Von Ines Baur, 18.10.2017

Begleit-Apps Keine Angst vor düsteren Straßen

Wer nachts alleine unterwegs ist, hat oft ein mulmiges Gefühl. Begleit-Apps fürs Smartphone sollen hier Abhilfe schaffen. Was dahinter steckt und wie Sie darüber hinaus sicherer unterwegs sind.
Begleit-Apps Keine Angst vor düsteren Straßen

Mit einer Begleit-App auf dem Smartphone kann der nächtliche Heimweg deutlich weniger unheimlich sein.

Der Winter naht und damit die frühe Dunkelheit. Wer nach siebzehn Uhr zu Fuß und allein unterwegs ist, kennt das mulmige Gefühl: Ist da was, war da wer, werde ich verfolgt? Allein in einem Park oder auf einer abgeschiedenen Straße unterwegs zu sein, bedeutet für die meisten Unsicherheit und ein ungutes Gefühl. Dazu erschrecken uns Schlagzeilen von Überfällen, Vergewaltigungen oder Belästigungen. Täter schlagen gern im Dunkeln zu. Denn in der Dunkelheit ist die Gefahr erkannt zu werden gering.

Es sind nicht nur Frauen und Kinder, die sich in der Dunkelheit allein auf der Straße fürchten. Auch erwachsene Männer sind unsicher. Auch ein gestandenes Mannsbild kann ausgeraubt, überfallen, zusammengeschlagen werden. Möglicherweise könnte das eine oder andere Verbrechen ein schnelleres Eingreifen der Polizei verhindern. Doch selten kommt ein Opfer in der Gefahrensituation dazu einen Notruf abzusetzen. Gegen diese Verzögerung und vor allen das ungute Gefühl, allein durch die Dunkelheit zu gehen, gehen die sogenannten Begleit-Apps für Smartphones an.

Begleit-App "Way Guard" von Axa

Die kostenlose Begleit-App "Way Guard" des Versicherers Axa kann sich jeder Smartphone Besitzer einfach installieren. Axa verzichtet auf eine Gebühr und In-App-Käufe. Unterwegs ist die App „WayGuard“ als Begleiter im Hintergrund auf Wunsch dabei. Sie kennt die genaue Position des Users und übermittelt diese in Echtzeit verschlüsselt an das Team Way Guard – eine zertifizierte Leitstelle, die im Fall der Fälle gezielt professionelle Hilfe organisiert.

Im Ernstfall bedient der User einfach den roten Notfall-Button. Der Notruf geht direkt zur Polizeileitstelle, die durch den Way Guard den genauen Standort kennt und somit ohne Zeitverlust zur Hilfe schreiten kann. Wenn der Nutzer möchte, kann er sich über die App auch mit einem Begleiter aus dem Freundes- oder Familienkreis verbinden lassen. Der sieht ebenfalls auf der Karte den Aufenthaltsort. Zusätzlich kann er mit ihm chatten oder telefonieren. Am Ziel angekommen, gibt der User Bescheid und die Begleitung endet. Die App fährt sich herunter. Durch die Leitstelle bietet Way Guard rund um die Uhr eine Begleitoption, auch wenn Freunde gerade nicht erreichbar sind.

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App-Test in Kooperation mit der Kölner Polizei

Getestet wurde die App in Kooperation mit der Kölner Polizei: 4.500 Tester nutzten im Juni 2016 den Way Guard intensiv und ließen sich insgesamt mehr als 400.000 Minuten mit der App durch Freunde oder Leitstelle begleiten.

„Die Resonanz war riesig: Das ursprünglich auf 1.500 Nutzer angelegte Testfeld haben wir mehrfach sukzessive erweitert, so dass letztlich über 4.500 Personen die Begleit-App über Wochen auf Herz und Nieren geprüft haben“, so Michael Bongartz, Leiter Kundenmanagement bei der AXA Konzern AG. „Ursprünglich nahmen wir an, dass die App besonders für Frauen von Interesse ist, aber auch Eltern, Männer und Jugendliche meldeten sich bei uns. So sehen beispielsweise viele Eltern in der App die Möglichkeit, ihre Kinder virtuell zu begleiten, wenn sie zum Beispiel in den Abendstunden allein auf dem Weg zum Sport oder zu Freunden sind. Voraussetzung ist natürlich, dass der Nachwuchs die Begleitung aktiv anfragt“, ergänzt Bongartz.

Weitere Begleit-Apps

Neben Way Guard gibt es weitere Apps. Zum Beispiel "myBodyguards" (kostet 2,29 Euro) oder "VIVATAR" - erinnert irgendwie an Avatar – von Bosch. Vivatar bezeichnet sich als digitalen Schutzengel für unterwegs. Der Nutzer kann sich über die App mit Freunden oder Familie verbinden und sich via GPS virtuell begleiten lassen. Wann und wer ihn begleitet, entscheidet er selbst.

Die Grundversion der App ist kostenlos. Allerdings bietet der Hersteller eine Erweiterung der App an. Mit der Premium-Version für 4,99 Euro im Monat kann der Benutzer zusätzlich jederzeit auf einen geschulten Bosch Emergency Assistenten zurückgreifen. Der hilft im Notfall weiter, informiert Rettungsstelle oder die Kontaktperson. Dank der Infos aus dem ebenfalls hinterlegten Notfallpass (Blutgruppe, Allergien, Vorerkrankungen) kann schnell individuelle Hilfe organisiert werden.

Die digitalen Begleiter sind in Deutschland immer mehr im Kommen. In den USA sind Begleit-Apps schon länger recht beliebt. Der Dienst „Guardly“ – vor allem für Geschäftsmänner erdacht – ist so ein Service. Er kostet ein paar Dollar, dafür aber hat der Nutzer eine ständig besetzte Leitstelle. An den amerikanischen Unis ist der „Circle of 6“ die App der Wahl. Passiert dem User direkt etwas auf dem Campus Gelände, geht der Notruf direkt an die Campus-Polizei. Geschieht ein Überfall außerhalb des Geländes schaltet der Alarm an die 911-Notrufnummer.
Ob mit Begleit-App oder ohne. Grundsätzlich gibt es folgende Tipps für alle, die alleine unterwegs sind:

1. Den Heimweg im Voraus planen: Vielleicht geht ein Freund den gleichen Weg? Besser in einer Gruppe oder zu zweit unterwegs sein als alleine. Das Handy immer griffbereit und mit vollem Akku dabei haben.

2. Beleuchtete Wege und Straßen wählen: Können einsame Ecken und dunkle Wege mit einem kleinen Umweg gemieden werden?

3. Bus und Bahn: Immer in der Nähe des Fahrers oder Schaffners Platz nehmen. Weitere Option: Neben dem Notruf-Schalter stellen.

4. Mögliche Verfolger abhängen: Die Straße in einem 90 Grad Winkel überqueren. So kann man feststellen, ob tatsächlich eine Person folgt. Falls nötig, Richtung wechseln und ein öffentlich zugängliches Gebäude ansteuern (Kiosk, Supermarkt, Laden) und sich hier abholen lassen. Nichts in der Nähe? Dann zielstrebig auf ein Gebäude zu gehen und bei einem Anwohner klingeln.

5. Aufmerksamkeit erregen: Wird man belästigt, immer laut und deutlich sagen „Lassen Sie mich in Ruhe!“ Wichtig: Die andere Person unbedingt siezen. Andernfalls meinen Passanten, dass es sich um einen Streit unter Bekannten handelt. Hier wird kaum jemand helfen. Ist keine andere Person in der Nähe und Sie werden weiter belästigt, aktivieren Sie sofort den Notruf!

6. Weglaufen vermeiden: Weglaufen ist oft keine gute Idee. Was, wenn Sie eingeholt werden? Halten Sie sich an die drei "L": Licht, Lärm und Leute. Versuchen Sie solche Orte zu erreichen.
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