Annette Jäger
Ein Beitrag von Annette Jäger, 16.10.2017

Krankenversicherung Krankenkassen zahlen Cannabis

Patienten können Cannabis auf Rezept erhalten. In der Praxis bleibt es schwierig, an die Medizin zu gelangen. Ein guter Arzt ist eine Voraussetzung.
Krankenversicherung Krankenkassen zahlen Cannabis

Wer Cannabis auf Rezept erhalten möchte, muss zuerst den richtigen Arzt finden.

Der 10. M√§rz 2017 war f√ľr viele Patienten mit chronischen Schmerzen oder Spastiken ein wichtiger Tag: Seitdem k√∂nnen Krankenkassen und private Krankenversicherer Cannabis auf Rezept verschreiben. Bei vielen Indikationen hat sich die Substanz als lindernd erwiesen, f√ľr manche Patienten ist sie die letzte Rettung.

Jetzt ist die Kosten√ľbernahme f√ľr Cannabis als Medizin durch die Krankenversicherer nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel. Trotzdem muss ein kompliziertes Genehmigungsprozedere durchlaufen werden. Grunds√§tzlich kommt die Substanz nur zur Behandlung schwerwiegender Leiden in Frage.

Cannabis auf Rezept: Der richtige Arzt ist das A&O

Wer Cannabis auf Rezept erhalten m√∂chte, muss zuerst den richtigen Arzt finden. Denn die Verordnung ist, wenn sie erstmalig erteilt wird, bei der Krankenkasse zu beantragen und von ihr zu genehmigen. Der Arzt muss also ausf√ľhrlich darlegen, warum Cannabis eine Therapieoption ist und warum keine Standardtherapie in Frage kommt – diese ist n√§mlich vorzugsweise anzuwenden.

Leider kennen sich noch nicht alle √Ąrzte mit den Verschreibungsmodalit√§ten aus, hat die Unabh√§ngige Patientenberatung Deutschland (UPD) erfahren. Das betrifft nicht nur Fragen der Darreichungsform und der Dosierung der Arznei - Cannabis gibt es als Fertigarznei oder die getrockneten Bl√ľten k√∂nnen verordnet werden - sondern auch des Antragsprozederes. Unvollst√§ndige oder nicht ausreichend begr√ľndete Antr√§ge sind die h√§ufigsten Gr√ľnde, warum der Verordnung abgelehnt wird, hei√üt es bei der Techniker Krankenkasse.

Theoretisch kann jeder Arzt Cannabis auf Rezept verschreiben. Doch nicht alle Mediziner sind offen f√ľr eine Verschreibung. Mancher scheut das aufw√§ndige Antragsprozedere, andere wollen ihr Budget schonen, denn die Behandlung mit Cannabis ist teuer.

Mein Tipp: Patienten sollten im Gespr√§ch mit dem Arzt kl√§ren, ob er grunds√§tzlich offen f√ľr eine Verschreibung ist. Verschreibt er Cannabis nur auf Wunsch bzw. Dr√§ngen des Patienten, wird er kaum eine ausreichend gute Begr√ľndung darlegen k√∂nnen, die Zuspruch von der Kasse findet. Der Arzt muss von der Therapieoption √ľberzeugt sein – und sie muss nat√ľrlich gerechtfertigt sein.

Krankenkassen m√ľssen Fristen einhalten

Ist der Antrag bei der Kasse eingereicht, hat diese Fristen einzuhalten: Innerhalb von drei bis Wochen muss der Fall gepr√ľft sein, bei einer ambulanten Schmerztherapie muss sie schneller reagieren, innerhalb von drei Tagen, erkl√§rt Michael Bialek, Gesundheitsexperte bei der Verbraucherzentrale Bayern.

Mein Tipp: Falls die Krankenkasse die oben genannten Fristen vers√§umt, ist die Kasse verpflichtet, die Kosten f√ľr die Cannabis-Verordnung zu tragen, auch wenn nicht alle Voraussetzungen erf√ľllt sind.
Krankenkasse

Cannabis f√ľr Privatpatienten ist gedeckt

Auch Privatpatienten können Cannabis auf Privatrezept erhalten, egal ob sie in einem Volltarif, einem Basis- oder Standardtarif versichert sind. Auch in der privaten Krankenversicherung muss Cannabis auf Rezept zuerst genehmigt werden. In dringenden Fällen gilt eine Frist von zwei Wochen, Standard sind vier Wochen. Wie bei den Krankenkassen gilt die Verordnung als genehmigt, wenn der private Krankenversicherer die Frist versäumt.

Wer das Rezept endlich in der Tasche hat, kann es deshalb noch lange nicht in der Apotheke gegen die Arznei eintauschen: Die Apotheken haben landauf, landab Lieferengp√§sse. Denn sie sind auf Importware angewiesen. Cannabisbl√ľten aus deutschem Anbau stehen noch nicht zur Verf√ľgung.

Tipp: Lesen Sie hier, was eine gute private Krankenversicherung ausmacht.

So viele Anträge auf Cannabis als Medizin haben vier große Krankenkassen bisher genehmigt:

 
 
Krankenkasse
Versicherte
 
Anträge insgesamt

Anträge genehmigt

Anträge abgelehnt

Techniker
9,9 Millionen
 
1.250* 730 **
Barmer
9,3 Millionen
 
2.250 1.350 900
AOK Baden-W√ľrttemberg
4,2 Millionen
 
923 639 111 (begr√ľndete Ablehnungen)
IKK Classic
3,3 Millionen
 
620 369 251
*Bis 14.08.2017 **Zahlen noch nicht endg√ľltig erhoben. Viele Antr√§ge sind noch im laufenden Verfahren.
Stand: 30. September 2017

Vergleich Private Krankenversicherung
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Annette Jäger mein Name ist Annette Jäger. Ich schreibe √ľber Gesundheit, Versicherungen und Soziales auf Ihrem Family-Portal geldsparen.de. Ich habe Neuere Geschichte studiert und bin seit 1993 als Journalistin t√§tig.

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