Von Michael Schreiber, 24.08.2018

Kredit von Privat zu Privat Wie Sie Zinsgewinne bei Privatkrediten versteuern mĂŒssen

Kreditportale bringen private Kreditgeber und Schuldner zusammen und können ansehnliche Zinsgewinne bescheren. Steuerlich gilt es dabei aber einiges zu beachten.
Kredit von Privat zu Privat Wie Sie Zinsgewinne bei Privatkrediten versteuern mĂŒssen

Wer sich ĂŒber einen stolzen Zinsgewinn aus einem Privatkredit freuen kann, muss diesen allerdings auch versteuern.

Die Idee stammt aus Amerika: Private Kreditnehmer und Kreditgeber finden ĂŒber das Internet zusammen. Fachleute nennen das "Peer-to-Peer-Lending" – oder "P2P". Da sich viele Geldgeber zusammentun, um einen Kredit auszureichen, spricht man auch vom sogenannten Crowdlending. Die Kreditportale prĂŒfen die BonitĂ€t des Schuldners, ermitteln einen Zinssatz fĂŒr den Kredit und vermitteln die Kreditvergabe durch private Anleger.

FĂŒr die eigentliche Abwicklung des KreditgeschĂ€fts bedienen sich die Internetplattformen jeweils einer zwischengeschalteten Bank. LĂ€uft alles reibungslos, erhalten Anleger ihren Privatkredit auf Heller und Pfennig plus Zinsen zurĂŒck.

Kredit auch mit schlechter BonitÀt

Bekannte Kreditportale sind Auxmoney, Smava, Viainvest oder Mintos. Sie bieten Schuldnern auch mit schlechter BonitĂ€t die Chance auf einen schnellen Kredit. Private Investoren, die diese Kredite mit ihren eigenen Anlagesummen ab 25 Euro aufwĂ€rts ermöglichen, nutzen die Online-MarktplĂ€tze als lukrative Möglichkeit, in der anhaltenden Niedrigzinsphase fĂŒr ihre Ersparnisse das Optimale herauszuholen.

Tipp: Lesen Sie hier NĂ€heres zur Funktionsweise, Chancen und Risiken der P2P-Kredite.

Anleger mĂŒssen P2P-Gewinne selbst versteuern

Anders als bei Geldanlagen ĂŒber eine regulĂ€re Bank hat der Anleger bei Investments ĂŒber Online-Kreditportale selbst fĂŒr eine nachtrĂ€gliche Versteuerung seiner ErtrĂ€ge zu sorgen. Die Zinsen aus Online-Privatkrediten unterliegen beim Kreditgeber nĂ€mlich als KapitalertrĂ€ge der Abgeltungsteuer von 25 Prozent plus SolidaritĂ€tszuschlag. FĂŒr Kirchenmitglieder erhöht sich die Steuerbelastung noch um die Kirchensteuer.
Gesamten Vergleich anzeigenFestgeld Betrag: 10.000 €, Laufzeit: 24 Monate
  Anbieter Zinssatz
Zinsertrag
Zinsertrag
Einlagen-
sicherung
 
1.
1,21%
 243,46
100% Frankreich
2.
1,20%
241,44
100% Rumänien
3.
1,15%
 231,32
100% Deutschland
maxGesTab=
Datenstand: 26.03.2019
Sämtliche Angaben ohne Gewähr
Der Onlinevermittler hĂ€lt sich komplett aus der Versteuerung raus – Anleger erhalten von ihm lediglich eine Bescheinigung ĂŒber die verdienten Zinsen. Diese ErtrĂ€ge muss jeder Sparer in seiner jĂ€hrlichen EinkommensteuererklĂ€rung ĂŒber das Formular Anlage KAP (Zeile 14) nachtrĂ€glich beim Finanzamt deklarieren. Das berechnet die fĂ€lligen Steuern dann ĂŒber den Steuerbescheid nach.

Allerdings kassiert das Finanzamt nicht ab dem ersten verdienten Euro voll ab. Single-Sparer können jĂ€hrlich einen steuerfreien Sparerpauschbetrag von 801 Euro geltend machen. Verheiratete streichen 1.602 Euro Zinsen steuerfrei ein. Den Freibetrag berĂŒcksichtigt das Finanzamt erst bei der Abrechnung im Steuerbescheid automatisch. Voraussetzung ist allerdings, dass das steuerfreie Volumen nicht bereits durch andere Geldanlagen bei Banken, Bausparkassen oder Fondsgesellschaften ausgeschöpft wurde.

Tipp: Lesen Sie hier, was passiert, wenn der Freistellungsauftrag nicht stimmt.

Mit dem Pauschbetrag sind auch alle Kosten der Geldanlage abgegolten – die GebĂŒhren der Kreditvermittlungsportale (bei Auxmoney zum Beispiel einmalig ein Prozent der Anlagesumme, bei Smava 1,35 Prozent) dĂŒrfen deshalb nicht als steuersparende Werbungskosten abgezogen werden. Steuerpflichtig bleiben die vereinnahmten Bruttozinsen.

Keine P2P-Gewinne verschweigen

Verschweigen sollte man seine ZinsertrĂ€ge in der SteuererklĂ€rung nicht. Das Entdeckungsrisiko ist hoch, weil Steuerfahnder die Online-Kreditbörsen regelmĂ€ĂŸig ins Fadenkreuz nehmen. Sie suchen nach Geldanlegern, die ihre ZinsertrĂ€ge abgeltungsteuerfrei kassieren und die notwendige Nachversteuerung ĂŒber die SteuererklĂ€rung "vergessen". Die Portale sind verpflichtet, auf Nachfragen der Fahnder die IdentitĂ€t, Anlagesummen und erzielten ZinsertrĂ€ge einzelner Sparer zu offenbaren.

Wer hier bei Kontrollen nachtrĂ€glich auffliegt, riskiert eine Strafe wegen Steuerhinterziehung. Die dem Fiskus vorenthaltenen Steuern mĂŒssen ohnehin nachentrichtet werden – im schlimmsten Fall bis zu zehn Jahre rĂŒckwirkend und plus sechs Prozent Zinsen.

Verluste steuerlich geltend machen

Die Kreditportale checken mit einem ausgeklĂŒgelten System fĂŒr Anleger, ob Privatschuldner ĂŒber eine ausreichende BonitĂ€t verfĂŒgen. Eine Garantie, dass GlĂ€ubiger ihren Einsatz hundertprozentig zurĂŒckbekommen, geben sie allerdings nicht ab. Auxmoney zum Beispiel nennt eine Kreditausfallrate von vier Prozent. Die gute Nachricht, wenn es schlechte Nachrichten von der Geldanlagefront gibt: Verluste aus privat gewĂ€hrten Darlehen können jetzt endlich steuerlich geltend gemacht werden, wenn man das verliehene Geld definitiv nicht zurĂŒckerhĂ€lt.

Das hat der Bundesfinanzhof (BFH) mit Urteil vom 24. Oktober 2017 entschieden (Aktenzeichen VIII R 13/15) und sich eindeutig gegen die bisher von den FinanzĂ€mtern gelebte Verwaltungspraxis gestellt. In dem Urteilsfall ging es zwar "nur" um ein unter Privatleuten direkt vergebenes, mit fĂŒnf Prozent zu verzinsendes Darlehen in Höhe von rund 20.000 Euro, das der Schuldner am Ende nicht zurĂŒckzahlen konnte.

Das Urteil betrifft jedoch auch Anleger, die ĂŒber die Onlineportale Geld verliehen haben oder die sich auf riskante Geldanlagen mit Mittelstandsanleihen, Zertifikaten und Anbietern von Schneeballsystemen eingelassen haben und erhebliche Verluste ihrer eingezahlten Gelder verbuchen mussten.

Verluste auf spÀtere Jahre vortragen

Verluste der Kreditsumme kann man allerdings nur mit anderen KapitaleinkĂŒnften wie Zinseinnahmen, Dividenden und realisierten Kursgewinnen aus dem Verkauf von Aktien und Fondsanteilen verrechnen. Das spart Abgeltungsteuer. Reichen die erzielten KapitaleinkĂŒnfte nicht aus, um eine vollstĂ€ndige Verrechnung der ausgefallenen Kreditsumme zu ermöglichen, trĂ€gt man den ĂŒbersteigenden Verlustbetrag einfach in die nĂ€chsten Jahre vor – das macht das Finanzamt im Steuerbescheid automatisch.

Der Verlust mindert dann die KapitalertrĂ€ge spĂ€terer Jahre. Eine Verrechnung mit anderen steuerpflichtigen EinkĂŒnften zum Beispiel aus einem Gewerbebetrieb oder Vermietung ist gesetzlich nicht möglich. Ein offizielles Statement der Behörden zu der neuen Rechtslage steht immer noch aus – man berĂ€t intern immer noch, wie man mit dem teuren Richterspruch umgehen möchte (Kurzinformation der OFD Nordrhein-Westfallen vom 23. Januar 2018).

Tipp: Lesen Sie hier, wie Sie mit ETFs Monat fĂŒr Monat ein kleines Vermögen aufbauen können.
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