipp: Der Patient darf im SanitĂ€tshaus bestimmte Produkte testen, ob sie fĂŒr ihn ĂŒberhaupt geeignet sind und ob er mit ihnen zurechtkommt. Das sollten Patienten auch wahrnehmen. So kann der Arzt dann exakte Angeben machen, warum ein bestimmtes Hilfsmittel zum Einsatz kommen soll.

Patienten sollten auch eine spezielle Hilfsmittelberatung in Anspruch nehmen. Je nach BeeintrÀchtigung gibt es spezielle Beratungsstellen, zum Beispiel des Blinden- und Sehbehindertenbunds.
Krankenkasse
Über den Antrag muss die Kasse innerhalb von drei Wochen entscheiden. Muss der Medizinische Dienst der Krankenkassen zur Begutachtung eingeschaltet werden, kann sich die Frist verlĂ€ngern. „Sollte die Kasse innerhalb der Drei-Wochen-Frist gar nicht reagieren, gilt die Verordnung als genehmigt“, sagt Spiegel.

Was tun bei Ablehnung?

Wird eine Verordnung fĂŒr ein Hilfsmittel von der Kasse abgelehnt, kann der Patient innerhalb eines Monats schriftlich Widerspruch einlegen. „Es schadet nicht, erneut mit dem Arzt bei der BegrĂŒndung nachzubessern“, meint Spiegel. Diese sollte der Patient dann noch nachreichen. Lehnt die Kasse wieder ab, bleibt nur der Klageweg.

Zweite HĂŒrde: SanitĂ€tshaus

Hat der Patient die Verordnung in der Tasche, ist die nĂ€chste HĂŒrde im SanitĂ€tshaus zu nehmen. Der Patient muss ein bestimmtes SanitĂ€tshaus aufsuchen, mit dem die jeweilige Krankenkasse einen Versorgungsvertrag abgeschlossen hat. Gleichzeitig muss er mit dem Produkt Vorlieb nehmen, mit dessen Hersteller die Kasse einen Vertrag abgeschlossen hat. „Die Kasse stellt immer nur eine Basisversorgung sicher“, erklĂ€rt Spiegel. Wer bessere QualitĂ€t wĂŒnscht oder das Produkt eines anderen Anbieters, muss unter UmstĂ€nden aus eigener Tasche dazu bezahlen.

Doch Versicherte sollten nicht allzu schnell bereit sein, Mehrkosten selbst zu tragen. Wenn das Produkt nicht fĂŒr sie geeignet ist – etwa Windeln nicht passen - muss die Krankenkasse fĂŒr die Mehrkosten aufkommen. Der Patient hat das Recht auf die medizinisch notwendige Versorgung. Notfalls mĂŒssen Versicherte Widerspruch einlegen, wenn sich die Krankenkasse weigert, zu zahlen. Dann sollten Patienten eine Kostenaufstellung der notwendigen Hilfsmittel beifĂŒgen. Auch der Arzt kann eingebunden werden und die medizinische Notwendigkeit erneut betonen.

Neues Gesetz stÀrkt Patienten

Das Heil- und HilfsmittelstĂ€rkungsgesetz, das 2017 in Kraft getreten ist, soll die Position des Patienten stĂ€rken. Es besagt unter anderem, dass bei den VertrĂ€gen zwischen Kassen und Anbietern von Hilfsmitteln nicht allein der Preis das ausschlaggebende Kriterium fĂŒr den Zuschlag sein darf. Auch QualitĂ€t des Produkts oder die ErhĂ€ltlichkeit des Hilfsmittels mĂŒssen beachtet werden. Sprich: Ein Kassenpatient darf nicht gezwungen sein, ein fĂŒr ihn unerreichbar weit entferntes SanitĂ€tshaus aufsuchen zu mĂŒssen, erklĂ€rt Spiegel.

Beschwerden reißen nicht ab

Doch einige Kassen kommen den gesetzlichen Vorgaben nicht ausreichend nach. „Gerade bei Inkontinenzhilfen reißen die Beschwerden nicht ab“, sagt Spiegel. Die QualitĂ€t der von den Kassen bezahlten Produkte sei oft minderwertig. Erst vor kurzem hat sich das Bundesversicherungsamt eingeschaltet und zwei großen Ersatzkassen - der DAK und der Barmer – vorgeworfen, bei bestimmten Hilfsmitteln primĂ€r auf den Preis und eben nicht auf die QualitĂ€t zu achten. Die Aufsichtsbehörde hat die Kassen aufgefordert, eine Ausschreibung fĂŒr bestimmte Artikel aufzuheben. Eine Ausschreibung dient dazu, den gĂŒnstigsten Anbieter fĂŒr das jeweilige Produkt zu finden.

Tipp: Lesen Sie hier, welche Vorteile ein Kassenwechsel bringt.
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Annette Jäger mein Name ist Annette Jäger. Ich schreibe ĂŒber Gesundheit, Versicherungen und Soziales auf Ihrem Family-Portal geldsparen.de. Ich habe Neuere Geschichte studiert und bin seit 1993 als Journalistin tĂ€tig.

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