Von Oliver Mest und Sabina Hoerder, 05.09.2018

Nachwuchs Wie viel Elterngeld Familien bekommen können

Das Elterngeld hilft vielen Familien – aber oft sind die Rahmenbedingungen unklar. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zur Berechnung des Elterngelds.
Elterngeld Fakten für Eltern

Für die Berechnung des Elterngeldes zählt das Einkommen in den letzten zwölf Monaten vor der Geburt des Kindes.

Wie viel Elterngeld gibt es?

Das Elterngeld beträgt zwischen 65 und 100 Prozent des wegfallenden Nettolohns, höchstens 1.800 Euro, mindestens jedoch 300 Euro. Maßgeblich ist dabei der Nettolohn in den zwölf Monaten vor der Geburt des Kindes.

Wer weniger als 1.000 Euro verdient, erhält mehr Elterngeld: Für je zwei Euro, um die Ihr Einkommen unter der Grenze von 1.000 Euro liegt, erhöht sich der Prozentsatz von 67 Prozent um 0,1 Prozentpunkte – auf bis zu 100 Prozent.

Vereinfachtes Beispiel: Ihr Nettolohn beträgt 900 Euro. Das sind 50 mal zwei Euro weniger als 1.000 Euro. Damit erhöht sich der Prozentsatz um fünf Prozentpunkte auf von 67 auf 72 Prozent. Das Elterngeld beträgt somit 648 Euro (72 Prozent von 900 Euro).

Wichtig: Der von der Elterngeldstelle berechnete Elterngeld-Netto-Lohn und der auf Ihrer Gehaltsabrechnung zu findende Netto-Lohn sind nicht identisch. Die Elterngeldstelle zieht vom Bruttolohn Pauschalen für Sozialabgaben, Steuern und Werbungskosten ab.

Bei einem Nettoeinkommen zwischen 1.000 und 1.200 Euro beträgt das Elterngeld 67 Prozent des Nettolohns.

Bei einem Einkommen von 1.200 Euro und mehr sinkt der Prozentsatz von 67 auf bis zu 65 Prozent, sodass maximal 2.769,23 Euro Einkommen bei der Berechnung des Elterngeldes berücksichtigt werden. Auch hier ändert sich der Prozentsatz von 67 auf 65 Prozent wieder jeweils pro zwei Euro um 0,1 Prozentpunkt.

Was gilt bei Zwillingen und mehreren kleinen Kindern?

Bei Mehrlingsgeburten erhalten Eltern einen Mehrlingszuschlag von 300 Euro für jedes weitere Kind. Für Familien mit mehreren kleinen Kindern im Haushalt gibt es den Geschwisterbonus. Er beträgt zehn Prozent des Elterngeldes - mindestens 75 Euro. 

Wie lange gibt es Elterngeld?

Das Elterngeld wird vom Tag der Geburt des Kindes an monatlich gewährt – und zwar für das erste Lebensjahr. Das Mutterschaftsgeld wird dabei mit angerechnet. Der Zeitraum kann sich um zwei weitere Monate verlängern, wenn auch der andere Elternteil die Betreuung übernimmt oder Sie alleinerziehend für Ihr Kind in der Pflicht sind.

Tipp: Wer das Elterngeld Plus nutzt und schon während der Elternzeit wieder in Teilzeit arbeitet, kann den Anspruch weiter verlängern. Näheres hierzu lesen Sie weiter unten.

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Was bringt ein Wechsel der Steuerklasse für den Elterngeldanspruch?

Richtig gemacht, kann ein Wechsel der Steuerklasse das Elterngeld deutlich erhöhen - zum Beispiel wenn Sie von der Steuerklasse IV in die Steuerklasse III wechseln. Voraussetzung für die Anerkennung einer günstigeren Steuerklasse mit höherem Nettoeinkommen ist aber, dass die entsprechende Steuerklasse spätestens sieben Kalendermonate vor dem Beginn des Mutterschutzes beim Finanzamt beantragt wurde.

Anders als früher ist somit ein rechtzeitiger Wechsel bei bereits bestehender Schwangerschaft kaum mehr möglich. Um die knappe Frist nicht zu versäumen, sollten bereits Eltern mit einem Kinderwunsch die Steuerklasse frühzeitig wechseln – dadurch zu viel einbehaltene Steuern bekommen Sie über die Steuererklärung zurückgezahlt, das höhere Elterngeld dürfen sie aber behalten.

Ist das Elterngeld steuerfrei?

Das Elterngeld ist grundsätzlich steuerfrei, wird aber dennoch indirekt besteuert. Der Hintergrund: Elterngeld wird in den Progressionsvorbehalt einbezogen und erhöht damit den Steuersatz auf das restliche Einkommen im Jahr des Elterngeldbezuges. Dafür wird der Steuersatz berechnet, den Sie zahlen müssten, wenn das Elterngeld tatsächlich steuerpflichtig wäre. Und dieser höhere Steuersatz wird dann auf Ihr tatsächliches Einkommen ohne Elterngeld angewendet.

Was ist Elterngeld Plus?

Wer bereits während der Elternzeit wieder in Teilzeit arbeiten möchte, kann Elterngeld Plus beantragen. Hierbei wird das Elterngeld gewissermaßen gestreckt. Der Anspruchszeitraum kann sich verdoppeln bei maximal halber Höhe. Aus einem Elterngeld-Monat können Eltern so zwei Elterngeld-Plus-Monate machen. Vier zusätzliche Elterngeld-Plus-Monate erhalten Eltern als Partnerschaftsbonus, wenn sie in dieser Zeit beide zwischen 25 und 30 Stunden arbeiten. Es ist auch möglich, Elterngeld und Elterngeld Plus flexibel zu kombinieren.

Tipp: Lesen Sie hier, welche staatlichen Förderungen es für Eltern gibt.
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