Von Ines Baur, 21.06.2018

Währungsreform Vor 70 Jahren kam die Deutsche Mark

Am 21. Juni 1948 wurde die D-Mark alleiniges gesetzliches Zahlungsmittel in der westlichen Besatzungszone. Ein Rückblick auf die Währungsreform.
Währungsreform Vor 70 Jahren kam die Deutsche Mark

Die ersten D-Mark-Scheine wurden in den USA gedruckt und unter Geheimhaltung als Türknäufe deklariert nach Deutschland verschifft.

1948, drei Jahre nach Kriegsende: Die wirtschaftliche Lage in Deutschland war katastrophal, die Menschen hungerten. Das Warenangebot war in dem zerstörten Land knapp, die wichtigsten Grundnahrungsmittel und Konsumgüter kaum erhältlich. Brot, Kartoffeln, Briketts – alles was man zum Überleben benötigte gab es rationiert gegen Bezugsmarke ausgehändigt.

Wer mehr wollte, musste seinen Bedarf über den Schwarzmarkt decken oder auf Hamsterfahrt gehen. Viele tausend Städter machten sich auf den Weg in die ländlichen Regionen und tauschten ihre verbliebenen Wertsachen wie Schmuck, Uhren, Tafelsilber gegen Kartoffeln, Eier, Milch und Speck. Eine wichtige Währung waren auch Zigaretten. Das Geld hatte seine Funktion verloren.

Währungskonklave bereitete Währungsreform vor

Etwas musste geschehen, das war klar. Es gab viele Verhandlungen. Die Siegermächte USA und Großbritannien schlugen bald im Alliierten Kontrollrat vor, eine neue Währung einzuführen. Jedoch konnte man sich nicht mit der sowjetischen Seite über die Frage einigen, durch wen die neue Währung kontrolliert werden sollte. Letztendlich beschlossen die Amerikaner im Alleingang eine Währungsreform.

Am 21. April 1948 brachte man elf deutsche Experten des Wirtschaftsrats zum ehemaligen Fliegerhorst in Rothwesten bei Kassel. Komplett von der Außenwelt abgeschirmt bereiteten sie im sogenannten Währungskonklave innerhalb von 49 Tagen gemeinsam mit vier Vertretern der Alliierten die Währungsreform für die Westzone des besetzten Deutschlands vor. Das Ergebnis: Das Gesetz zur Neuordnung des Geldwesens.

40 Reichsmark gegen 40 D-Mark

Am 18. Juni 1948 wurde die Währungsreform öffentlich. Via Rundfunk und über Aushänge kündigte man den Geldumtausch an. Und zwei Tage später war es endlich soweit. Vor den Ausgabestellen für Lebensmittelkarten, im Rathaus oder anderen Gemeindebüros bildeten sich meterlange Schlangen. Alle wollten das neue Geld.

Als Sofortausstattung bekamen der Haushaltsvorstand oder ein Alleinstehender 40 D-Mark. Umzutauschen eins zu eins, sprich 40 Reichsmark gegen 40 D-Mark. Wenige Wochen später konnten die Leute noch einmal 20 Reichsmark im Verhältnis eins zu eins tauschen. Das restliche Ersparte wurde dann stark entwertet: 100 Reichsmark entsprachen 6,50 D-Mark.

Ab 21. Juni 1948 war dann die D-Mark schließlich alleiniges gesetzliches Zahlungsmittel in der westlichen Besatzungszone. Die Reichsmark hatte ihre Gültigkeit ein für alle Mal verloren. Doch woher kam das Geld, das die Deutschen bereits zwei Tage nach Ankündigung der Währungsreform erhielten?
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D-Mark kam als Türknäufe getarnt aus den USA

Genaugenommen diskutierten die Experten während der Währungskonklave nicht, ob die Währungsreform stattfinden sollte. Sie legten Modalitäten und Procedere der Umsetzung fest. Denn die Reform stand schon lange fest, wie sich herausstellte. Die eigentliche Geburtsstunde der D-Mark war schon Ende 1947. Geheim, unter dem Tarnnamen "Operation Bird dog", ohne Beteiligung der Deutschen und ohne dem Wissen der Sowjetunion, druckten die Amerikaner das neue Geld in den USA. Design, Stückelung und der Name "Deutsche Mark" waren alles amerikanische Erfindungen. Unter größter Geheimhaltung kam das Geld über den großen Teich.

Ab Februar 1948 verschiffte man in New York insgesamt 23.000 Kisten. Deren Inhalt war als Türknäufe deklariert, Ziel: "Barcelona - via Bremerhaven". Nur im Tarnzielhafen Barcelona kamen die Kisten niemals an. Sie blieben, so war der Plan, in Deutschland. Von Bremerhaven transportierte man – immer noch streng geheim – die Fracht auf Schienen weiter bis Frankfurt am Main und bunkerte sie vorerst im Keller des alten Reichsbankgebäudes in der Taunusanlage. Kurz vor dem Tag X wurden sie auf Lastwagen und Züge verteilt und in die westlichen Besatzungszonen gebracht. Denn in den Kisten befanden sich keine Türklinken, sondern 5,7 Milliarden Mark in Scheinen. Geldscheine, die es bis dato nicht gab. D-Mark, die künftige Währung der Bundesrepublik Deutschland.

Für viele Deutsche war und ist die Währungsreform und die Einführung der D-Mark wichtiges Symbol für Aufschwung, Wohlstand und Wirtschaftswunder. Und bis heute, 17 Jahre nach Einführung des Euro, haben viele Deutsche immer noch einen Pfennig als Talisman im Portemonnaie.

Tipp: Lesen Sie hier, warum viele Milliarden Mark verschwunden sind.
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