Von Peter Rensch, 25.07.2018

Erbschaft Wertgegenstände aufteilen ohne Streit

Wenn ein Erblasser in seinem Testament zu Wertgegenständen keine Regelungen getroffen hat, kann es kompliziert werden. Tipps, wie Sie Erbschaftsstreit vermeiden.
Erbschaft Wertgegenstände aufteilen ohne Streit

Bei einer Erbschaft kann es kompliziert werden, Wertgegenstände fair aufzuteilen.

Die beste, vorausschauende Methode eines Erblassers zum Vermeiden späterer Erbstreitigkeiten ist es, ein Testament zu verfassen. Darin hält er fest, wer mit welcher Quote erbberechtigt ist. Dann bestimmt er gegebenenfalls, ob einzelne Gegenstände den Erben zugewiesen werden. Handelt es sich um mehrere Erben, gehen die einzeln zugewiesenen Gegenstände in die Erbengemeinschaft über.

Der Erblasser kann auch gleich einen Alleinerben bestimmen und weiteren Personen einzelne Gegenstände per Vermächtnis zuweisen. Möglich sind aber auch Quoten am Nachlass, real oder wertmäßig.

Wichtig: Im Testament sollte stehen, ob beispielsweise der zugedachte Schmuck auf die Erbquote angerechnet werden soll (Teilungsanordnung) oder nicht (Vorausvermächtnis).

Martin Wahlers, Fachanwalt für Erbrecht und Mediator bei der Kanzlei Dingeldein-Rechtsanwälte rät Erben: „Verteilen Sie den Nachlass unter sich erst, wenn Sie sicher sind, dass dieser nicht überschuldet ist. Sobald Sie mit der Erbauseinandersetzung auch nur teilweise begonnen haben, haften Sie auch persönlich für die Schulden. Ansonsten ist wichtig, dass Sie und Ihre Miterben sich darüber einig sind, ob und wie die verteilten Gegenstände bei der Erbauseinandersetzung berücksichtigt werden. Wenn es Ihnen dabei auf den genauen Wert ankommen, können Hausrats- oder Schmuckgutachten für Klarheit sorgen.“

Vermögensgegenstände genau zuteilen

Um Streit zu vermeiden, wer welche Gegenstände aus dem Nachlass erhält, empfiehlt Jan Bittler, Rechtsanwalt für Erbrecht und Geschäftsführer der Deutschen Vereinigung für Erbrecht und Vermögensnachfolge e.V., die Vermögensgegenstände einzelnen Personen genau zuzuteilen. „Möchte ich bei Kindern darauf achten, dass zum Schluss alle wertmäßig gleich behandelt werden, kann ich noch ergänzend anordnen, dass alle Wertgegenstände zuvor durch einen Gutachter zu schätzen sind und eine etwaige Wertdifferenz dann nach Vorgabe des Gutachtens auszugleichen ist.“

Da das Gesetz nur Quoten für die Erbteile vorgibt, müssen die Gegenstände beim Erbstreit bewertet werden. Ein Erbe muss dann gegebenenfalls finanzielle Ausgleichszahlungen leisten. Allerdings ist dies nur dann möglich, wenn es nicht im Testament ausgeschlossen wurde. Hat der Erblasser im Testament verfügt, dass beispielsweise der Sohn die Uhren bekommt und die Tochter den Hausstand, kann dies kompliziert werden. Denn im Zuge der Erbengemeinschaft kann ein Erbe einen finanziellen Ausgleich verlangen, wenn er sich benachteiligt fühlt.

Erbschaft gütlich untereinander aufteilen

Um Erbstreitigkeiten zu vermeiden, können die Mitglieder der Erbengemeinschaft untereinander die Aufteilung klären. Wenn Einigung erzielt wurde, wer welche Gegenstände haben möchte, wird ein Teilungsplan aufgestellt, den alle Erben einvernehmlich unterschreiben. Wertgegenstände, die übrig bleiben, kann die Erbengemeinschaft veräußern.

Wichtig:
Die Verteilung sollte erst dann erfolgen, wenn alle Verbindlichkeiten beglichen sind, die der Erblasser hinterlassen hat oder infolge der Nachlassregelung entstehen.
Kommt es zu keiner Einigung, ist eine Zwangsveräußerung unumgänglich.

Dazu empfiehlt Paul Grötsch, Fachanwalt für Erbrecht in München bei der Kanzlei Groll, Groß und Steiner und Geschäftsführer des Deutschen Forums für Erbrecht: „Wollen mehrere Erben untereinander die Sachgegenstände verteilen, sollte zunächst in einem gemeinsamen Termin versucht werden, die Gegenstände zu verteilen. Kommt es zu verschiedenen Vorstellungen hinsichtlich der Werte, kann ein Sachverständiger beauftragt werden. Vorab sollten die Erben vereinbaren, wer dessen Kosten trägt (die Erben entsprechend der Erbquoten) und dass das Ergebnis des Sachverständigen für alle bindend ist. Möchten mehrere Erben denselben Gegenstand erhalten, kann ein Losverfahren vereinbart werden.“

Bei Nichteinigung Wertgegenstände verkaufen

Das Erbrecht schreibt vor, dass bei Nichteinigung die Wertgegenstände verkauft und der Erlös gemäß des Erbanteils unter den Erben aufzuteilen ist. In diesem Fall geht nicht nur Familienbesitz in dritte Hände über, sondern unter Umständen werden die Nachlassgegenstände unter Wert veräußert.

Dazu nochmal Martin Wahlers: „Ohne Einigung kann der Nachlass nicht auseinandergesetzt werden. Sollten Sie die Auseinandersetzung betreiben, können Sie gerichtlich erzwingen, dass werthaltiger Nachlass versilbert wird. Im Nachlass befindliche Immobilien können Sie durch Teilungsversteigerungsverfahren zu Geld machen. Wenn die Nachlassverbindlichkeiten beglichen und der Nachlass versilbert ist, können Sie durch eine Erbteilungsklage vor Gericht die Teilung des Nachlasses erzwingen. Das alles ist teuer und die Klage sehr riskant. Einigen Sie sich besser!“

Erbschaftsteuer-Rechner

Ob und wie viel Erben zahlen müssen
Paul Grötsch empfiehlt bei einer Nichteinigung ein Mediationsverfahren: „Ein erfahrener Mediator unterstützt die Erben dann bei der Lösungsfindung. Scheitert auch dies, kann jeder Erbe eine Erteilungsklage erheben.“

Wahlverfahren: "Der eine teilt, der andere wählt"

Besser ist es, wenn der Erblasser im Testament ein Wahlverfahren oder Rundumwahlverfahren festhält. Die Formulierung "Der eine teilt, der andere wählt" besagt, dass ein Erbe die Wertgegenstände in so viele „Pakete“ aufteilt wie Erben vorhanden sind. Die übrigen haben dann das Recht, eines der „Pakete“ auszuwählen. Derjenige, der aufteilt, wird darauf achten, möglichst fair zuzuordnen. Ideal ist das Wahlverfahren, wenn nur zwei Erben – beispielsweise die Kinder – vorhanden sind.

Beim Rundumverfahren wird festgeschrieben, nach welcher Reihenfolge die Erben jeweils einen Wertgegenstand aus dem Nachlass wählen können. Beispielsweise könnte das älteste Kind als erster wählen, dann die nachfolgenden. Sobald jeder gewählt hat und noch weitere Gegenstände im Topf sind, beginnt das Prozedere von Vorne.

Verrechnung von Schenkungen mit dem Erbanteil

Eine Sonderregelung sieht das Erbrecht vor, wenn der Erblasser zu Lebzeiten Geschenke gemacht hat. Dann ist zu prüfen, inwieweit diese Geschenke im Erbfall verrechnet werden. Aber, so Jan Bittler: „Eine Verrechnung findet nur dann statt, wenn:
  1. der Erblasser dies bei Zuwendung des Geschenks ausdrücklich angeordnet hat, dass eine Anrechnung oder Ausgleichung im Erbfall zu erfolgen hat.
     
  2. es sich bei der Zuwendung um eine sogenannte Ausstattung handelt, also eine Zuwendung im Sinne von § 1624 BGB ist. Dies sind all diejenigen Geschenke, die zur Begründung einer eigenen Lebensstellung des Kindes dienen.“

Hat ein Erblasser etwas verschenkt, so steht den pflichtteilsberechtigten Kinder, aber auch dem pflichtteilsberechtigten Ehegatten bzw. eingetragenen Lebenspartner, unter Umständen ein sogenannter Pflichtteilsergänzungsanspruch zu. Wegen dieser Schenkung erhalten die Kinder dann ihre Pflichtteilsquote vom Beschenkten, wenn der Nachlass ansonsten wertlos ist. Allerdings gilt, dass sich der Pflichtteilsergänzungsanspruch für jedes volle Jahr zwischen Schenkung und Erbfall um zehn Prozent verringert.

Abschließend fasst Paul Grötsch zusammen: „Grundsätzlich kann jeder Erblasser zu Lebzeiten mit seinem Vermögen machen, was er will, es insbesondere auch verschenken. Im Erbfall spielen Schenkungen nur ausnahmsweise eine Rolle. So haben die Erben bei Erbverträgen oder gemeinschaftlichen Testamenten unter Umständen das Recht, vom Beschenkten die Herausgabe des Geschenks zu verlangen. Außerdem können sich lebzeitige Schenkungen auf Pflichtteilsansprüche auswirken. Dies hängt aber unter anderem vom Zeitpunkt und den Umständen der Schenkung, wer beschenkt wurde und, wenn die Erben selbst pflichtteilsberechtig sind, vom Wert des Restnachlasses ab.“

Erben kann zu einem komplizierten und mühseligen Unterfangen werden, vor allem dann, wenn die Vermögensgegenstände in eine Erbengemeinschaft einfließen. Erblasser können eventuelle Streitigkeiten am besten vorbeugen, wenn Sie testamentarisch alles klar und fair regeln.
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