Max Geißler
Ein Beitrag von Max Geißler, 16.08.2018

Reicht die Rente im Alter? Acht Denkfehler bei der Altersvorsorge

Viele sorgen falsch fĂŒrs Alter vor, weil Halb- und Nichtwissen zu IrrtĂŒmern fĂŒhren. Geldsparen erklĂ€rt die wichtigsten Denkfehler zur Altersvorsorge und Rente.
Reicht die Rente im Alter? Acht Denkfehler bei der Altersvorsorge

Altersvorsorge allein reicht nicht. Sie muss auch gut durchdacht sein.

1. Denkfehler: "Erst mal leben, mit der Altersvorsorge beginne ich spÀter"

Ein populĂ€rer Denkfehler! Denn was man in jungen Jahren nicht zurĂŒckgelegt hat, kann man spĂ€ter nur mit MĂŒhe wieder aufholen. Wer mit 27 anfĂ€ngt, monatlich 50 Euro in einen Indexfonds auf den Dax einzuzahlen, der hat bei sechs Prozent Durchschnittsrendite mit 67 ein Guthaben von fast 100.000 Euro angespart. Wer erst mit 47 beginnt, der muss, um auf das gleiche Ergebnis zu kommen, mehr als das Vierfache weglegen, nĂ€mlich 219 Euro.

Tipp: Beginnen Sie möglichst frĂŒh mit dem Sparen und lassen Sie den Zinseszins fĂŒr sich arbeiten.

2. Denkfehler: Mit kleinen BetrĂ€gen zu großer Rente

Viele Banken werben mit SparplĂ€nen ab 25 Euro pro Monat. So schön niedrige Sparraten fĂŒr die eigene Geldbörse sind, eine ordentliche Zusatzrente ist damit nicht drin. Selbst bei frĂŒhem Sparbeginn und einer guten Rendite von sechs Prozent, kĂ€me unser Beispielsparer nach 40 Jahren nur auf ein Endergebnis von knapp 48.000 Euro. FĂŒr eine signifikante Zusatzrente reicht dieser Betrag nicht.

Tipp:
Beginnen Sie mit wenigstens 50 Euro monatlich und stocken Sie den Betrag mit steigendem Einkommen sukzessive auf.

3. Denkfehler: Einkommensbedarf falsch einschÀtzen

Viele BerufstĂ€tige gehen davon aus, dass ihre EinkĂŒnfte aus gesetzlicher, betrieblicher und Riester-Rente im Alter ausreichen. Das ist aber hĂ€ufig nicht der Fall. Die RenteneinkĂŒnfte erreichen oft nicht einmal die HĂ€lfte der frĂŒheren Gehaltshöhe, zudem belasten Abgaben fĂŒr Steuern, Kranken- und Pflegekasse das Nettoeinkommen. Der jĂŒngste Versorgungsatlas von Union Investment beziffert die RentenlĂŒcke im Bundesdurchschnitt auf 656 Euro.

Tipp: Ermitteln Sie möglichst genau Ihre VersorgungslĂŒcke und schließen Sie diese mit geeigneten Sparformen, etwa Fonds oder ETFs. Hilfe bietet der Geldsparen-VersorgungslĂŒckenrechner.

4. Denkfehler: Inflation unterschÀtzen

Zwar verzeichnete Deutschland in den vergangenen Jahren nur geringe Inflationsraten von deutlich unter zwei Prozent, da aber auch die Löhne im selben Zeitraum nur mĂ€ĂŸig stiegen, verbuchten Rentner und BeschĂ€ftigte reale Kaufkraftverluste. „Gerade Deutschland hat hier in den vergangenen Jahren an der Lohnschraube gedreht. Wirtschaftliche Vorteile der Unternehmen wurden auch durch ZurĂŒckhaltung bei den Löhnen erkauft“, betont Christian Nemeth, Vorstandsmitglied der ZĂŒrcher Kantonalbank Österreich AG.

Tipp:
BerĂŒcksichtigen Sie bei der Ermittlung der notwendigen Zusatzrente die Wirkung der Inflation. Ein Sparziel von 100.000 Euro hat bei zwei Prozent Inflation nach 25 Jahren nur noch eine Kaufkraft von etwa 61.000 Euro. Um den realen Wert von 100.000 Euro zu erhalten, mĂŒsste der Vorsorgesparplan eine Zielsumme von 164.000 Euro ansetzen.

5. Denkfehler: Zu kurze Rentenzeit planen

Trotz steigender Lebenserwartung glauben viele, dass sie nur zehn oder 15 Jahre Rente beziehen werden. Falsch: Die durchschnittliche Rentenbezugsdauer liegt inzwischen bei rund 20 Jahren. Die Vorsorgeplanung sollte daher nicht zu knapp und die anzusparende Kapitalsumme nicht zu niedrig ausfallen. Je nach Rentenbeginn sollten 25 bis 30 Jahre Rentenbezugsdauer eingeplant werden. Das bedeutet: Wer 25 Jahre lang monatlich 500 Euro Zusatzrente bekommen möchte, der benötigt einen Kapitalstock von etwa 110.000 Euro nach Steuern. Bei drei Prozent Kapitalrendite ist inklusive Vermögensverzehr ein Vierteljahrhundert Zusatzrente gesichert.

Tipp: Wer sich keine eigene Rentenlösung zutraut, der kann auf eine Sofortrente setzen. Vorteil: Die Versicherung garantiert lebenslang Rentenzahlungen – egal wie alt man wird.

6. Denkfehler: Eigenheim genĂŒgt zur Alterssicherung

Eine Rechnung mit vielen Unbekannten. Eigennutzer wohnen zwar mietfrei in ihren vier WĂ€nden, das bringt finanzielle Entlastung. Andererseits sind der Arbeitsaufwand und die Kosten fĂŒr Reparaturen und Instandhaltung des Eigenheims nicht zu unterschĂ€tzen. Mit zunehmenden Alter wird es immer schwieriger, die Lasten zu bewĂ€ltigen – die gesetzliche Rente reicht fĂŒr grĂ¶ĂŸere Sanierungen sowieso nicht aus.

Tipp: Mögliche Alternativen sind die Verrentung der Immobilie oder der Verkauf bei gleichzeitigem Umzug in ein Haus mit altersgerechter Betreuung.

Lesetipp: Lesen Sie hier, welche Vorteile Nießbrauch bringt.

7. Denkfehler: Aktien sind nicht fĂŒr die Altersvorsorge geeignet

Aktien sind aktuell die einzige Anlageform, die langfristig attraktive Nettorenditen erzielt. Wichtig fĂŒr Vorsorgesparer ist ein langer Anlagehorizont und ein gut diversifiziertes Depot, das Wertschwankungen abfedert. Setzen Sie nicht nur auf eine Region oder eine Branche, sondern streuen Sie breit. Mischen Sie verschiedene Assetklassen, etwa Aktien, Anleihen, Immobilien und Rohstoffe.

Tipp: Die Verbraucherzentralen empfehlen kostengĂŒnstige ETFs. Die börsengehandelten Indexfonds investieren breit in einen ganzen Markt, etwa den MSCI World Index, und sind flexibel handelbar.
Aktiendepot Vergleich

8. Denkfehler: Im Alter fallen keine Steuern an

Falsch: Seit 2005 unterliegen Renten der Steuerpflicht. Der steuerpflichtige Anteil betrĂ€gt fĂŒr Neurentner seit 2018 76 Prozent. FĂŒr jeden Neurentnerjahrgang kommen zwei Prozent hinzu. Ab Renteneintritt 2040 ist die komplette Rente zu versteuern. Die Höhe der Steuern richtet sich nach der Rentenhöhe und weiteren EinkĂŒnften wie Mieten, Betriebsrenten, Riester-Rente etc. Positiv: Auch fĂŒr Renten gelten FreibetrĂ€ge, etwa der Grundfreibetrag oder der Altersentlastungsbetrag.

Tipp: BerĂŒcksichtigen Sie die Steuerbelastung bei Ihrer Ruhestandsplanung. Planen Sie entsprechend höhere Sparsummen bei Ihrer Privatvorsorge ein.

Lesetipp:
Lesen Sie hier, worauf Rentner bei der SteuererklĂ€rung achten mĂŒssen.
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Liebe Leserinnen und Leser,

Max Geißler mein Name ist Max Geißler. Auf geldsparen.de kĂŒmmere ich mich vor allem um die Themen Geldanlage, Altersvorsorge und Immobilien. Ich habe Politikwissenschaften studiert und bin als Journalist und Buchautor tĂ€tig.

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