Von Manfred Fischer, 17.12.2017

Miet- oder Lastenzuschuss So klappt es mit dem Wohngeld

Missverständnisse und Probleme sind bei Wohngeldanträgen an der Tagesordnung. Woran liegt es, wenn der Bescheid vom Amt negativ ausfällt?
Miet- oder Lastenzuschuss So klappt es mit dem Wohngeld

Miete steigt vielerorts, oft hilft nur das Wohngeld.

Anspruch auf Unterst√ľtzung haben sowohl Mieter als auch Eigent√ľmer einer Immobilie. Mieter erhalten Wohngeld als Mietzuschuss, Eigent√ľmer als Lastenzuschuss. Knackpunkt: Dem Gesamteinkommen sind sowohl nach oben als auch nach unten Grenzen gesetzt. Schlie√ülich soll das Wohngeld einkommensschwachen Menschen zugutekommen. Es soll aber nur dem Wohnen dienen, nicht dem weiteren Lebensunterhalt. Die Miete – bei Eigent√ľmern die „Belastung” –, die die √Ąmter ber√ľcksichtigen, ist gedeckelt. So rechnen sie etwa bei einem Single in einer Gegend mit sehr hohem Mietpreisniveau maximal 522 Euro an.

L√ľckenhafte Antr√§ge

Beh√∂rden erleben, dass viele Wohngeldantr√§ge nicht vollst√§ndig ausgef√ľllt werden. Angaben bleiben unklar, und es sind keine oder falsche Unterlagen beigef√ľgt. Immer wieder werden Verfahren eingestellt, weil Antragsteller auch auf Nachfrage von Sach-bearbeitern Informationen schuldig bleiben.

Knackpunkt Mindesteinkommen

Nur wer seinen Lebensunterhalt zumindest gr√∂√ütenteils selbst bestreitet, dem steht Wohngeld zu. In fraglichen F√§llen findet ein schriftliches Anh√∂rungsverfahren statt. Der Antragsteller muss dabei auflisten, welche Einnahmen und Ausgaben er hat. Wenn eine unabweisbare Ausgabe fehle, k√∂nne der Antrag aus Plausibilit√§tsgr√ľnden abgelehnt werden, sagt Arne Haase, der ehrenamtlich die Webseite wohngeldantrag.de betreibt. „Eine Frau zum Beispiel, die keine Hygieneartikel angibt, macht sich unglaubw√ľrdig”.
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Ersparnisse

Beim Wohngeld gelten hohe Freigrenzen. Ersparnisse von weniger als 60.000 Euro werden nicht angerechnet. Wichtig ist jedoch, dass Antragsteller sie nicht verschweigen. Denn sehr wohl relevant sind die Kapitalertr√§ge. Dabei muss es nicht um gro√üe Betr√§ge gehen. „Es gen√ľgt schon, wenn jemand ein Tagesgeldkonto hat und 50 Euro Zinsen im Jahr erh√§lt”, sagt Haase. Der Wohngeldstelle falle das beim automatischen Datenabgleich mit dem Bundesamt f√ľr Finanzen auf. In der Folge droht ein Bu√ügeld oder sogar ein Strafverfahren.

Gemeinsames Wirtschaften

Ob und wie viel Wohngeld ein Antragsteller erh√§lt, h√§ngt auch davon ab, mit wie vielen Personen er zusammen wohnt. Von einer „Einstandsgemeinschaft” geht das Amt etwa aus, wenn ein Paar mehr als ein Jahr zusammenlebt. Das bedeutet, dass in die Berechnung des Wohngeldes beide Einkommen einflie√üen. Wenn ein Partner gut verdient, wird wom√∂glich die Einkommensobergrenze √ľberschritten. Wer gemeinsames Wirtschaften zu vertuschen versucht, bekommt Besuch vom Pr√ľfdienst des Sozialamtes.
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√Ąnderung der Eink√ľnfte

Werden sich Eink√ľnfte eines Haushaltsmitglieds in den n√§chsten zw√∂lf Monaten √§ndern? Die Frage im Antragsformular ist simpel, hat aber einen Haken. Wird sie bejaht, wird das Amt den Bewilligungszeitraum f√ľr das Wohngeld – normalerweise zw√∂lf Monate – entsprechend verk√ľrzen. Wenn die √Ąnderung dann ausbleibt oder sp√§ter eintritt, muss man dies nachweisen. Und das bei teils monatelangen Bearbeitungszeitung in √Ąmtern. Im Zweifelsfall empfiehlt es sich daher, „nein” anzukreuzen und erst, wenn es soweit ist, einen √Ąnderungsantrag zu stellen.

Fehlerhafter Bescheid

Verbraucher haben zwei Rechtsmittel, um sich gegen falsche Bescheide zu wehren: den Widerspruch und die Klage vor dem Verwaltungsgericht. Je nach Bundesland unterscheiden sich die Regelungen. Wer Widerspruch einlegt, geht kein Risiko ein. Schlimmstenfalls weist ihn die Beh√∂rde ab. Geb√ľhren entstehen nicht. Anwalts- und Gerichtskosten im Falle einer Klage lassen sich mit Beratungshilfeschein und Prozesskostenhilfe auffangen.

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