Max Geißler
Ein Beitrag von Max Geißler, 19.09.2018

Wohnbauförderung Familien sollen sich leichter Wohneigentum leisten können

Seit dem 18. September 2018 können Familien Baukindergeld beantragen. Es soll mehr Familien Wohneigentum ermöglichen. Allerdings ist es umstritten. Welche weiteren Fördermittel gibt es?
Wohnbauförderung Familien sollen sich leichter Wohneigentum leisten können

Ein Eigenheim ganz nach den eigenen Wünschen zu gestalten - das wünschen sich viele Familien. Förderprogramme sollen den Kauf von Wohneigentum erleichtern.

Die Wohneigentumsquote in Deutschland ist vergleichsweise gering. In den meisten Nachbarländern wohnen weit mehr Menschen in den eigenen vier Wänden. Um das zu ändern, zahlte die Bundesregierung früher die sogenannte Eigenheimzulage – gebracht hat sie allerdings wenig. Inzwischen sind Immobilien derart teuer, dass sich insbesondere in den Großstädten Familien nur noch mit Mühe ein Haus oder eine Eigentumswohnung leisten können. Dabei wäre mehr Wohneigentum wünschenswert. Schließlich führt selbstgenutztes Wohneigentum zu höheren Sparquoten, zu verbesserter Altersvorsorge und zu mehr Wohnsicherheit.

Für Reiner Braun vom Berliner Forschungsinstitut Empirica sollte eine höhere Eigentumsquote aber kein Selbstzweck sein. „Wichtiger wäre zunächst eine fiskalische Gleichbehandlung: Weder sollte der Bau von Mietwohnungen stärker gefördert noch der Erwerb von Eigentum behindert werden“, fordert Braun. Doch von diesem Grundsatz seien wir in Deutschland weit entfernt. „Man denke nur an Umwandlungsverbote in Eigentumswohnungen oder an den steuerlichen Sofortabzug von Erhaltungsaufwand für Vermieter“, so der Wohnexperte.

Das Baukindergeld führt zu Mitnahmeeffekten

Der Erwerb von Wohneigentum geht häufig Hand in Hand mit der Familiengründung. Insofern ist es verständlich, dass die Bundesregierung die Eigentumsförderung an die Zahl der Kinder knüpft. Hier setzt das neue Baukindergeld an. Familien, die Wohneigentum erwerben, erhalten rückwirkend zum 1. Januar 2018 1.200 Euro pro Jahr und Kind für einen Zeitraum von maximal zehn Jahren. Die Einkommensgrenze für das Baukindergeld liegt bei einem zu versteuernden Einkommen von 75.000 Euro zuzüglich 15.000 Euro je Kind. Eine Familie mit zwei Kindern darf also maximal 105.000 Euro pro Jahr verdienen, um Anspruch auf das Baukindergeld zu haben. Das Nettohaushaltseinkommen beträgt in dem Beispiel ungefähr 5.200 Euro pro Monat. Im gesamten Förderzeitraum kann die Familie für zwei Kinder maximal 24.000 Euro zusätzlich vom Staat erhalten.

Die Förderung nach der schieren Kinderzahl (auch in Verbindung mit Einkommensgrenzen) sehen Experten allerdings kritisch. Sie bemängeln vor allem Mitnahmeeffekte. „Nicht jede Familie hat wenig Eigenkapital – man denke nur an die zunehmende Zahl der Erben“, moniert Immobilienkenner Braun. Zudem haben es auch kinderlose Paare oder Singles derzeit schwer am Wohnungsmarkt. Warum wird denen nicht geholfen? Außerdem wäre es sinnvoll, alle Zuzugsanreize in die übervollen Städte abzuschaffen und die Ursachen der Landflucht zu bekämpfen. Brauns Vorschlag: Eine Bleibeprämie für Bestandserwerber in ländlichen Regionen.

Zuschüsse statt Steuervorteile

Baulandpreise, Einkommen und Eigenkapital sind regional sehr unterschiedlich. In München kostet eine neue Eigentumswohnung 7.000 bis 8.000 Euro pro Quadratmeter – dafür bekommt man in Kaiserslautern oder Bielefeld das Dreifache an Wohnraum. Deswegen müsste eine effiziente Förderung regional differenzieren, so Braun. Steuervorteile seien dazu aber der falsche Weg. „Nur Zuschüsse gewähren eine progressionsunabhängige Förderung von einkommens- und eigenkapitalbedingten Schwellenhaushalten“, erklärt der Empirica-Chef.

Welche Maßnahmen steigern die Wohneigentumsquote effektiv?

Bis 1996 lag der Steuersatz für die Grunderwerbsteuer in Deutschland bei zwei Prozent. In den Niederlanden ist das heute noch so. Die Senkung der Grunderwerbsteuer wäre ein effektiver Weg zu mehr Wohneigentum. „Solange die Steuersätze in Deutschland bis zu 6,5 Prozent betragen, ist es schlicht grotesk, über ein vergleichsweise geringes Baukindergeld von der linken in die rechte Tasche umzuverteilen“, kritisiert der Bauexperte. Vielmehr müsste schnell neues Bauland bereitgestellt, zügig Baugenehmigungen erteilt und Bürgerproteste durch obligatorische und frühzeitige Einbeziehung minimiert werden.

Kirchen und Kommunen unterstützen Familien

Neben dem Staat unterstützen Kommunen und Kirchen Familien mit Eigenheimwunsch. Baugeld vom Bürgermeister gibt es vor allem in Form von Zuschüssen und preiswerten Darlehen. So spendiert die Stadt Düsseldorf Eigenheimbauern und -käufern für Neubau oder Ersterwerb einer Immobilie zinsgünstige Darlehen in Höhe von 35.000 Euro plus 10.000 Euro pro Kind. Kauft die Familie eine Bestandsimmobilie, gibt es 70 Prozent davon. Die Stadt Bochum vergibt Grundstücke 20 Prozent unter Verkehrswert an Familien mit mindestens einem Kind und geringem Einkommen. Nähere Informationen zu kommunalen Förderprogrammen in Ihrer Nähe finden Sie auf der Internetseite der Aktion pro Eigenheim.

Mein Tipp: Unterstützung in Form von zinsgünstigen Darlehen erhalten Familien auch im Rahmen des Wohneigentumsprogramms (Nr. 124) der staatlichen KfW-Förderbank.

Die Aktion pro Eigenheim hält auch eine Datenbank bereit, in der kirchliche Aktivitäten zur Förderung von Familien gelistet sind. Insgesamt unterstützen 16 katholische Bistümer sowie 14 evangelische Landeskirchen bauwillige Familien bei der Vermögensbildung in Form von Wohneigentum. Angeboten werden interessante Baugrundstücke im Erbbaurecht, mit denen Bauherren im Vergleich zum Kauf eines Grundstücks deutlich sparen können, in Einzelfällen auch Darlehen. So ermöglicht zum Beispiel das Erzbistum Freiburg sieben Jahre lang eine Erbbauzinsermäßigung für junge Familien.

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Datenstand: 16.11.2018
Sämtliche Angaben ohne Gewähr
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Max Geißler mein Name ist Max Geißler. Auf geldsparen.de kümmere ich mich vor allem um die Themen Geldanlage, Altersvorsorge und Immobilien. Ich habe Politikwissenschaften studiert und bin als Journalist und Buchautor tätig.

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