Von Michael Schreiber, 03.08.2018

Tagesgeld und Festgeld So werden Ihre Ersparnisse bei ausländischen Banken besteuert

Die Zinszeiten sind mau. Wer Tagesgeld oder Festgeld bei ausländischen Banken anlegt, kassiert oft höhere Zinsen als hierzulande. Doch wie ist das mit der Steuer?
Tagesgeld und Festgeld So werden Ihre Ersparnisse bei ausländischen Banken besteuert

Für Ersparnisse bei ausländischen Banken können Abgeltungssteuer und Quellensteuer anfallen.

Mehr als 2,3 Billionen Euro haben deutsche Anleger nach einer Berechnung des Bundesverbandes deutscher Banken als Bargeld oder Einlagen auf Konten und Sparbüchern geparkt. Zinsen gibt es dafür kaum noch. Hinzu kommen noch noch die Inflationsrate oder sogar Minuszinsen und Kontogebühren der Banken. Statt Wertzuwachs drohen Zinssparern sogar reale Verluste.
Höhere Renditen gleich höheres Risiko

Bis zu 2,2 Prozent Festgeld-Zinsen

Wer ein bisschen Rendite für seine Spargroschen erwirtschaften will und die Risiken des Aktienmarktes scheut, schaut deshalb über die Grenzen hinweg und versucht im Ausland sein Glück. Der Geldsparen-Festgeld-Vergleich zeigt: Bis zu 2,2 Prozent Rendite gibt es hier fürs Geld, allerdings nur bei einer Laufzeit von zehn Jahren.
Gesamten Vergleich anzeigenFestgeld Betrag: 10.000 €, Laufzeit: 24 Monate
  Anbieter Zinssatz
Zinsertrag
Zinsertrag
S&P-
Länderrating 
 
1.
1,25%
251,56
AAA
höchste Sicherheit
2.
1,25%
251,56
BBB-
gute Sicherheit
3.
1,11%
223,23
AA
hohe Sicherheit
maxGesTab=
Datenstand: 17.10.2018
Sämtliche Angaben ohne Gewähr
Verbraucherschützer raten trotz der lukrativen Angebote zur Vorsicht. Denn es gibt bisher keine einheitliche oder gar gemeinsame Einlagensicherung innerhalb der EU. Jedes Land hat seinen eigenen gesetzlichen Schutzschirm für Sparer. Meist sind 100.000 Euro pro Anleger abgesichert – darüber hinausgehende Anlagesummen sind im Falle einer Bankpleite in Gefahr.

Tipp: Verteilen Sie Ihre Ersparnisse auf verschiedene Banken und Länder. Legen Sie nie mehr an, als über den gesetzlichen Einlagenschutz abgesichert ist. Orientierung bietet Ihnen unser Festgeld-Vergleich. Denn hier finden Sie neben der Zinshöhe auch Informationen zur Einlagensicherung sowie ein Rating der Ratingagentur Standard & Poor's zum jeweiligen Land.

Wer in Deutschland wohnt, muss in Deutschland auch Steuern zahlen

Auch steuerlich müssen Sie bei der Geldanlage im Ausland einiges beachten. Haben Sie in der Bundesrepublik einen Wohnsitz, sind Sie mit Ihrem gesamten rund um den Globus verdienten Welteinkommen auch hier steuerpflichtig – egal ob es sich dabei um einen Haupt- oder Nebenwohnsitz handelt. Sparzinsen unterliegen als Einkünfte aus Kapitalvermögen der Abgeltungsteuer von 25 Prozent plus Solidarzuschlag. Für Kirchenmitglieder erhöht sich die Steuerbelastung noch um die Kirchensteuer.

Steuerfrei bleiben pro Single-Anleger und Jahr nur Zinserträge in Höhe eines Sparerpauschbetrages von 801 Euro. Verheiratete können 1.602 Euro steuerfrei einstreichen. Dieses steuerfreie Volumen können Sie bereits unterjährig nutzen, in dem Sie Ihrer heimischen Bank auf einem speziellen Formular einen Freistellungsauftrag erteilen.

Tipp: Wer sein Freistellungsvolumen optimal nutzen möchte, wählt Anlagen mit jährlicher Zinsauszahlung. Steuerlich nachteilig können dagegen mehrjährige Angebote sein, bei denen der gesamte Zinsertrag erst am Ende der Laufzeit in einer Summe ausgezahlt wird. Denn in den Jahren ohne Zinsertrag wird der Sparerpauschbetrag ungenutzt verschenkt – im Jahr der Zinsauszahlung ist der Ertrag vielleicht so hoch, dass der Sparerpauschbetrag überschritten wird. Die Folge sind unnötige Steuern. Bei mehreren Bankverbindungen kann man das Freistellungsvolumen auch aufteilen.

Doch Vorsicht: Inländische Banken melden die erteilten Freistellungsaufträge seit Jahren automatisch an das Finanzamt. Wer ein größeres Freistellungsvolumen verteilt, als ihm zusteht, fliegt also recht schnell auf.

Mit einer "Günstigerprüfung" Steuern sparen

Für inländische Zinserträge übernimmt die Bank den Steuerabzug direkt am Tag der Zinsauszahlung. Sie berechnet die fällige Steuer und behält die Abgaben ein. Der Sparer erhält am Jahresende eine entsprechende Steuerbescheinigung. Für Geringverdiener kann es sich lohnen, über die Einkommensteuererklärung (Anlage KAP/Zeile 4) eine sogenannte Günstigerprüfung durchführen zu lassen. Das Finanzamt berechnet dann im Steuerbescheid automatisch, ob Anleger eine Rückerstattung der Abgeltungsteuer erhalten können.

Besonders lohnt sich das für Rentner, denn sie erhalten im Steuerbescheid mit dem Altersentlastungsbetrag einen weiteren Freibetrag, den die Bank übers Jahr nicht berücksichtigen darf. Direkte Zinsanlagen aus dem Ausland müssen in der jährlichen Steuererklärung über das Steuerformular Anlage KAP nachgemeldet werden. Das Finanzamt berechnet dann die fällige Abgeltungsteuer nach.

Tipp: Lesen Sie hier, worauf Rentner bei ihrer Steuererklärung achten sollten.

Zinserträge im Ausland niemals verschweigen

Verschweigen sollten Sie Ihre im Ausland erwirtschafteten Erträge auf keinen Fall, denn es drohen Strafen wegen Steuerhinterziehung. Seit 2017 informieren sich hundert Staaten rund um den Globus auch gegenseitig über die Zinserträge ausländischer Sparer. Die deutschen Finanzämter sind also bestens im Bilde und können fehlende Angaben in der Steuererklärung schnell ausfindig machen.

Wann ausländische Banken Quellensteuer einbehalten

Viele ausländische Staaten berechnen auf Zinszahlungen an auswärtige Anleger eine eigene Abgabe – die sogenannte Quellensteuer. Ein Freistellungsauftrag kann den Abzug dieser Steuer nur verhindern, wenn die kontoführende Bank in Deutschland eine Niederlassung hat.

Anleger müssen schon bei der Auswahl des Anlagelandes aufpassen, dass sie nicht unnötig hohe Steuern zahlen – das drückt die ohnehin schon schmale Rendite.
Bis zu 15 Prozent ausländische Quellensteuern rechnet die Bundesrepublik Deutschland auf die im Inland fällige 25-prozentige Abgeltungsteuer an – der Anleger zahlt also in Deutschland nur noch die fehlenden zehn Prozent. Es kann deshalb sinnvoll sein, Anlageländer zu meiden, die höhere Quellensteuern auf Zinsen fordern.

Bei Verwaltung im Inland berücksichtigt die Depotbank automatisch die Quellensteuerverrechnung. Bei Direktanlagen im Ausland muss man einbehaltene Quellensteuern über die eigene Steuererklärung geltend machen.

Tipp:
Mit Hilfe einer Ansässigkeitsbescheinigung können Zinssparer aus Deutschland in manchen Ländern den Quellensteuerabzug ganz vermeiden oder etwas reduzieren. Onlineportale wie etwa unser Kooperationspartner Zinspilot helfen dabei, indem sie die entsprechenden Formulare elektronisch zur Verfügung stellen.
 Land
 
  
Quellensteuer auf Zinsen (Prozent)
 Mit Ansässigkeitsbescheinigung  Ohne Ansässigkeitsbescheinigung
   Quellensteuer vollständig vermeidbar
 Belgien  0  30
 Irland  0  20
 Kroatien  0  40
 Rumänien  0  16
 Slowakei  0  19
 Tschechien  0  15
     
   
Quellensteuer nicht vollständig vermeidbar
 Bulgarien  5  10
 Lettland  10  20
 Litauen  10  15
 Polen  5  20
 Portugal  15  28
   Quelle: Bundeszentralamt für Steuern, Stand 1. Juli 2018
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