Von Ines Baur, 14.05.2018

Altersvorsorge Mehr erwerbstätige Frauen, geringerer Rentenbeitrag

Laut einer Studie könnte eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen bis 2050 die Renten-Beitragszahler um 190 Milliarden Euro entlasten. Was Frauen jetzt schon für ihre Rente tun können.
Altersvorsorge Mehr erwerbstätige Frauen, geringerer Rentenbeitrag

Eine unzureichende und teure Kita-Versorgung macht es vielen Frauen schwer, Kind und Erwerbstätigkeit miteinander zu vereinbaren.

Das Rollenmodell "Papa geht arbeiten, Mama kümmert sich um Haushalt und Kinder" erodiert in Deutschland. Immer mehr Frauen haben einen guten Schulabschluss, eine Berufsausbildung oder Studium und damit ordentliche Chancen am Arbeitsmarkt. Mit dem eigenen Job sind sie nicht von der Lohntüte des Gatten abhängig, bekommen mehr Rente und können aus eigener finanzieller Kraft fürs Alter vorsorgen.

Teilzeit-Erwerbstätigkeit erschwert Altersvorsorge

Der Karriereknick von Frauen kommt erfahrungsgemäß mit dem Nachwuchs. Immer noch sind es sehr oft die Mütter, die wegen der Kinderbetreuung beruflich zurückstecken, während die Väter in Vollzeit arbeiten. Diese Konstellation bleibt bestehen, bis die Kinder älter sind und die Mütter in den Job zurückgehen. Nun arbeiten viele Frauen in Teilzeit, um Haushalt und Kinder unter einen Hut zu bekommen. Das geringe Einkommen erhöht zwar das gemeinsame Haushaltsbudget, macht es ihnen aber schwer, für das Alter vorzusorgen. Obwohl Frauen aufgrund der höheren Lebenserwartung ein dickeres Finanzpolster bräuchten als die Männer.

Würden Frauen früher in den Beruf zurück, mit mehr Arbeitsstunden, hätte das viele Auswirkungen. Eine höhere Erwerbsbeteiligung von Müttern würde nicht nur die eigenständige Alterssicherung sondern beeinflussen, sondern auch andere Beitragszahler entlasten. Denn die Erwerbstätigenquote und mehr Arbeitszeit hätten eine Zunahme der Beitragseinnahmen der gesetzlichen Rentenversicherung zur Folge. Das wiederum geht, nach der Logik unseres Rentensystems, mit einem kurz- bis mittelfristig höheren gesetzlichen Rentenniveau einher.

190 Milliarden Euro Entlastung für Beitragszahler

Eine stärkere Erwerbsbeteiligung von Müttern würde die Beitragszahler bis 2050 um insgesamt rund 190 Milliarden Euro entlasten. Der Staat könnte rund 13,5 Milliarden Euro an Steuerzuschüssen sparen, die Rentenansprüche der Frauen um 50 Prozent steigen. Das zumindest zeigt eine Studie des Prognos-Instituts im Auftrag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

„Eine stärkere Einbindung von Frauen in den Arbeitsmarkt leistet einen erheblichen Beitrag zur Stabilisierung der Rentenfinanzen“, sagt Oliver Ehrentraut, Vize-Direktor von Prognos. Weiter könne man den Fachkräftemangel etwas entschärfen und ein stärkeres Wirtschaftswachstum ermöglichen – aufgrund von niedrigeren Beitragssätzen für die Rentenversicherung. „Dadurch haben die Beschäftigten wiederum größere Spielräume für die private Altersvorsorge“, so Ehrentraut.

Geringere Rentenbeiträge und höheres Rentenniveau für alle

Die Experten von Prognos berechnen in der Studie für das Jahr 2050 einen geringeren Beitragssatz – nämlich 23,6 Prozent statt 24,1 Prozent. Doch das Rentenniveau läge mit 41,6 Prozent um 0,7 Punkte höher als es aktuell ist. Voraussetzung für dieses Szenario ist eine Erwerbstätigenquote der Frauen mit Kindern unter 18 Jahren im Jahr 2050 von 85,5 statt wie bisher 66,9 Prozent, bei einer Wochenarbeitszeit von durchschnittlich 29,6 statt 26,3 Stunden.

Wer achtet auf die Kinder, wenn Mama arbeiten geht?

Die Ergebnisse der Prognos-Studie beruhen auf der Annahme, dass die Erwerbsbeteiligung von Müttern künftig stärker ansteigt, als es Trend der vergangenen Jahre war. Bei vielen Frauen scheitert es weder am Willen zu arbeiten, noch an den Jobangeboten. Ein Problem ist, dass es bei der Kinderbetreuung in Deutschland recht mau aussieht.

Gebühren, unflexible Öffnungszeiten und zu wenig Erzieher pro Kita-Gruppe machen zu schaffen – und zwar allen: Eltern, Erzieherinnen und Kindern. Hier soll was passieren – plant die Regierung. Bis 2021 will die Bundesregierung den Ländern 3,5 Milliarden Euro zur Verfügung stellen. Das sogenannte Gute-Kita-Gesetz von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey soll einiges verbessern. So sollen Eltern weniger Gebühren zahlen, die Betreuungsschlüssel verbessert, Erzieher besser qualifiziert und in Kitas Extras wie Sprachförderung angeboten werden.

Deutliche Verbesserung bei der Kinderbetreuung nicht in Sicht

"Die 3,5 Milliarden Euro, die die Bundesregierung in dieser Wahlperiode zur Verfügung stellen will, reichen nicht einmal, um den bundesweiten Mangel an Kita-Plätzen zu beheben. Einen Ausbau der Qualität oder gar einen Einstieg in die Gebührenfreiheit wird es so nicht geben", moniert der kinderpolitische Sprecher der Linksfraktion, Norbert Müller.

Die Koalition plant, die Politiker streiten und die Betroffenen warten auf Ergebnisse. Bis hier etwas passiert, sollten sich Paare absprechen und eigene Möglichkeiten finden, wie sie Alltag, Kinderbetreuung und Job gerecht verteilen. Denn es sollte im Sinne beider Partner sein, dass der jeweils andere finanziell abgesichert ist.

Was können Paare tun?

Damit Frauen und insbesondere Müttern eine gute Altersvorsorge haben, sollten Paare gemeinsam planen. Sie sollten überlegen, wie die Absicherung des Partners im Alter aussieht. Und genauso wie in der aktiven Berufsphase das Einkommen von beiden zum Leben genommen wird, sollte von beiden für später vorgesorgt werden. Befinden sich Frauen durch die Übernahme des Löwenanteils bei der Familienarbeit in einer finanziellen Abhängigkeit vom Partner, wird sich das auch im Rentenalter nicht großartig ändern.

Vater Staat versucht ein bisschen auszugleichen mit der Vergabe der Entgeltpunkte in der gesetzlichen Rentenversicherung für Kindererziehungs-und Berücksichtigungszeiten. Doch nur damit wird keine Frau auch nur annährend an eine ordentliche Rente kommen. Wieviel Rente jemand bekommt, ist einfach abhängig davon, wie viel man im Beruf gearbeitet und eingezahlt hat.

Riestern lohnt sich für Mütter

Nach wie vor nicht uninteressant ist für Angestellte die Riester-Rente. Mit der staatlich bezuschussten Rente können vor allem Mütter ihre Alterseinkünfte um fast 20 Prozent erhöhen, je nach Gehalt. „Die Riester-Rente ist das zentrale Instrument, um die Lücke in der Altersvorsoge von Frauen zu schließen“, sagt GDV-Geschäftsführer Peter Schwark. Die hohen Zulagen für alle nach 2008 geborenen Kinder – aktuell 300 Euro im Jahr – sei besonders für Mütter lukrativ.

Tipp: Lesen Sie hier, wie ein Minijob etwas für die Rente bringt.
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