Von Peter Rensch, 15.03.2018

Nachlass Erben - nicht ohne Risiko

Eine Erbschaft bedeutet nicht immer nur, dass Sie Geld erhalten. Der Nachlass kann auch mit Risiken verbunden sein. Rechte und Pflichten von Erben.
Nachlass Erben - nicht ohne Risiko

Sobald Erben eine Erbschaft annehmen, haften sie mit ihrem Privatvermögen für mögliche Schulden.

In Deutschland werden Jahr für Jahr stattliche Summen vererbt: Bis zu 400 Milliarden Euro sollen es laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) jährlich sein. Jede Erbschaft ist jedoch mit Chancen und Risiken verbunden. Deshalb sollten Sie sich gründlich informieren. Denn sobald Sie die Rechtsnachfolge des Erblassers antreten, haften Sie grundsätzlich auch für die Forderungen Dritter gegen den Verstorbenen.

Übrigens: Erben kann sogar ein noch ungeborenes Baby. Bis zur Geburt vertreten es seine Eltern bei der Nutznießung der Erbschaft.

Gibt es ein gültiges Testament?

Verstirbt ein möglicher Erblasser, muss geprüft werden, ob er ein wirksames Testament hinterlassen hat. "Jeder, der nach dem Erbfall ein Original-Testament in Händen hat, muss dieses unverzüglich dem zuständigen Nachlassgericht zuleiten. Der Verstoß hiergegen ist als Urkundenunterdrückung strafbar", erklärt Anton Steiner, Präsident vom Deutschen Forum für Erbrecht.

Für die Gültigkeit eines privatschriftlichen Testaments ist Folgendes wichtig: Vom ersten bis zum letzten Wort muss es handgeschrieben sein. Nur die Unterschrift unter einem ausgedruckten Text reicht nicht aus. Zudem sollte das Dokument als "Testament" oder "Letzter Wille" betitelt werden. Plus Angaben zum Erblasser, den Erben, Ort, Datum und die Unterschrift mit Vor- und Familienname.

Wann man ein Testament anfechten kann

Da das Testament ein letzter Wille ist, kann der Erblasser willkürlich entscheiden, wen er als Nutznießer und Erbberechtigten einsetzt oder ausschließt. Allerdings haben Familienangehörige aus dem engeren Kreis die Möglichkeit, ihren gesetzlichen Pflichtteil einzufordern, was Paragraf 2303 im BGB regelt. Die Höhe des Zahlungsanspruchs beläuft sich auf die Hälfte des gesetzlichen Erbteils.

Anton Steiner erläutert, wann eine Anfechtung des Testaments möglich ist: "Die Anfechtung eines Testaments stellt in der juristischen Praxis einen Ausnahmefall dar. Möglich ist dies, wenn Sie als Erbbegünstigter einen wesentlichen Irrtum des Erblassers nachweisen können, der beispielsweise durch falsche Informationen Dritter zustande kam. Hierzu ein Beispiel: Eine Verwandte berichtet dem Erblasser von einem Fehlverhalten eines Erben, was zu einem Erbausschluss geführt hat. Wenn Sie als Erbe nachweisen können, dass hier ein Irrtum zu Grunde liegt, haben Sie die Möglichkeit, das Testament anzufechten. In diesem Falle müssen Sie beim Nachlassgericht schriftlich mit einer umfassenden Begründung eine Anfechtungserklärung einreichen. Und zwar innerhalb eines Jahres nach Kenntnis des Anfechtungsgrundes."

Wenn der Erblasser überschuldet war

Wenn Sie Begünstigter einer testamentarisch geregelten Erbschaft sind, eröffnet in der Regel der Rechtspfleger beim Nachlassgericht das Testament und sendet Ihnen sowie allen Erbberechtigten Abschriften zu. Eine Einladung zur Testamentseröffnung ist heutzutage der Ausnahmefall.

Doch hier ist Vorsicht geboten, denn nicht immer bringt eine Erbschaft wirtschaftliche Vorteile mit sich. Sobald Sie die Erbschaft annehmen, haften Sie mit Ihrem Privatvermögen für mögliche Schulden. Ferner sind Sie verpflichtet, bei einer Überschuldung ein sogenanntes Nachlassinsolvenzverfahren einzuleiten.

Wichtig: Sobald Sie eine Erbschaft angenommen haben, können Sie von dieser Willenserklärung nicht mehr zurücktreten. Verschaffen Sie sich daher einen möglichst umfangreichen Überblick über die Vermögensverhältnisse des Erblassers. Prüfen Sie Kontoauszüge, abgeschlossene Verträge und sonstige Verpflichtungen. Bei einer Überschuldung sollten Sie die Erbschaft ausschlagen.

"Stellt sich die Überschuldung des Erblassers heraus, kann die Erbschaft gegenüber dem Nachlassgericht ausgeschlagen werden. Frist: Sechs Wochen ab dem Tod des Erblassers. Hat dieser eine letztwillige Verfügung hinterlassen, beginnt die Sechs-Wochen-Frist mit der Eröffnung der Verfügung durch das Nachlassgericht. Erfährt der Erbe von der Überschuldung erst nach Ablauf der Sechs-Wochen-Frist, kann er die Annahme der Erbschaft anfechten. Dann hat er mit der Erbschaft nichts mehr zu tun. Umgekehrt: Wer im Glauben, der Nachlass sei überschuldet, die Erbschaft ausgeschlagen hat, kann, wenn plötzlich zum Beispiel ein üppiges Schweizer Konto auftaucht, die Ausschlagung anfechten. Er wird dann wieder Erbe", fasst Experte Steiner zusammen.

Erbschaftsteuer-Rechner

Ob und wie viel Erben zahlen müssen
"Die Hauptgründe für die Ausschlagung eines Testaments sind eine Überschuldung des Erblassers und steuerliche Aspekte. Wenn ein Erbe in einem hohen Lebensalter ein Vermögen zugesprochen bekommt, kann es sinnvoll sein, es auszuschlagen, wenn er Erbschaftsteuer zahlen muss. Bei seinem Ableben müssten dann unter Umständen die Erben erneut eine Summe an das Finanzamt zahlen. Es werden also dann zwei Erbgänge besteuert", ergänzt Steiner.

Erbschein regelt die Erbberechtigung

Der Erbschein wird auf Anfrage vom Nachlassgericht erstellt und regelt die Erbberechtigung. Mit dieser Urkunde haben Sie die Möglichkeit, als Rechtsnachfolger die Geschäfte des Erblassers durchzuführen. Sie können Konten auflösen, Wertgegenstände veräußern und Kredite ablösen.

Kompliziert wird es, wenn mehrere Erben begünstigt sind und eine Erbengemeinschaft vorliegt. In diesem Falle können die Erben nur gemeinsam agieren.

Tipp: Lesen Sie hier, wie Sie als Mitglied einer Erbengemeinschaft im Streitfall schneller an Ihre Geld kommen.

Wann Erbschaftssteuer anfällt

Wie viel Erbschaftssteuer Sie zahlen müssen, richtet sich nach dem Erbschaftswert sowie dem Verwandtschaftsgrad zum Erblasser. In Deutschland genießt der Ehepartner des Erblassers einen Freibeitrag von 500.000 Euro sowie einen Versorgungsfreibetrag von 256.000 Euro. Kinder haben einen Freibetrag von 400.000 Euro und einen Versorgungsbetrag von bis zu 52.000 Euro, der abhängig ist vom Alter des Erben. Die Erbschaft muss innerhalb von drei Monaten dem Finanzamt gemeldet werden und Sie als Erbe erhalten anschließend die Aufforderung zur Zahlung der Erbschaftssteuer.
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