Rolf Winkel
Ein Beitrag von Rolf Winkel, 05.04.2019

Kurz vor dem Ruhestand Arbeitslosengeld I als Brücke in die Rente

Lieber Rente als Arbeitslosengeld I – ältere Arbeitnehmer, die nach diesem Motto verfahren, müssen im Alter häufig herbe Einbußen hinnehmen.
Kurz vor dem Ruhestand Arbeitslosengeld I als Brücke in die Rente

Auch wer kurz vor der Rente arbeitslos wird, hat Anspruch auf Arbeitslosengeld.

Älteren, die ihren Job verlieren, steht genau wie Jüngeren Arbeitslosengeld (ALG) I zu. Wer arbeitslos ist und Arbeit sucht, für den ist die Arbeitslosenversicherung zuständig – und nicht die Rentenversicherung. Auf die Versicherungsleistung ALG I haben Arbeitslose einen Rechtsanspruch – unabhängig vom eigenen Vermögen. Auch auf das Einkommen des Ehepartners kommt es nicht an. Arbeitslosengeld I erhalten Arbeitnehmer längstens bis zum Ende des Monats, in dem sie das reguläre Rentenalter erreichen. Das gilt auch dann, wenn sie bereits vorher Anspruch auf ein vorgezogenes Altersruhegeld haben.

So lange haben Ältere Anspruch auf Arbeitslosengeld

Wer 58 oder älter ist und nach langjähriger Beschäftigung arbeitslos wird, bekommt bis zu 24 Monate ALG I. Verliert ein Arbeitnehmer einige Wochen vor dem 58. Geburtstag seinen Job, kann es sich lohnen, den Antrag auf ALG I aufzuschieben. Mit 57 gibt es diese Leistung nämlich nur für maximal 18 Monate. Es zählt dabei das Alter am Tag der Antragstellung. Wer damit bis zu seinem 58. Geburtstag wartet, kann sich bis zu sechs Monate länger ALG I sichern.
   
Arbeitslosengeld I: Wie lange ein Anspruch besteht, hängt von der Versicherungszeit und dem Alter ab
 Versicherungspflichtige Beschäftigung mit einer Dauer von insgesamt mindestens ... Monaten Vollendung des ... Lebensjahres  ... Monate Arbeitslosengeld 
 12    6
 16    8
 20    10
 24    12
 30  50.  15
 36  55.  18
 48  58.  24
   
Voraussetzung: mindestens 12 Monate Versicherungszeit in den vergangenen zwei Jahren; Quelle: biallo.de, Stand: März 2019

Arbeitslosengeld-Rechner

Mit wie viel ALG-I können Sie rechnen?

Wer selbst kündigt, kann Sperrzeit erhalten

Wer seinen Arbeitsplatz selbst aufgegeben hat und dafür keinen wichtigen Grund hatte, muss mit einer Sperrzeit rechnen. Dann gibt es in den ersten zwölf Wochen der Arbeitslosigkeit kein ALG I. Und danach wird die Leistung für Arbeitslose ab 58 Jahren nur 18 statt 24 Monate gezahlt.

So hoch fällt das Arbeitslosengeld I aus

Ältere Arbeitslose erhalten als ALG I meist etwa 60 Prozent ihres vorherigen Nettoverdienstes. Wer noch Anspruch auf Kindergeld hat, dem stehen 67 Prozent zu. Ein Arbeitsloser ohne Kindergeldanspruch, der zuvor 3.000 Euro brutto im Monat verdient hat, bekommt zum Beispiel bei Steuerklasse I oder IV monatlich 1161,60 Euro ALG I.
Tipp: Für Verheiratete kann es sich lohnen, im Kalenderjahr vor der Arbeitslosigkeit in Steuerklasse III zu wechseln. Dann fällt das ALG I deutlich höher aus. Die höhere Lohnsteuer des Ehepartners wird später nach der Steuererklärung erstattet. Ein Wechsel in die vorteilhafte Steuerklasse IV Faktor bringt sogar noch während der Arbeitslosigkeit ein höheres ALG I.

So hoch kann das Rentenplus ausfallen

Zunächst einmal mag zwar einiges für die Rente statt für das Arbeitslosengeld I sprechen. Schließlich sind Rentenbezieher ziemlich unabhängig. Für sie bestehen keinerlei Meldepflichten mehr und sie können jederzeit so lange, wie sie wollen, in Urlaub fahren. Doch wer diese „Freiheit“ zu früh wählt, muss dafür häufig teuer bezahlen: Denn das ALG I ist häufig höher als die Rente. Zudem erhöht die Zeit des ALG-I-Bezugs die spätere Rente und vermindert Abschläge. Wer als 63-Jähriger ein (weiteres) Jahr lang ALG I bezieht und deshalb ein Jahr später in Rente geht, sammelt dadurch nicht nur weitere Rentenpunkte, er vermeidet zudem auch Rentenabschläge. Unterm Strich kann beides zusammen einem Arbeitslosen, der lebenslang etwa durchschnittlich verdient hat, ein monatliches Rentenplus von etwa 75 Euro bringen, bei zwei Jahren können es schon 150 Euro sein.

Rentenbeginn-Rechner

Wann können Sie in Rente gehen?
Wer die sehr begehrte, abschlagsfreie Altersrente für besonders langjährig Versicherte erhalten möchte, muss hierfür 45 Versicherungsjahre nachweisen. Zeiten des ALG-I-Bezugs zählen dabei mit – außer in den letzten beiden Jahren vor dem Rentenantrag. Hier zählen diese Zeiten nur mit, wenn die Arbeitslosigkeit durch eine Insolvenz oder vollständige Geschäftsaufgabe des Arbeitgebers verursacht wurde. Wer neben dem Bezug von ALG I einen rentenversicherungspflichtigen Minijob aufnimmt, für den gilt die Minijob-Zeit als vollwertige Versicherungszeit. Der Minijob kann entsprechend zum Anspruch auf die abschlagsfreie Rente verhelfen. Die Aufnahme des kleinen Jobs muss der Arbeitsagentur in jedem Fall gemeldet werden.

Tipp:
Lesen Sie hier, welche Regeln 2019 für Minijobs gelten.

Keine Sonderrechte für ältere Arbeitslose

Mancher ältere Arbeitslose betrachtet die Zeit des ALG-I-Bezugs als Überbrückungszeit bis zur späteren Rente und ist weniger an einer Arbeitsaufnahme interessiert. Das ist auch den Arbeitsvermittlern klar, die sich deshalb weit mehr um die Vermittlung jüngerer Arbeitsloser bemühen. Doch grundsätzlich gelten für alle Arbeitslosen die gleichen Regeln: Insbesondere müssen sie zumutbare Arbeitsangebote annehmen und – falls dies so vereinbart wurde – auch nachweisen, dass sie aktiv Arbeit gesucht haben. Andernfalls droht ihnen gegebenenfalls eine Sperrzeit oder sogar die Streichung des ALG I.
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Rolf Winkel mein Name ist Rolf Winkel. Ich bin Ihr Spezialist für alles, was mit Sozialversicherungen, insbesondere mit der Rente zu tun hat. Ich bin gelernter Sozialwissenschaftler und schreibe seit mehr als 30 Jahren Sozialratgeber.

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