Von Michael Schreiber, 27.09.2018

Steuererklärung So können Eltern von Kindern in Ausbildung Steuern sparen

Die meisten Studenten und Azubis kommen nicht ohne die finanzielle Hilfe ihrer Eltern über die Runden. Im Gegenzug erhalten Eltern Steuervergünstigungen. Ein Überblick.
Steuererklärung So können Eltern von Kindern in Ausbildung Steuern sparen

Zieht die Tochter fürs Studium in eine eigene Wohnung, erhalten Eltern einen Extrapauschbetrag von 924 Euro.

Vater Staat gewährt Eltern mit Kindern in Ausbildung zahlreiche Steuervergünstigungen. Die von den Eltern getragenen Studienkosten ihrer Kinder können allerdings nicht direkt von der Steuer abgezogen werden.

Kinderfreibeträge

Solange das in Erstausbildung befindliche Kind das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, gibt es uneingeschränkt Kindergeld oder alternativ über die Steuererklärung Kinderfreibeträge. Neben dem direkten Kinderfreibetrag (2018: 2.394 Euro) gibt es einen besonderen Ausbildungsfreibetrag von 1.320 Euro pro Elternteil und Kind.

Die Freibeträge lassen sich unter Umständen auf Großeltern übertragen, wenn diese den Enkeln finanzielle Unterstützung in der Ausbildung leisten. Das Finanzamt prüft im Rahmen der Steuererklärung automatisch, ob Kindergeld oder die Steuerfreibeträge eine höhere Steuerersparnis bringen.

Was bringt mehr - Kindergeld oder Kinderfreibetrag?

Faustregel: Bei einem vergleichsweise hohen Jahreseinkommen der Eltern von 50.000 Euro und mehr zahlen sich die Steuerfreibeträge aus – bei niedrigerem Einkommen ist meist das Kindergeld günstiger. Bei der Berechnung des Solidaritätszuschlages und der Kirchensteuer werden aber generell nur die Kinderfreibeträge berücksichtigt. Die Berechnung dieser Zusatzabgaben nimmt das Finanzamt automatisch im Steuerbescheid vor. Übernehmen die Eltern auch noch Zahlungen für eine Basiskrankenversicherung des Kindes, sind diese Beiträge bei ihrer Steuerabrechnung uneingeschränkt absetzbar.

Kein weiterer Steuerbonus für Schulbücher

Um diesen Vorteil optimal auszuschöpfen, muss im Rahmen der Steuererklärung für jedes Kind die Anlage KIND vollständig ausgefüllt werden. Mit dem Kindergeld oder den Kinderfreibeträgen sind von den Eltern getragene Kosten für Schulbücher, Klassenfahrten und Pausenverpflegung abgegolten – diese können nicht zusätzlich steuerlich abgezogen werden. Ausnahmen gelten für Nachhilfeunterricht, wenn das Kind eine Lese- oder Rechtschreibschwäche hat. Dann können die Kosten für Nachhilfestunden als außergewöhnliche Belastungen steuerlich geltend gemacht werden (Zeile 67 im Mantelbogen).

Nach Umzug Nachhilfekosten von der Steuer absetzen

Zieht die Familie aus beruflichen Gründen um und muss der Nachwuchs deshalb Nachhilfestunden nehmen, um den Anschluss in der neuen Schule nicht zu verlieren, können Eltern die notwendigen Kosten als berufsbedingte Werbungskosten steuerlich geltend machen (Zeilen 46-48 /Anlage N).

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Welche Rolle Einkünfte der Kinder spielen

Eigenes Vermögen oder Einkünfte des Kindes spielen seit 2012 grundsätzlich keine Rolle mehr, um für eine Erstausbildung oder ein Studium die staatlichen Zuschüsse zu erhalten. Nach Aufnahme einer weiteren Berufsausbildung oder eines Zweitstudiums gilt das jedoch nicht mehr uneingeschränkt. Kindergeld und Freibeträge gibt es für Eltern zwar weiter. Das Kind darf aber nicht mehr unbegrenzt nebenher arbeiten. Eine Erwerbstätigkeit mit bis zu 20 Stunden regelmäßiger wöchentlicher Arbeitszeit, ein Ausbildungsdienstverhältnis oder ein Minijob sind allerdings unschädlich.

Wann endet die Erstausbildung?

Tipp: Oft gibt es bei mehrstufigen Ausbildungsgängen Streit mit den Behörden um den Kindergeldanspruch, weil nicht ganz klar ist, wann die Erstausbildung abgeschlossen wurde und ein zweiter Studiengang begonnen hat. Betroffene Eltern können sich auf Schützenhilfe des Bundesfinanzhofs berufen. Denn der hat bereits mit Urteil vom 3. September 2015 (Az. VI R 9/15) entschieden, dass mehraktige Ausbildungen, konsekutive Master-Studiengänge und studienintegrierte Ausbildungen bis zum angestrebten Berufsziel als Teil der Erstausbildung anzusehen sind. Das gilt für den Masterstudiengang vor allem dann, wenn dieser zeitlich und unmittelbar auf den vorangegangenen Bachelorstudiengang abgestimmt ist. Wird ein Studium dagegen erst Jahre später oder in einem anderem Fachgebiet fortgesetzt, gilt dies nicht mehr als Teil der Erstausbildung sondern als Zweitstudium.

Zusätzlicher Steuerbonus für auswärts studierende Kinder

Für auswärts studierende Kinder spendiert das Finanzamt einen Extrapauschbetrag von 924 Euro (Zeilen 50-53 Anlage KIND). Der Nachweis tatsächlich entstandener Ausgaben ist hier nicht notwendig. Die Behörde kürzt den Freibetrag aber zeitanteilig, wenn die Voraussetzungen für seine Gewährung nicht in allen Kalendermonaten des Jahres vorgelegen haben.

Durch Schulgeld Steuern sparen

Schulgeld für Privatschulen und Internate können Eltern bis zu einem Maximalbetrag von 5.000 Euro (30 Prozent der Kosten ohne Unterbringung und Verpflegung) als Sonderausgaben absetzen. Dazu müssen die Zeilen 61-63 der Anlage Kind ausgefüllt werden.

Wenn kein Anspruch auf Kindergeld besteht

Unterstützen Eltern ihre in Ausbildung befindlichen Kinder, für die weder sie noch andere Anspruch auf Kindergeld haben, können sie die Aufwendungen ohne weiteren Nachweis als außergewöhnliche Belastungen bis zur Höhe von 9.000 Euro (2018) steuerlich abrechnen (Anlage "Unterhalt"). Anders als beim Ausbildungsfreibetrag führen allerdings alle Einkünfte und Bezüge des Kindes oberhalb des Freibetrages von 624 Euro jährlich dazu, dass der Steuervorteil abgeschmolzen wird.
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Datenstand: 19.10.2018
Sämtliche Angaben ohne Gewähr
Tipp: Das Finanzgericht Baden-Württemberg hat mit rechtskräftigem Urteil vom 13. Dezember 2016 (Az. 11 K 2951/15) einen besonders cleveren Steuerspartrick von Eltern abgesegnet. Die Mutter war Eigentümerin eines Firmengrundstücks, welches an den Ehemann und Vater für dessen Handwerksbetrieb vermietet war. Zur Finanzierung des Studiums räumte die Mutter ihrer Tochter ein auf fünf Jahre befristetes unentgeltliches Nießbrauchrecht an dem Grundstück ein. In der Folge flossen die Mietzahlungen des Vaters direkt seiner Tochter zu. Diese finanzierte damit ihr Studium, blieb aber durch die Ausnutzung ihres Grundfreibetrages (2018: 9.000 Euro) sowie die Abziehbarkeit ihrer Studienkosten (als Sonderausgaben: 6.000 Euro) steuerlich unbehelligt. Der Vater konnte die Mietzahlungen im Gegenzug weiterhin als Betriebsausgaben der Firma steuerlich absetzen.

Das rechtlich einwandfreie Gestaltungsmodell funktioniert auch mit Mietwohnungen und Mietshäusern oder der befristeten Übertragung eines Wertpapierdepots. Wegen der rechtlichen Details sollten Eltern allerdings vor Abschluss der vertraglichen Regelungen einen versierten Steuerberater konsultieren.

Tipp: Lesen Sie hier, warum es sich lohnen kann, eine Studentenbude zu kaufen statt zu mieten.
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