Von Ines Baur, 08.03.2018

Weltfrauentag Girokonto statt Nagellack

L√§ngst d√ľrfen Frauen ohne Erlaubnis arbeiten, ein Girokonto f√ľhren, ihr Verm√∂gen selbst verwalten. Doch in Sachen Finanzen haben sie oft weiterhin das Nachsehen. Ein R√ľck- und Ausblick.
Weltfrauentag Girokonto statt Nagellack

Auch heute m√ľssen Frauen oft noch f√ľr ihre finanzielle Gleichberechtigung k√§mpfen.

Elisabeth Selbert setzte sich durch. Nach mehreren gescheiterten Abstimmungen boxte sie 1949 einen kleinen Satz mit f√ľnf W√∂rtern in das Grundgesetz: ”M√§nner und Frauen sind gleichberechtigt." Ein wichtiger Anfang, wenn es auch bis zum heutigen Stand des Artikels noch ein paar J√§hrchen vergingen. 1994 engagierte sich die Politikerin Lore Maria Peschel-Gutzeit f√ľr die Erg√§nzung um einen weiteren Satz. "Der Staat f√∂rdert die tats√§chliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und M√§nnern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin."

Geht eine Frau in die Bank und er√∂ffnet ein Konto….

Frauen d√ľrfen ein Konto haben, ihr Geld verwalten und Kredite aufnehmen. Was heute normal ist, war bei unseren M√ľttern und Gro√üm√ľttern keine Selbstverst√§ndlichkeit. Mit einer Heirat gaben Frauen viele Rechte ab, sie unterstanden ihrem Ehemann. Im Alltag bedeutet das: kein Konto, kein Verm√∂gen, keine Arbeit – wenn der Gatte das nicht m√∂chte.

Das Gesetz √ľber die Gleichberechtigung zwischen Frauen und M√§nnern auf dem Gebiet des b√ľrgerlichen Rechts - kurz Gleichberechtigungsgesetz - trat am 1. Juli 1958 in Kraft. Es verbesserte die rechtliche Lage der Frauen. Mit dem Gleichberechtigungsgesetz kippte unter anderem der sogenannte Letztentscheid des Ehemannes in s√§mtlichen Eheangelegenheiten. Frauen durften ab diesem Zeitpunkt ihr eigenes Verm√∂gen verwalten. Im Falle einer Scheidung gingen sie nicht mehr leer aus, sondern wurden und werden bis heute an dem in der Ehe erwirtschaftetem Verm√∂gen beteiligt.

Allerdings: Ein eigenes Bankkonto - ohne Unterschrift des Ehemanns - konnten Ehefrauen ab 1962 eröffnen. 1969 wurde verheirateten Frauen die volle Geschäftsfähigkeit zugesprochen, und die Zustimmung des Gatten bei Aufnahme einer Berufstätigkeit abgeschafft. Die Vergewaltigung in der Ehe ist immerhin seit 1997 strafbar.

„Schatz, was gibt’s zum Essen?“

Das Thema "Frau, Job, Familie" war einst auch in Deutschland gesetzlich geregelt. So lautete der Gesetzestext 1958: "Die Frau f√ľhrt den Haushalt in eigener Verantwortung. Sie ist berechtigt, erwerbst√§tig zu sein, soweit dies mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar ist." 1977 kam die √Ąnderung des Gesetzes: "Die Ehegatten regeln die Haushaltsf√ľhrung im eigenen Einvernehmen. (...) Beide Ehegatten sind berechtigt, erwerbst√§tig zu sein. Bei der Wahl und Aus√ľbung einer Erwerbst√§tigkeit haben sie auf die Belange des anderen Ehegatten und der Familie die gebotene R√ľcksicht zu nehmen."

Was den Job angeht, treten im 21. Jahrhundert immer noch viele Frauen k√ľrzer. Nach der Babypause arbeiten sie in Teilzeit, suchen sich einen Minijob oder arbeiten gar nicht mehr au√üer Haus. Daf√ľr erledigen sie die unentgeltlichen Arbeiten, die Haushalt, Kinder oder Angeh√∂rigenpflege mit sich bringen. Nach einer Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-B√∂ckler-Stiftung von 2017 bringen Frauen f√ľr die selbstverst√§ndlichen Hausarbeiten 60 Prozent mehr Zeit auf als M√§nner.

Rollenverteilung wie bei Oma

Dank des „Gesetzes √ľber die Gleichberechtigung von Mann und Frau auf dem Gebiet des b√ľrgerlichen Rechts“ d√ľrfen Ehefrauen ihr eigenes Verm√∂gen selbst verwalten. Vor 60 Jahren, keine Selbstverst√§ndlichkeit. Das Geld, das die Frau mit in die Ehe brachte (Aussteuer) geh√∂rte zum Verm√∂gen, das der Mann verwaltete. Die Gesetzes√§nderungen zu Gunsten der Frauen, ein Meilenstein – m√∂chte man meinen.

Risiko Altersarmut

Frauen haben gute Schulabschl√ľsse, sie studieren, arbeiten, ziehen Kinder gro√ü. Frauen k√§mpfen sich in F√ľhrungspositionen, bekommen Quoten – und immer mehr Frauen verarmen im Alter. Besonders gef√§hrdet sind Frauen aus gescheiterten Ehen, die f√ľr die Familie aus dem Job ausgestiegen sind.

Die Gesetze sind da, sie haben den Frauen den Weg geebnet, Gleichberechtigung wird in Deutschland gro√ü geschrieben. Es liegt mitunter auch an den Frauen, zu handeln. Leider nutzt nicht jede die Chancen, f√ľr die fr√ľhere Frauengenerationen hart gek√§mpft haben. So zeigt eine Studie des Instituts f√ľr Demoskopie Allensbach von 2014 die Erwerbskonstellationen von Mann und Frau nach der Geburt des ersten Kindes. Es entschieden sich:
  • 15 Prozent der befragten Paare f√ľr eine Vollzeit/Vollzeit-Konstellation,
  • 16 Prozent f√ľr eine Vollzeitbesch√§ftigung des Vaters und eine Teilzeitbesch√§ftigung der Mutter (25 bis 34 Wochenstunden),
  • 25 Prozent der Paare f√ľr eine Vollzeitarbeit des Vaters und eine k√ľrzere Teilzeitarbeit der Mutter (15 bis 24 Wochenstunden),
  • 14 Prozent der Paare f√ľr Vollzeit des Vaters und eine stundenweise Besch√§ftigung (unter 15 Wochenstunden) der Mutter und
  • 17 Prozent der Paare f√ľr eine Vollzeitarbeit des Vaters, die Mutter ist nach der Elternzeit nicht berufst√§tig.
Die Freiheit, selber √ľber seine Lebensgestaltung zu entscheiden, ist - ohne Frage - wichtig. Aber es ist auch wichtig weiterzudenken. Verzichtet ein Ehepartner zu Gunsten der Familie auf den Beruf, bedeutet das: weniger Arbeit, geringerer Verdienst und somit kaum eigenes Geld f√ľr Verm√∂gensaufbau und Altersvorsorge. Eine geringere Arbeitszeit bringt weniger Rentenpunkte und sp√§ter eine magere gesetzliche Rente.

Auch in einer - oder gerade in einer guten Ehe sollte finanzielle Gleichberechtigung herrschen. Ehepartner k√∂nnen L√∂sungen finden, damit beide Partner gut abgesichert sind. Zum Beispiel √ľbernimmt der Mann in Familien- und Kinderphase die freiwilligen Zahlungen in die gesetzliche Rente. Oder man er√∂ffnet einen Fondssparplan, in den regelm√§√üig einbezahlt wird. M√∂chte die Frau in Teilzeit arbeiten, um Familie und Job unter einen Hut zu bringen, w√§re es denkbar, dass der Gatte sie zus√§tzlich √ľber eine private Altersvorsorge absichert, um die sp√§tere Rentenl√ľcke zu schlie√üen.
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Ein weiter zu verfolgendes Ziel

2011 erschien der erste Gleichstellungsbericht der Bundesregierung: „…Frauen werden besser ausgebildet als je zuvor, gleichzeitig werden aber starke Anreize gesetzt, dass sie ihre Potenziale im Erwerbssystem nicht ausreichend nutzen. Dies erschwert nicht nur eine eigenst√§ndige Existenzsicherung im Erwerbsalter, sondern auch den Aufbau einer eigenen, armutsfesten Alterssicherung […] Die Kommission empfiehlt daher neben einem Ausbau der Betreuungsangebote f√ľr Kinder, die besonderen Anreize f√ľr geringf√ľgige Arbeit im Arbeits-, Sozial- und Steuerrecht zu beseitigen.“ Gute Vors√§tze f√ľr die Zukunft. Als allerdings sechs Jahre sp√§ter der zweite Gleichstellungsbericht erscheint kann man bereits in der Einf√ľhrung lesen: "Gleichstellung der Geschlechter: ein nicht erreichtes Ziel“.

Die Studie ergibt, dass Frauen in Deutschland bei Altersvorsorge, Verdienst, Rente noch immer benachteiligt sind. Ideen, um den Kurs zu ändern lauten:
  • Einf√ľhrung einer durchg√§ngigen Rentenversicherungspflicht
  • Verbesserung der Anrechnung von Pflegezeiten in der gesetzlichen Rentenversicherung
  • nachsorgender sozialer Ausgleich bei niedrigen Rentenanspr√ľchen
  • Verbesserung des Zugangs von Frauen zur betrieblichen und privaten Alterssicherung

Das Fazit der Kommission: "Trotz der erreichten Fortschritte" auch in Zukunft ein "weiter zu verfolgendes Ziel". Das Tor Gleichberechtigung ist ge√∂ffnet. Es liegt an den Frauen, selbst etwas daraus zu machen. Junge Frauen k√∂nnen die Weichen f√ľr ein finanziell unabh√§ngiges Leben - auch in einer Ehe - stellen.

Rossmann, Rossfrau und der rosa Rasierer

Manche m√∂chten den Weltfrauentag am 8. M√§rz zu einem "Alles-so-sch√∂n-bunt-hier-Tag" machen. Rossmann nennt sich eine Woche lang um in Rossfrau und will so noch mehr Kundinnen in den Drogeriemarkt an die Rosa-Rasierer-Regale locken. Fleurop hofft an die guten Umsatzzahlen des Valentinstages anzuschlie√üen und preist den Weltfrauentag als eine wunderbare Gelegenheit, einer besonderen Frau eine besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Und Douglas hat ein besonderes Zuckerl f√ľr kaufkr√§ftige Kundinnen. Mit dem Rabattcode "Weltfrauentag", bekommen die Damen den praktischen 6-in-1- Nagellack gratis zur Bestellung.

Ob von solchen Angeboten wohl auch fr√ľhere Frauenrechtlerinnen begeistert gewesen w√§ren?

Tipp: Lesen Sie hier, warum Frauen oft die besseren Anleger sind.
 
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