Von Michael Schreiber, 27.04.2018

Steuererklärung 2017 Wann, wer und wie

Der Countdown für die Steuererklärung 2017 läuft. Wer wann abgeben muss und wie Sie eine möglichst große Rückzahlung rausholen.
Steuererklärung 2017 Wann, wer und wie

Spaß macht das Ausfüllen der Steuerformulare den meisten Steuerzahlern nicht, doch oftmals lohnt es sich.

31. Mai, 31. Juli, 31. Dezember - wann muss die Steuererklärung 2017 beim Finanzamt sein?

Wenn Sie zur Abgabe der Steuererklärung verpflichtet sind und noch nicht angefangen haben, sollten Sie sich beeilen – oder eine Verlängerung beantragen. Grundsätzlich müssen Sie die Steuererklärung nämlich bis zum 31. Mai abgeben. Wer seine Steuererklärung für 2017 hingegen freiwillig einreicht, hat dafür noch bis zum 31. Dezember 2021 Zeit.

Gute Nachrichten für alle Spät-Ausfüller: Ab kommendem Jahr können Sie sich für die Abgabe zwei Monate länger Zeit lassen, Stichtag ist ab der Steuererklärung 2018 der 31. Juli. Im Ausnahmefall verlängern die Finanzämter die Abgabefrist bis zum 30. September. Übernimmt ein Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein das Ausfüllen der Formulare für Sie, haben Sie automatisch bis zum 31. Dezember Zeit.

Durchschnittlich 935 Euro Steuererstattung

Wer die Steuererklärung verschwitzt oder auf die lange Bank schiebt, verschenkt möglicherweise viel Geld. Denn nach Angaben des Statistischen Bundesamtes erstatten die Finanzämter im Durchschnitt 935 Euro Steuern an Otto-Normalbürger zurück – das macht bei einem angenommenen Zeitaufwand von vier Stunden einen Stundenlohn von 234 Euro. Vergleichen Sie das mal mit ihrer aktuellen Gehaltsabrechnung. Und für viele Steuerzahler ist sogar noch mehr drin – auch wegen neuer steuerzahlerfreundlicher Urteile der Finanzgerichte.

Wann muss ich eine Steuererklärung abgeben?

Wenn Sie als Arbeitnehmer 2017 nur bei einem Arbeitgeber beschäftigt waren und keinerlei Nebeneinkünfte oder Lohnersatzleistungen (Elterngeld & Co.) erhielten, sind Sie zum Ausfüllen der Steuerformulare nicht verpflichtet. Doch wenn Sie zum Beispiel Kirchensteuer gezahlt haben, hohe Werbungskosten geltend machen können oder nur einige Monate gearbeitet haben oder sich Ihr Familienstand etwa durch Hochzeit verändert hat, lohnt sich die Mühe, die Formulare auszufüllen.
Haben Sie als Arbeitnehmer neben Ihrem üblichen Gehalt noch Nebeneinkünfte oder Lohnersatzleistungen von mehr als 410 Euro eingestrichen? Dann haben Sie keine Wahl und müssen die Formulare ausfüllen, per Papier oder über die elektronische Steuererklärung Elster. Gleiches gilt, wenn Sie im vergangenen Jahr mehrere Jobs mit Steuerklasse VI hatten. Oder wenn beide Ehepartner mit der Steuerklassenkombination III/V oder IV/IV mit Faktor gearbeitet haben. Auch wenn Sie sich einen Freibetrag auf der Lohnsteuerkarte haben eintragen lassen, ist die Steuererklärung verpflichtend.

Tipp: Bei der Steuererklärung für 2017 müssen zum ersten Mal keine Belege mehr eingereicht werden. Nur auf Anforderung der Beamten sollte man sie vorlegen können.

Mit Elster kommt die Erstattung schneller

Sie buchen Reisen online, kaufen online ein – dann sollten Sie nicht zögern, auch die Steuererklärung online zu machen. Vorteil: Der Steuerbescheid kommt schneller. Die elektronisch erledigte Einkommensteuerklärung liegt voll im Trend: Nach Informationen des Bayerischen Landesamtes für Steuern reichten 2017 bereits 27 Millionen Bürger ihre Steuererklärung über Elster online ein. Die Finanzverwaltung hält im Internet unter www.elsteronline.de eine kostenlose Steuersoftware für jedermann parat. Sie müssen sich für den Service online registrieren und sich – in der kostenlosen Variante – eine Zertifikatsdatei herunterladen.

So sparen Sie mit Werbungskosten Steuern

Arbeitnehmer können sämtliche Jobkosten als Werbungskosten über das Steuerformular Anlage N abrechnen. Vorab gewährt das Finanzamt für das gesamte Jahr einen Pauschbetrag von 1.000 Euro. Hat man höhere Kosten, lohnt sich das Ausfüllen des Formulars.

Für Arbeitnehmer bringt der tägliche Weg zur Arbeit die meiste Steuerersparnis. Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel rechnen ihre tatsächlichen Fahrtkosten ab. Für alle anderen gibt es die Pendlerpauschale (Zeilen 31-38).

Bei Beschäftigten mit einer Fünf-Tage-Woche akzeptieren die Beamten bis zu 220 Arbeitstage, bei einer Sechs-Tage-Woche bis zu 260 Tage. Für jeden Arbeitstag gibt es 0,30 Euro je Entfernungskilometer. So schaffen Sie bereits bei 220 Arbeitstagen und einem Arbeitsweg von 16 Kilometern leicht den Sprung über den Pauschbetrag. Übrigens dürfen Sie sogar als Mitfahrer einer Fahrgemeinschaft in Ihrer Steuererklärung die Pendlerpauschale ansetzen.

Tipp: Leiharbeiter können nach einem Urteil des Finanzgerichts Niedersachsen (Az. 9 K 130/16) die tatsächlich gefahrenen Kilometer abrechnen. Noch nicht abschließend geklärt ist, ob Schichtarbeiter die Pendlerpauschale pro Arbeitstag abrechnen dürfen oder ob das Finanzamt den Betrag halbieren darf. Dazu ist ein Musterprozess vor dem Bundesfinanzhof anhängig (Az. VI R 342/17).

Für Fachbücher, Büromöbel oder den beruflich genutzten Laptop akzeptieren die Finanzämter ohne Belege 110 Euro pauschal (Zeilen 41/42). Für Kontoführungsgebühren gibt es ohne Nachweis 16 Euro (Zeile 46).

Sind Sie aus beruflichen Gründen umgezogen und hat sich dadurch der tägliche Arbeitsweg um mehr als eine Stunde verkürzt? Dann können Sie als Lediger eine Umzugskostenpauschale von 764 Euro abrechnen, Verheiratete tragen den doppelten Betrag ein (Zeilen 45-48). Für Kinder oder andere Familienangehörige gibt es zusätzlich 337 Euro.

Tipp: Private Umzugskosten gehören als haushaltsnahe Dienstleistung in Zeile 72 des Mantelbogens.

Wer am auswärtigen Beschäftigungsort eine Zweitwohnung unterhält, kann dafür Kosten bis zu 1.000 Euro monatlich als "doppelte Haushaltsführung" abrechnen (Zeilen 61-87). Darunter fallen Ausgaben für Miete, Einrichtung sowie Familienheimfahrten.

So sparen Sie mit Sonderausgaben Steuern

Private Ausgaben hat doch jeder – an manchen beteiligt sich sogar das Finanzamt. Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen gehören in den Mantelbogen der Steuerformulare. Die vom Arbeitgeber bescheinigte Kirchensteuer trägt man in Zeile 42 ein. Auch Spenden und Mitgliedsbeiträge an mildtätige oder gemeinnützige Organisationen oder politische Parteien honoriert der Fiskus mit einer Steuerrückzahlung (Zeile 45-48).

Haben Sie im vergangenen Jahr Ausgaben für Krankheit, Pflege oder Kur, Zahnersatz, Hörgerät oder eine neue Brille aus eigener Tasche getragen, vermerken Sie die Kosten in Zeile 67. Nach Abzug einer Selbstbeteiligung rechnet das Finanzamt im Steuerbescheid automatisch aus, ob Sie darauf eine Steuerrückzahlung erhalten. Menschen mit Behinderung erhalten einen speziellen Steuerfreibetrag, wenn sie die Zeilen 61-64 ausfüllen.

Viel Geld bringen auch Handwerkerrechnungen, Schornsteinfegerkosten oder haushaltsnahe Dienstleistungen (zum Beispiel Ausgaben für eine Putzfrau, einen Gärtner, Schneeräumdienst, Altenpfleger) in den eigenen vier Wänden (Zeilen 71-73). Bis zu 1.200 Euro Steuerrabatt zahlt das Finanzamt für Arbeitskosten ohne Material zurück, wenn die Rechnungen überwiesen wurden. So kann man das Finanzamt auch am Aus- oder Umbau der eigenen vier Wände oder dem Neubau eines Carports beteiligen.

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Vorsorgeaufwendungen von der Steuer absetzen

Beiträge für Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung müssen über die Anlage Vorsorgeaufwand geltend gemacht werden. Das bringt meist noch den einen oder anderen Steuer-Euro Rückzahlung zusätzlich – gerade für Ruheständler, die aufgrund ihrer Rentenbezüge eine Steuererklärung abgeben müssen. Kosten für private Haftpflicht- und Lebensversicherung trägt man in die Zeilen 50 und 51 ein. An Sachversicherungen wie Hausrat- oder Rechtsschutzversicherung beteiligt sich das Finanzamt allerdings nicht.

Tipp: Lesen Sie hier, welche neuen Steuerregeln seit 2018 für Fonds gelten.
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