Von Michael Schreiber, 20.02.2018

Geldanlage Diese Steuern fallen nun für Fonds an

Seit dem Jahreswechsel gelten neue Steuerregeln für Fonds. Das bringt Vor- und Nachteile für Anleger mit sich. Das Nachsehen haben Kleinsparer.
Geldanlage Diese Steuern fallen nun für Fonds an

Auch bei der Geldanlage in Fonds möchte der Fiskus ein Stück vom Kuchen haben. Wie er zugreift, hat sich mit den neuen Steuerregeln 2018 geändert.

Bei den Neuerungen hat sich nicht einfach die Höhe eines Steuersatzes geändert, sondern das Prinzip der Besteuerung ist ein anderes geworden. Bis Ende 2017 wurden Fondsanleger wie Direktanleger behandelt, das heißt, nur der Anleger wurde besteuert, aber nicht der Fonds. Bis dahin blieben Erträge im Fonds selbst also steuerfrei. Erst der Anleger musste Abgeltungsteuer zahlen.

Seit Jahresbeginn
werden erstmalig in deutschen Fonds bestimmte Erträge steuerlich belastet. Zum Ausgleich werden künftige Ausschüttungen aus Fonds und Gewinne aus dem Verkauf von Fondsanteilen bei der Abgeltungsteuer teilweise steuerfrei gestellt.

Zu bis zu 80 Prozent von Abgeltungsteuer befreit

Für Privatanleger in Aktienfonds sind zum Beispiel 30 Prozent steuerfrei, in Mischfonds 15 Prozent und in offenen Immobilienfonds 60 Prozent oder 80 Prozent, wenn der Investitionsschwerpunkt im Ausland liegt. Auf diesen Anteil muss der Sparer also keine Abgeltungsteuer zahlen.

Andere Erträge wie Verkaufsgewinne aus Wertpapieren, ausländische Dividenden oder Immobilienerträge, Gewinne aus Termingeschäften und Zinserträge bleiben wie bisher auf Fondsebene steuerfrei und werden erst beim Anleger versteuert. Rentenfonds sind deshalb von der Reform nicht betroffen. Auch zertifizierte Altersvorsorgeverträge wie Riester- und Rürup-Fondssparpläne bleiben weiterhin in der Ansparphase komplett steuerbefreit. Das Finanzamt hält erst später in der Auszahlungsphase die Hand auf.
     
Steuerfreistellung von Fonds seit 2018
 
Fondstyp Anlagebedingung Freistellung
der Erträge
bei Privatvermögen
Freistellung
der Erträge
bei Betriebsvermögen 
 Freistellung
der Erträge
bei Körperschaft
 Aktienfonds fortlaufend mind. 51% des Vermögens in Aktien  30 %  60 %  80 %
 Mischfonds  fortlaufend mind. 25% des Vermögens in Aktien  15 % 30 % 40 %
 Immobilienfonds  fortlaufend mind. 51% des Vermögens in deutschen Immobilien  60 % 60 % 60 %
 Immobilienfonds  fortlaufend mind. 51% des Vermögens in ausländischen Immobilien  80 % 80 % 80 %
 Dachfonds (Aktien)  fortlaufend mind. 51% des Vermögens in Aktien; Aktienfonds gelten zu 51% ihres Wertes als Aktien  30 % 60 % 80 %
 Dachfonds (Mischfonds)  fortlaufend mind. 25% des Vermögens in Aktien; Aktienfonds gelten zu 51% ihres Wertes als Aktien; Mischfonds gelten zu 25% ihres Wertes als Aktien  15 % 30 % 40 %
 Dachfonds (Immobilien)  fortlaufend mind. 51% des Vermögens in deutschen Immobilien  60 % 60 % 60 %
 Dachfonds (Immobilien)  fortlaufend mind. 51% des Vermögens in ausländischen Immobilien  80 % 80 % 80 %
     Quelle: BMF, eigene Recherche

Erleichterung bei thesaurierenden Fonds

Haben Sie thesaurierende Fonds im Depot, wird die Steuererklärung für Sie künftig leichter. Thesaurierende Fonds sind Fonds, die wenig oder gar nichts ausschütten und die erzielten Erträge im Fondsvermögen ansammeln. Für solche Fonds ermittelt die depotführende Stelle nun die sogenannte Vorabpauschale, auf die Anleger Abgeltungssteuer zahlen müssen. Fällige Steuern werden dann vom Kundenkonto des Anlegers abgebucht. Beim Verkauf der Fondsanteile verrechnen die depotführenden Stellen automatisch die bereits besteuerten Vorabpauschalen mit dem Verkaufsgewinn, damit der Anleger nichts doppelt versteuert.

Werden die Anteile in einem ausländischen Depot verwahrt, muss der Anleger wie bisher seine Erträge und Gewinne in der persönlichen Einkommensteuererklärung für 2018 deklarieren.
Aktiendepot Vergleich

Steuervorteil für alte Fonds beschnitten

Für Fondsanteile, die vor dem 1. Januar 2009 erworben wurden, galt bislang ein Steuerprivileg. Dieses wurde nun eingeschränkt. "Mit Einführung der Abgeltungssteuer am 1. Januar 2009 galt die Regelung, dass Kursgewinne von Fonds in unbegrenzter Höhe steuerfrei sind, wenn die Fondsanteile vor 2009 erworben und mindestens ein Jahr gehalten wurden", sagt Volker Laux, Investmentfondsexperte aus Bensheim.

Diese – ursprünglich weder zeitlich noch der Höhe nach befristete Steuerfreiheit – wurde nun beschnitten: "Anleger, die ihre Altanteile aus Käufen vor 2009 noch über den 31. Dezember 2017 hinaus im Depot gehalten haben, wurden zum Jahreswechsel steuerlich so gestellt, als ob sie sämtliche Anteile per 31. Dezember 2017 verkauft hätten. Kursgewinne in jeglicher Höhe gelten bis zu diesem Zeitpunkt als steuerfrei vereinnahmt", betont der Experte.

Kursgewinne, die ab dem 1. Januar 2018 aus diesen Altanteilen entstehen, bleiben zunächst weiterhin steuerfrei. Überschreiten sie jedoch den jetzt neu eingeführten Freibetrag von 100.000 Euro, unterliegen diese Kursgewinne zukünftig der Abgeltungssteuer. "Genauso, wie wenn die Fondsanteile nach 2009 erworben worden wären."

Kleinsparer haben das Nachsehen

Durchschnittsanleger profitieren von den neuen Steuerregeln, denn sie zahlen künftig nicht mehr, müssen sich aber weniger um Steuerfragen kümmern. Kleinsparer, die den eigenen Sparerpauschbetrag nicht ausschöpfen, haben jedoch das Nachsehen. Ihnen bringen die Teilfreistellungen keinen Vorteil, sie müssen aber geringere Ausschüttungen ihres Fonds hinnehmen. Das gilt auch für Steuerzahler, die mit Hilfe einer Nichtveranlagungsbescheinigung steuerfreie Kapitalerträge erzielen.

Nachteile erleiden definitiv auch Sparer mit fondsgebundenen oder klassischen Lebens- oder Rentenversicherungen oder Fondsanlagen im Rahmen der betrieblichen Altersversorgung. Bei diesen steuerprivilegierten Geldanlagen läuft die Teilfreistellung der Fondserträge ins Leere, die geringeren Ausschüttungen der Fonds aufgrund der Steuervorbelastung von 15 Prozent schmälern aber die Ertragsaussichten dieser Produkte.

Fonds überprüfen

Tipp: Wann haben Sie zuletzt Ihr Depot unter die Lupe genommen? Unabhängig von den geänderten Steuerspielregeln für Investmentfonds kann es sich lohnen, mal seine Geldanlagen zu durchforsten und schlecht laufende oder teure Fonds abzustoßen und in günstigere oder besser bewertete Produkte umzuschichten. Denn eine gute Geldanlage rechnet sich unabhängig von der Besteuerung.
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