Fritz Himmel
Ein Beitrag von Fritz Himmel, 25.09.2018

Erbschaftsteuer 2018 Beim Schenken Steuern sparen

Kluge Erblasser bremsen den Fiskus schon zu Lebzeiten aus und sichern so mehr Vermögen für die Familie. Dabei zählt jedes Jahr.
Ein frühzeitiges Geldgeschenk kann später viel Erbschaftsteuer sparen.

Durch ein frühzeitiges Geldgeschenk lässt sich später viel Erbschaftsteuer sparen.

Eine wichtige Strategie bei Vermögensübertragungen für 2018 lautet: Rechtzeitig die hohen persönlichen Freibeträge beim Schenken nutzen. So dürfen Ehegatten und eingetragene Lebenspartner alle zehn Jahre 500.000 Euro steuerfrei erhalten, Kinder 400.000 Euro und Enkel 200.000 Euro.

Dabei müssen Sie wissen: Kindern stehen dabei die Freibeträge jeweils von Mutter und Vater zu, also insgesamt 800.000 Euro!

Freibeträge bei Schenkungen

Betroffene Personen
 
Steuer-
klasse
Allgemeiner Frei-
betrag
Ehepartner I 500.000
Partner einer eingetragenen Lebenspartnerschaft I 500.000
Kinder, Stief-, Adoptivkinder sowie Enkel, deren Eltern bereits verstorben sind I 400.000
Enkel, deren Eltern noch leben; Urenkel I 200.000
Nur bei Erbschaft: Eltern und Großeltern I 100.000
Geschiedener Ehegatte, Geschwister, Neffe, Nichten, Schwieger-, Stiefeltern, Schwiegerkinder.
Nur bei Schenkung: Eltern / Großeltern
II 20.000
Verlobte, Lebensgefährten sowie alle übrigen III 20.000
Weitere sachliche Freibeträge: Für den Erwerb von Hausrat durch Personen der Steuerklasse I beträgt der sachliche Freibetrag 41.000 Euro und von anderen beweglichen körperlichen Gegenständen, die nicht als Hausrat gelten, 12.000 Euro. Der sachliche Freibetrag für Hausrat und andere bewegliche körperliche Gegenstände beträgt beim Erwerb durch Personen der Steuerklassen II und III 12.000 Euro. Stand 01.01.2018; Quelle: Erbschaftssteuergesetz (ErbStG)

Oft ist es vorteilhafter, über einen Umweg zu schenken als eine Direktschenkung, wenn sich so die Freibeträge steuerlich cleverer nutzen lassen.

Drei Beispielfälle veranschaulichen das:

Schenkungsfall 1: Vater A. will seinem Sohn 750.000 Euro aus seinem Privatvermögen in bar schenken

Würde der Vater dem Sohn die 750.000 Euro auf einen Schlag übertragen, müsste der Sohn abzüglich seines Freibetrages noch für 350.000 Euro Schenkungssteuer zahlen, also 52.500 Euro.

Die Strategie:
Vater A. schenkt zunächst einen Teil der Barschaft steuerfrei seiner Ehefrau, die das Vermögen dann nach Ablauf einer „Schamfrist“ unter Nutzung ihres Freibetrages ebenfalls an den Sohn weitergibt. So erhält der Sprössling die geplante Summe innerhalb der jeweiligen Freibeträge, ohne dass Steuern anfallen.

Schenkungsfall 2: Herr B. will seiner Schwiegertochter 250.000 Euro schenken

Auf direktem Wege wäre in diesem Fall lediglich ein Freibetrag von 20.000 Euro steuerfrei möglich.

Die Strategie:
Zum steueroptimierten Ziel führt der Umweg über seinen verheirateten Sohn. Im ersten Übergang - Elternteil auf eigenes Kind - wird der Freibetrag von 400.000 Euro genutzt. Beim zweiten Übergang - vom Sohn auf seine Ehepartnerin - läge der Freibetrag dann sogar bei 500.000 Euro. Bei direkter Übergabe der 250.000 Euro an die Schwiegertochter wären 46.000 Euro Steuern fällig, über den Umweg nichts.

Steuersätze bei Erbschaften und Schenkungen:
Soviel Steuern zahlen Sie (in Prozent)

Zu versteuernder Wert
(bis Euro)
 
Steuerklasse I Steuerklasse II Steuerklasse III
 75.000  7  15  30
 300.000  11  20  30
 600.000  15  25  30
 6.000.000  19  30  30
 13.000.000  23  35  50
 26.000.000  27  40  50
 darüber  30  43  50
Stand 01.01.2018; Quelle: Erbschaftssteuergesetz (ErbStG)

Schenkungsfall 3: Dieses Steuersparmodell lässt sich sogar in erweiterter Form optimal für Immobilien anwenden

Was vielen nicht bekannt ist: Die Schenkung des selbstbewohnten Familienheims an Ehegatten ist unabhängig vom Wert immer steuerfrei. „Diese Steuerbefreiung besteht immer zusätzlich zu dem persönlichen Freibetrag“, sagt Agnes Fischl, Fachanwältin für Erbrecht und Steuerberaterin der Kanzlei Convocat in München. „Auch die zehnjährige Wohnpflicht, wie beim Vererben eines selbstgenutzten Eigenheims, gibt es hier nicht.“

Kinder können in diesem Fall die Steuerbefreiung dagegen nur beim Erwerb von Todes wegen in Anspruch nehmen. Vater C. möchte nun seinem Sohn die derzeit eigengenutzte Villa mit einem Verkehrs- und Steuerwert von 1,5 Millionen Euro überschreiben. Abzüglich des Freibetrags von 400.000 Euro müsste der Sohn demnach noch 1,1 Millionen zu 19 Prozent versteuern, also 209.000 Euro Steuern zahlen.

Die Strategie:
Vater C. überträgt die Hälfte der Immobilie steuerfrei an seine Ehefrau. Anschließend schenken beide zu gleichen Teilen die Villa an den Sohn. Durch diesen  strategischen Umweg spart die Familie 104.000 Euro, also fast die Hälfte der üblichen Schenkungssteuer.

Tipp: Lesen Sie hier, welche Fallstricke es bei der Immobilie als Altersvorsorge gibt.

Erbschaftssteuer-Rechner

Ob und wie viel Erben zahlen müssen

Schenken richtig gestalten, aber nicht übertreiben

Mein Tipp: Auch wenn es nicht illegal ist, sollten Sie es nicht übertreiben. Ist es zu offensichtlich, dass durch solche „Kettenschenkungen“ nur Steuern gespart werden sollen, unterstellt das Finanzamt dies schon mal als Umgehungsversuch. In diesem Fall wird die Schenkung nur an den Endempfänger besteuert, der steueroptimierte Vorgang über die Mittelsperson bleibt dann unberücksichtigt.

Steuerexpertin Fischl empfiehlt Ihnen daher, dass die Mittelsperson die Geldzuwendung nicht sofort weiterleitet, sondern einige Monate verstreichen lässt und es keinerlei Verpflichtungserklärung für eine Weiterleitung gibt. Gut ist auch, eventuell eine Zinsperiode abzuwarten und selbst die Zinsen für sich zu vereinnahmen. Ein Jahreswechsel bietet sich da gut an. Planen Sie also rechtzeitig noch in diesem Jahr!

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