Von Peter Rensch, 14.02.2018

Direktinvestment Container statt Sparbuch?

Beim Direktinvestment werden Sie Eigentümer oder Miteigentümer beispielsweise von Containern, Immobilien oder Nutztieren. Wie das funktioniert und was Sie dabei beachten müssen.
Direktinvestment Container statt Sparbuch?

Containerhafen in Barcelona. Wer ein Direktinvestment in Container wagt, schickt sein Geld auf große Reise.

Direktinvestment bedeutet, Geld in Sachwerte zu investieren. Das heißt: Sie erwerben das Eigentum oder Miteigentum an einem Gegenstand. Per Kaufvertrag mit dem Anbieter und ohne Umweg über ein Wertpapier.

Die Angebotspalette der Investmentgüter ist groß. Von Immobilien, Güterwagons, Photovoltaikanlagen bis zu Zügen, Kakaopflanzen, Anteilen an Wasserkraftwerken oder Nutztieren. Jedoch empfiehlt es sich, in Kategorien zu investieren, bei denen die Marktentwicklung überschaubar ist. Darüber hinaus sollten Sie über entsprechende Kenntnisse verfügen, um die Risiken einschätzen zu können, was Thomas Soltau, Vorstandsvorsitzender der wallstreet:online capital AG wie folgt erläutert:
„Bei Direktinvestments kann zunächst der Anlagegegenstand selbst beschädigt oder verloren gehen. Denken Sie etwa an Seecontainer, die unter Umständen ramponiert werden oder sogar von Bord gehen können. Bei Bauminvestments etwa können Unwetter, Schädlinge oder Krankheiten den Bestand dezimieren oder sogar ganz zunichte machen. Anleger sollten daher den Vertrag genau studieren, zum Teil sichern die Anbieter solche Risiken ab und somit werden solche Risiken minimiert.“

Was wird beim Direktinvestment alles angeboten?

Container sind nach wie vor der Klassiker in diesem Segment. „Es gibt eine Handvoll spezialisierter und international vernetzter Containermanager, die regelmäßig solche Angebote konzipieren. Dabei ist die Containerproduktion recht flexibel. Werden aufgrund eines erhöhten Warenumschlags kurzfristig mehr Transportkapazitäten benötigt, werden mehr Container in Umlauf geschickt“, erklärt Thomas Soltau.

Ebenfalls beliebt sind sogenannte Wechselkoffer, die auf LKWs oder auf der Schiene von Logistikunternehmen zum Warentransport eingesetzt werden. Das Prinzip ist identisch mit einem Container-Direktinvestment.

Zunehmend haben sich auch ausländische Investmentmöglichkeiten durchgesetzt, wie etwa die Anlage in Parzellen auf Kakaoplantagen oder Beständen von Rinderherden.
Bedingt durch den Anlagegegenstand ist die Vertragslaufzeit oft länger. Bei einem Baum-Investment muss das Holz erst wachsen, bis es Erträge abwirft.

Wie funktioniert Direktinvestment?

Viele Anbieter von Direktinvestment tummeln sich im Internet und veröffentlichen dort ihre Angebote, die Sie auf der jeweiligen Produktseite ordern und beantragen können. Liegt der Investmentfirma der von Ihnen unterschriebene Vertrag vor, erhalten Sie alle wichtigen Dokumente zur Zahlungsabwicklung. Haben Sie bezahlt, bekommen Sie Ihr Eigentümerzertifikat ausgehändigt.

Beispiel Container Investments: Bei dieser Sachwertanlage erwerben Sie per Kaufvertrag von einem jeweiligen Anbieter neue oder gebrauchte Container, die für eine Laufzeit von zwei bis sieben Jahren je nach Vertrag vermietet oder verleast werden. Im Anschluss daran erhalten Sie die vertraglich zugesicherten Mietzahlungen. Neben dem Kaufvertrag schließen Sie einen Dienstleistungsvertrag ab, der dafür sorgt, dass notwendige Wartungsarbeiten durchgeführt werden. Am Ende der Laufzeit kauft der Anbieter die Sache von Ihnen zurück.
Gesamten Vergleich anzeigenFestgeld Betrag: 10.000 €, Laufzeit: 24 Monate
  Anbieter Zinssatz
Zinsertrag
Zinsertrag
Einlagen-
sicherung
 
1.
1,25%
251,56
100% Schweden
2.
1,20%
241,44
100% Rumänien
3.
1,15%
231,32
100% Deutschland
maxGesTab=
Datenstand: 16.11.2018
Sämtliche Angaben ohne Gewähr
Zusammenfassend erklärt Thomas Soltau: „Direktinvestments unterscheiden sich von klassischen Fondsprodukten dadurch, dass hier keine Papierwerte in Form von Fondsanteilen oder mittelbarem Eigentum etwa via einer GmbH erworben werden, sondern der Anleger erwirbt tatsächlich einen physischen Sachwert wie Container, Wechselkoffer oder eben Baumbestände bzw. Setzlinge. Investoren schätzen an diesem Anlagesystem vor allem, dass man sich über Direktinvestment ein eigenes Sachwertportfolio zusammenstellen kann. Denn eine breite Streuung – etwa über verschiedene Anbieter, Anlagegegenstände oder auch Währungen – sollte man auch hier nicht vernachlässigen. Und im Gegensatz zu Sachwertbeteiligungen im Fondsmantel sind Direktinvestments kostenseitig günstiger aufgestellt, da viele externe Kontrollmechanismen nicht vorgeschrieben sind. Die Weichkosten liegen je nach Produkt in der Regel zwischen fünf und zehn Prozent“.

Welche Erlöse fließen mir zu?

Die Miet-, Pacht- oder Ernteerlöse werden Ihnen nach vertraglicher Vereinbarung monatlich oder quartalsweise gut geschrieben. Nach Abzug der Verwaltungskosten. Hierbei sollten Sie beachten, dass es sich bei dieser Anlageform um risikobehaftete Investitionen handelt, denn Ernteausfall oder Preisschwankungen können die Erträge dezimieren und im Extremfall zu einem Totalverlust führen.

Risiko Totalverlust

Dazu erklärt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg: „Wir raten davon ab, Geld in Form von außerbörslichen Direktinvestments zum Vermögensaufbau anzulegen. Der Wert solcher Beteiligungen wird einseitig bei Emission durch den Anbieter festgelegt und entzieht sich damit einem Wertermittlungsprozess, wie er an einem geregelten Markt durch Angebot und Nachfrage stattfindet. Damit bleibt für Anleger unklar, ob das Totalverlustrisiko, das sie mit der Geldanlage eingehen, auch durch entsprechende Ertragschancen angemessen kompensiert wird.“

Ähnlich äußert sich auch Jürgen Kurz, Pressesprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW): „Grundsätzlich ist zu sagen, dass die DSW Privatanlegern eher von Investitionen am sogenannten Grauen Markt abrät. Hier werden zwar in der Regel hohe Renditen versprochen und sicher in vielen Fällen auch gezahlt. Diese sind aber oft durch schwer kalkulierbare Risiken und horrende Abschlusskosten gekennzeichnet. Zudem existiert in vielen Fällen kein funktionierender Zweitmarkt, so dass Anleger ihre Anteile vor Ende der vereinbarten Laufzeit nicht wieder loswerden. Auch ist nicht allen Investoren klar, dass sie bei vielen solcher Investitionen nicht nur eine Geldanlage getätigt haben, sondern (in der ein oder anderen Form) Mitgesellschafter werden.“

Wie kann ich die gekauften Gegenstände wieder veräußern?

Das kann komplex werden, da es keine Börsenplätze gibt, wie zum Beispiel für Aktien, um die Direktinvestments zu verkaufen und ein Zweitmarkt ist noch nicht etabliert. In der Regel sichert Ihnen Ihr Vertragspartner nach Ende der vereinbarten Laufzeit einen Rückkauf zu. Jedoch ist hierbei davon auszugehen, dass dieser Preis von der Marktentwicklung abhängig ist und nicht immer im Voraus garantiert werden kann.

Verkaufsprospekt genau studieren

Jürgen Kurz weist auf eine Änderung hin, die seit 2017 in Kraft getreten ist: „Immerhin ist die Bonitätsbeurteilung nun etwas einfacher. Seit Anfang 2017 müssen Gesellschaften, die mit solchen Geschäftsmodellen an den Markt kommen, einen Verkaufsprospekt vorlegen, in dem Zahlen zur Unternehmenssituation zu finden sein sollten. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) überprüft, ob die Prospekte verständlich und widerspruchsfrei sind und ob sie alle vorgeschriebenen Angaben enthalten, zum Beispiel zu Kosten und Risiken sowie Rechten und Pflichten der Anleger. Die Seriosität des Anbieters oder die Tragfähigkeit des Geschäftsmodells prüft sie aber nicht.“

Für wen ist Direktinvestment geeignet?

Nur für Anleger, die über Branchenkenntnisse verfügen und auf eine langfristige Anlage fixiert sind. Dies bestätigt auch eine Sprecherin der comdirect: „Grundsätzlich gilt bei dieser Art der Direktinvestments, dass sie nur für sehr erfahrene und risikobewusste Anleger geeignet sind.“

Und Jürgen Kurz vom DSW empfiehlt abschließend: „Insofern setzt eine Investition, egal ob nun in Schiffscontainer oder Kakaopflanzen, sehr gute Marktkenntnisse voraus, da nur so eine seriöse Risikoeinschätzung möglich ist. Zudem sollte man vor einer Unterschrift die finanzielle Situation des Vertragspartners genau unter die Lupe nehmen. Schließlich hat ein Investor im Krisenfall nur wenig davon, dass ihm zwar ein Schiffscontainer gehört, der leer im einem chinesischen Hafen steht, sein Vertragspartner, der den Container gemietet hat, aber wegen Insolvenz weder weitere Zahlungen (Mieten und Restwert) leisten kann, noch für die notwendige logistische Abwicklung zur Verfügung steht.“

Wenn Sie sich also für solch ein Investment entscheiden, sollten Sie sich dem Risiko bewusst sein und über entsprechende Marktkenntnisse verfügen. Ohne notwendiges Hintergrundwissen drohen Ihnen womöglich hohe Verluste bis hin zum Totalausfall Ihres eingesetzten Kapitals.

Tipp: Ihnen sind indirekte Investments doch lieber? Lesen Sie hier, wie Sie die Kosten für Fondsanlagen klein halten können.
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Leserkommentare

 

14.02.2018 18:42 Uhr
Manfred Dröge: Container-Direktinvestment
Dabei sollte nicht verschwiegen werden, dass auch Container-Anbieter konkurs gehen können, wie letztens MAGELLAN, übrigens auch von wallstreet-Soltau vertrieben.


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