Von Michael Schreiber, 06.09.2017

Internethandel Der Fiskus steigert mit

Auf Ebay und Co. erzielte Gewinne sind nicht immer Privatsache. In vielen Fällen fallen Steuern an. Steuerfahnder durchforsten mit einer speziellen Software das Internet.
Internethandel Der Fiskus steigert mit

Die genaue Grenze zwischen privatem und gewerblichem Ebay-Verkäufer ist oft schwierig zu bestimmen.

√úber siebzehn Millionen Bundesb√ľrger nutzen monatlich allein das Portal von Ebay. F√ľr viele ist die abendliche Suche nach Schn√§ppchen im Internet reines Hobby - f√ľr viele aber auch ein willkommenes Zubrot zum Familieneinkommen.

Wer seinen Keller entr√ľmpelt oder die Wohnung eines verstorbenen Angeh√∂rigen aufl√∂st, bleibt beim Online-Verkauf steuerlich unbehelligt, selbst wenn er etliche Teile anbietet oder kurzfristig gr√∂√üere Ums√§tze erzielt. Gelassen zur√ľcklehnen k√∂nnen sich auch Privatsammler von M√ľnzen und Briefmarken, die √ľber das Web nur Einzelst√ľcke versilbern, ihre Sammlung umschichten oder zum Beispiel nach einer Erbschaft die komplette Sammlung zu Geld machen. Sie haben steuerlich nichts zu bef√ľrchten.

Vorsicht bei besonders wertvollen Gegenständen

Ausnahme f√ľr Privatanbieter: Gewinne aus dem Verkauf besonders wertvoller Gegenst√§nde, wie Antiquit√§ten, Goldbarren und -m√ľnzen oder Schmuck m√ľssen in der Einkommensteuererkl√§rung angegeben werden, wenn zwischen Kauf und Verkauf weniger als ein Jahr vergangen ist und der Gewinn √ľbers Jahr mehr als 599,99 Euro betragen hat. Diese Spekulationssteuer greift allerdings nicht f√ľr Gewinne aus dem Verkauf von Gebrauchsgegenst√§nden wie Babykleidung oder Hausrat.

Je professioneller, desto wahrscheinlicher steuerpflichtig

Doch Verk√§ufer sollten vorsichtig sein, wenn sie angesichts des schnell verdienten Geldes vom Jagdfieber gepackt werden und im gro√üen Stil weiterhandeln. Die Anzahl der Auktionen oder die H√∂he der Ums√§tze sind allein nicht entscheidend. Der Fiskus schaut auch darauf, wie konkret und professionell man beim Verkauf vorgeht. Wer einen eigenen Online-Shop aufbaut, Kataloge verteilt und so auf sein Angebot aufmerksam macht, gezielt Waren zum Weiterverkauf beschafft oder mit sammleruntypischen Waren wie Schmuck, Teppichen, Kleidung oder Hausrat handelt, wird in den Augen kritischer Finanzbeamter schnell die Schwelle zum steuerpflichtigen H√§ndler √ľberschreiten.
Wer schon eine eigene Firma hat und das Internet als zusätzlichen Vertriebskanal nutzt, ist von vornherein auch mit seinen Online-Umsätzen steuerpflichtig. Eine genaue Grenze zwischen privaten und gewerblichen Anbietern ist jedoch schwierig zu ziehen und in Streitfällen entscheiden die Zivilgerichte unterschiedlich. Allerdings weisen Merkmale wie mehr als 40 Verkäufe in wenigen Monaten oder der eBay-Status als Power Seller (Mindestumsatz von 1.000 Euro und 100 Transaktionen in zwölf Monaten, mindestens 98 Prozent positive Bewertungen) auf gewerbliche Aktivitäten hin, ebenso intensive Werbeaussagen.

Einige Beispiele:
  • Einem Ebay-Seller wurde seine aggressive Werbung („tonnenweise Hardware“) und 242 Bewertungen von K√§ufern √ľber einen Zeitraum von zwei Jahren zum Verh√§ngnis. Das OLG Hamburg nahm Gewerblichkeit an (Az. 5 W 7/07).
  • Nicht anders erging es einem Anbieter („Verkaufe alles, was im Haushalt nicht mehr n√∂tig ist“ – 154 Bewertungen von K√§ufern) vor dem AG Bad Kissingen (Az. 21 C 185/04).
  • Auch wer Bekleidung als Neuware in verschiedenen Gr√∂√üen anbietet, wird schnell zum gewerblichen H√§ndler (LG Hannover Az. 18 O 115/05).
  • Besonders krass: Im Jahr 2006 stufte das Landgericht Berlin eine Frau als gewerbliche H√§ndler ein, weil sie innerhalb von zwei Monaten 93 Kleidungsst√ľcke ihrer vier Kinder online zum Verkauf angeboten hatte (Az. 103 O 75/06).

Einkommensteuer, Gewerbesteuer, Umsatzsteuer

Gewerbetreibende m√ľssen zun√§chst beim Ordnungsamt ihrer Stadt oder Gemeinde eine Gewerbeanmeldung vornehmen – davon erf√§hrt das √∂rtliche Finanzamt automatisch. Au√üerdem werden sie mit ihren Gewinnen einkommensteuerpflichtig. Wer ausschlie√ülich vom Onlinehandel lebt, muss f√ľr 2017 eine Steuererkl√§rung abgeben, wenn sein Gewinn mehr als 8.820 Euro j√§hrlich betragen hat – f√ľr Ehegatten gilt eine Grenze von 17.640 Euro.
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Sämtliche Angaben ohne Gewähr
Verdient sich ein Arbeitnehmer nach Feierabend etwas dazu, kann er Gewinne bis zu 410 Euro legal steuerfrei einstreichen. Bei höherem Gewinn fallen Steuern an. Zum einkommensteuerpflichtigen Händler wird man allerdings erst, wenn dauerhaft ertragreiche Geschäfte gemacht werden oder sogar Ware zugekauft wird, um sie mit Gewinn zu verkaufen.

Bei Gewinnen ab 24.500 Euro will die √∂rtliche Kommune zus√§tzlich Gewerbesteuer kassieren.¬†Unternehmer k√∂nnen sich diese Steuer allerdings auf die Einkommensteuerschuld anrechnen lassen. Daneben kann Umsatzsteuer anfallen – je nach Art der Ware 7 oder 19 Prozent des Verkaufserl√∂ses. Verschont bleiben allerdings Kleinunternehmer, die mit ihren Bruttoverkaufserl√∂sen im vergangenen Jahr unterhalb der Freigrenze von 17.500 Euro geblieben sind und im laufenden Jahr nicht mehr als 50.000 Euro Umsatz erwirtschaften. Erst dar√ľber m√ľssen sie zahlen.

Tipp: Als gewerblicher Interneth√§ndler sollte man alle An- und Verkaufsbelege aufbewahren. Sind keine Unterlagen vorhanden, kann das Finanzamt Ums√§tze und Gewinne sch√§tzen. Das kann zu einer erheblichen steuerlichen Mehrbelastung f√ľhren.

Die Haftungsfrage

Ob man ein privater oder gewerblicher Verk√§ufer ist, spielt nicht nur f√ľr die Steuerpflicht eine Rolle, sondern auch f√ľr die Haftungsregeln. Als privater Verk√§ufer √ľber Ebay darf man die Haftung f√ľr Sachm√§ngel ausschlie√üen. Gewerbliche Verk√§ufer m√ľssen ihren Kunden dagegen ein Widerrufs- und R√ľckgaberecht einr√§umen. Bei gebrauchten Waren gilt eine Gew√§hrleistung von mindestens zw√∂lf Monaten und bei Neuware von 24 Monaten.

Hat sich ein gewerblicher H√§ndler auf einer Internetplattform als Privatmann angemeldet, kann das einen Wettbewerbsversto√ü bedeuten. Beschweren sich Konkurrenten √ľber den unfairen Auftritt, kann das zu einer Abmahnung f√ľhren, die mit erheblichen Abmahnkosten verbunden sein kann.

Steuerfahnder suchen mit „XPider“ nach Steuers√ľndern

Die Finanzbeh√∂rden interessieren sich verst√§rkt f√ľr Privatleute, Existenzgr√ľnder und etablierte H√§ndler, die die Anonymit√§t des Internets gezielt nutzen, um am Finanzamt vorbei im gro√üen Stil schwarze Kasse zu machen. Mit Hilfe einer virtuellen Suchmaschine namens „XPider“ durchforstet eine spezielle Pr√ľfgruppe des Bundeszentralamtes f√ľr Steuern in Bonn s√§mtliche Verkaufsportale auf der Suche nach unerkannten Steuers√ľndern.

Die Maschine erfasst H√§ndler im Netz und stellt Querverbindungen mit vorhandenen Beh√∂rdendaten her. Wer √ľber l√§ngere Zeit viel verkauft oder gr√∂√üere Posten Neuware anbietet, ger√§t daher schnell ins Visier der Fahnder. Pseudonyme bewahren die Profi-Verk√§ufer nicht vor der Enttarnung. Die Betreiber der Online-Portale m√ľssen die Klarnamen der „Power-Seller“ auf Verlangen der Finanz√§mter offenbaren (Verf√ľgung der OFD M√ľnchen Az. S 0230 – 32 St 313).

Steuerfahnder durchforsten auch Airbnb.de und Kreditportale

Nicht nur die Internetflohmärkte von Ebay, Amazon und Co. stehen im Fadenkreuz der Steuerfahnder. Die Ermittler durchforsten auch andere Portale wie mobile.de, Autoscout24.de und my-hammer.de nach Zeitgenossen, die sich ein Zubrot mit Waren und Dienstleistungen verdienen.

Auch Portale wie smava.de und auxmoney.com, √ľber die sich Privatleute untereinander Kredite gew√§hren, oder Vermietungsportale wie Airbnb.de nehmen die Beamten unter die Lupe. Sie suchen nach Geldanlegern, die ihre Zinsertr√§ge abgeltungssteuerfrei kassieren oder nach privaten Vermietern, die Teile ihrer eigenen Wohnung am Fiskus vorbei lukrativ vermieten und die notwendige Nachversteuerung √ľber die Steuererkl√§rung „vergessen“.
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