Von Björn König, 31.08.2018

Google Pay und Fidor Pay Mit dem Smartphone bezahlen

Bezahlen per Smartphone steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Zwei M√∂glichkeiten hierf√ľr sind Google Pay und Fidor Pay. Ein Praxistest.
Google Pay und Fidor Pay Mit dem Smartphone bezahlen

Den Kaffee ganz einfach mit dem Smartphone bezahlen - verschiedene Apps machen dies bereits möglich.

Nur langsam verbreiten sich in Deutschland mobile Zahlmöglichkeiten. Die Deutschen lieben einfach ihr Bargeld. Daran wird sich wohl auch in naher Zukunft so schnell nichts ändern. Und genau das hat sich wohl auch in Mountain View Рdem kalifornischen Sitz des US-Internetgiganten Google Рherumgesprochen. Während deren mobile Bezahllösung "Google Pay" bereits im September 2015 noch unter dem Namen "Android Pay" in den USA an den Start ging, mussten Smartphone-Nutzer in Deutschland fast drei Jahre länger warten.

Einfach Smartphone vor das Zahlungsterminal halten

Besonders eilig hatten es die Mitbewerber ebenfalls nicht. Die Fidor Bank startete mit ihrer mobilen Eigenentwicklung "Fidor Pay" auch erst in diesem Jahr. Technisch gesehen basieren beide Systeme auf dem "Near Field Communication Standard" (NFC). Dabei wird beim kontaktlosen Zahlen allerdings nicht die Giro- oder Kreditkarte, sondern das Smartphone bis auf wenige Zentimeter vor das Zahlungsterminal gehalten.

Die Bankkarte selbst wird in der App des jeweiligen Zahlungsdienstleisters hinterlegt. Je nach Verwendung des Kartentyps (Mastercard, Visa) sind kontaktlose Transaktionen bis 25 beziehungsweise 50 Euro ohne zusätzliche Eingabe der Pin am Terminal möglich.

Fidor Pay nur f√ľr Fidor-Kunden

Im Prinzip ist "Google Pay" ein offenes System, an dem jede Bank teilnehmen kann. Google selbst agiert hier nicht als Kreditinstitut, sondern wickelt die Zahlung technisch mit der Hausbank des Kunden ab. Das bedeutet zun√§chst einmal, dass die Verf√ľgbarkeit von "Google Pay" deutlich gr√∂√üer als bei "Fidor Pay" ist, welches zumindest aktuell lediglich Kunden der Fidor Bank exklusiv zur Verf√ľgung steht.

Auch bei Google Pay macht nicht jede Bank mit

Seit dem Deutschland-Start k√∂nnen allerdings nur wenige Bankkunden mit Google bezahlen. An Bord sind zun√§chst die Commerzbank, Comdirect, N26, BW-Bank und Wirecard. Laut Auskunft von Google soll in K√ľrze allerdings auch die Smartphone-Bank Revolut dabei sein.
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Datenstand: 15.11.2018
Sämtliche Angaben ohne Gewähr

Kreditkarte nötig

Der erste gro√üe Haken fiel uns sofort am Anfang bei der Einrichtung von "Google Pay" auf. Wir wollten beispielsweise eine Girokarte der Commerzbank hinterlegen. Der Versuch scheiterte jedoch kl√§glich. Grund: Die Commerzbank unterst√ľtzt zwar prinzipiell "Google Pay", allerdings muss der Kunde daf√ľr im Besitz einer Visa- oder Mastercard des Kreditinstituts sein – mit der √ľblicherweise weitere Kosten verbunden sind. Warum Google vor allem die gro√üe Masse an Girocard-Nutzern von dem System aussperrt, erschlie√üt sich uns nicht, zumal Wettbewerber wie die Sparkassen in ihrer Smartphone-Bezahll√∂sung explizit die Girocard unterst√ľtzen. Wichtig: Google Pay unterst√ľtzt alle Android-Smartphones ab der Betriebsversion 5.0 "Lollipop".

Auf die Nutzung der Girocard m√ľssen "Fidor Pay"-Kunden leider auch verzichten. Das hat aber andere Gr√ľnde: Die Fidor Bank bietet n√§mlich schlichtweg keine herk√∂mmliche Girokarte an. Stattdessen erhalten Kunden zum Konto die sogenannte Fidor-Smart-Card, eine Kombination aus Master- und Maestrocard mit NFC-Funktion.

Google Pay und Fidor Pay aktivieren

Die Funktionsweise beider Systeme gleichen sich prinzipiell, Unterschiede zeigten sich vor allem bei der Aktivierung. W√§hrend bei "Google Pay" nach der App-Installation die Eingabe der Kartennummer und des CVC-Codes gen√ľgte, erschien uns die Einrichtung f√ľr Kunden der Fidor-Bank komplizierter. Hier musste zun√§chst die Funktion "Mobile Pay" in der App aktiviert sowie eine vierstellige Pin und Sicherheitsfrage hinterlegt werden. Unser Testger√§t auf Basis von Android 7.0 funktionierte mit beiden Apps problemlos, ein NFC-Chip im Smartphone ist nat√ľrlich Voraussetzung.

Zahlen mit Google Pay und Fidor Pay

Den Praxis-Test f√ľhrten wir schlie√ülich mit zwei verschiedenen Nutzern unter anderem in Filialen von Aldi Nord, Mc Donald's sowie Media Markt in Nordrhein-Westfalen durch. Hier spielte "Google Pay" seine Vorteile aus. Wir hatten den Eindruck, dass die Zahlungen mit "Google Pay" insgesamt fl√ľssiger und schneller als mit "Fidor Pay" abliefen.

Insgesamt wurde deutlich, dass Google seine Zahlungs-App Рwie zu erwarten Рnahtlos in das Android-Betriebssystem integriert hat und die Transaktionen vergleichsweise schnell und einfach abgeschlossen wurden. Gleichwohl muss einschränkend gesagt werden: Dies ist ein sehr individueller und subjektiver Eindruck, der sich möglicherweise bei anderen Geräten und Zahlungsterminals unterscheidet.

Kein Zeitgewinn im Vergleich zur Kartenzahlung

Einen wirklichen Zeitgewinn gegen√ľber der Nutzung einer gew√∂hnlichen Girocard beziehungsweise Kreditkarte gab es aber eindeutig nicht. Wer also mit seiner NFC-Bankkarte zufrieden ist, muss nicht zwangsl√§ufig auf das Smartphone umsteigen.

Wichtig:
Auch l√§ngst nicht alle H√§ndler in Deutschland unterst√ľtzen kontaktlose Zahlungen mit "Google Pay". In der App haben Sie aber die M√∂glichkeit, eine automatische Benachrichtigung zu aktivieren, sobald ein neues Gesch√§ft in Ihrer N√§he den Dienst anbietet.

Es hapert noch an einigen Ecken und Enden. Besonders √§rgerlich ist die mangelhafte Unterst√ľtzung von Girocards bei "Google Pay" und nat√ľrlich die aktuell sehr geringe Zahl an teilnehmenden Banken. Warum man allerdings einer Bankenl√∂sung wie "Fidor Pay" den Vorzug geben sollte, konnte unser Test nicht erkl√§ren. Die Einrichtung gestaltete sich komplizierter und der Funktionsumfang war mindestens identisch. Au√üerdem war in der "Google Pay"-App sogar die Zahlart "Google Play Guthaben" hinterlegt. Wer also einen Gutschein im Handel erwirbt, kann diesen anstelle einer Kreditkarte nutzen.

Tipp: Lesen Sie hier, wo es noch Gratis-Girokonten gibt.
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