Rolf Winkel
Ein Beitrag von Rolf Winkel, 18.08.2017

Pflegegrad 1 Vorbeugende Leistungen der Pflegekasse

Mehrere Hundertausend Menschen mit geringen Handicaps haben nun erstmals Anspruch auf Leistungen der Pflegeversicherung. Der neue Pflegegrad 1 macht's möglich.
Pflegegrad 1 Vorbeugende Leistungen der Pflegekasse

Ein barrierefreies Badezimmer kann das Unfallrisiko von Senioren deutlich senken. Wer in den neuen Pflegegrad 1 eingestuft ist, erhält 4.000 Euro für Wohnungsanpassungen.

Die gesetzliche Pflegeversicherung leistet seit Anfang dieses Jahres auch schon „vorbeugend“, also wenn noch gar keine „richtige“ Pflegebedürftigkeit vorliegt. Dafür gibt es den neuen Pflegegrad 1.

„Meine Mutter kann jetzt wieder allein duschen“, freut sich Hiltrud S. aus Dortmund. Ihre Mutter (77) lebt nach dem Tod ihres Mannes alleine in ihrer Wohnung. Sie hat durch die jüngste Reform der Pflegeversicherung erstmals Anspruch auf Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung. In ihrem Fall hat die Pflegekasse 3.895 Euro für den Umbau des Badezimmers übernommen: Die alte Badewanne, die für die Seniorin zunehmend zur Gefahrenquelle geworden war, wurde entfernt. Stattdessen ist eine (fast) bodengleiche Dusche und ein aufklappbarer Duschsitz eingebaut worden. Die Kosten hat der Handwerksbetrieb direkt mit der Pflegekasse abgerechnet. Die Seniorin selbst musste die Kosten nicht einmal auslegen.

Pflegegrad 1 bei mäßigen, rein motorischen Einschränkungen

So wie die Dortmunder Witwe können mittlerweile viele Menschen vom neuen Pflegegrad 1 profitieren. Hierdurch haben nun erstmals auch Personen mit einer „geringen Einschränkung der Selbstständigkeit“ Anspruch auf Leistungen dieser Sozialversicherung. In Grad 1 können Menschen mit mäßigen, rein motorischen Einschränkungen – etwa aufgrund von Wirbelsäulenerkrankungen oder mit Restlähmungen nach einem Schlaganfall – eingestuft werden.

Hiltrud S. ist ein typisches Beispiel für die neuen Leistungsberechtigten: „Dazu gehören vielfach alleinlebende ältere Menschen, die Schwierigkeiten in ihrer Wohnung haben – zum Beispiel selbst nicht mehr in die Badewanne reinkommen. Oft kommen sie auch mit dem Einkaufen nicht mehr ganz klar und haben Probleme, sich selbst zu versorgen“, sagt  Knappschafts-Pflegeberater Markus Siegmann.

Müsste die Dortmunder Witwe ohne Veränderungen weiter in ihrer Wohnung leben, könnte das nach den Erfahrungen des Pflegeberaters so enden: „Beim Versuch, in die Badewanne zu gelangen, rutscht sie aus, zieht sich einen Oberschenkelhalsbruch zu und wird dann ‚richtig‘ zum Pflegefall.“

Wohnungsanpassung und Entlastungsbetrag

Menschen mit Pflegegrad 1 haben Anspruch auf ein eingeschränktes Leistungsspektrum der Pflegeversicherung. Besonders wichtig: Ihnen steht für Maßnahmen zur Wohnungsanpassung ein Etat von 4.000 Euro zu. Damit kann beispielsweise die Verbreiterung von Türen, der Einbau einer Badewannentür oder einer bodengleichen Dusche finanziert werden. Weiterhin besteht Anspruch auf einen Entlastungsbetrag von 125 Euro im Monat. Damit kann man sich beispielsweise von einem Betreuungs- oder Pflegedienst im Haushalt – etwa beim Fensterputzen und Einkaufen – oder auch bei der Selbstversorgung (Grundpflege) helfen lassen.

Der Entlastungsbetrag kann auch in Grenzen angespart werden, längstens bis zum Juni des Folgejahres. Dann kommen maximal 2.250 Euro zusammen. Der angesparte Entlastungsbetrag kann dann zum Beispiel für einen betreuten Urlaub genutzt werden.

Pflegehilfsmittel

Weiterhin haben die Betroffenen Anspruch auf Pflegehilfsmittel, die zum Verbrauch bestimmt sind (zum Beispiel Desinfektionsmittel, Bettschutzeinlagen), im Wert von bis zu 40 Euro im Monat sowie technische Pflegehilfsmittel (zum Beispiel Rollatoren oder Rollstühle), die in der Regel zuzahlungsfrei ausgeliehen werden.
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Rolf Winkel mein Name ist Rolf Winkel. Ich bin Ihr Spezialist für alles, was mit Sozialversicherungen, insbesondere mit der Rente zu tun hat. Ich bin gelernter Sozialwissenschaftler und schreibe seit mehr als 30 Jahren Sozialratgeber.

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Leserkommentare

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01.08.2017 08:30 Uhr
Redaktion Geldsparen.de: @Pölking
Mit dem Entlastungsbetrag kann beispielsweise eine Haushaltshilfe für zwei Stunden pro Woche beschäftigt werden, die beim Fensterputzen oder Einkaufen hilft. Es kann aber auch ein Pflegedienst engagiert werden, der bei der Grundpflege unterstützt. Wenn Nachbarn oder Bekannte diese Aufgaben übernehmen sollen, wird es schwierig. Dafür ist es in der Regel mindestens erforderlich, dass die Betreffenden einen kleinen Pflegekurs absolviert haben. Die Regelungen sind dabei in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich. In solchen Fällen sollte man vorher bei der Pflegekasse nachfragen, welche Anforderungen an die Beauftragten gestellt werden. Wichtig ist: Der Entlastungsbetrag wird Pflegebedürftigen nicht ausgezahlt, vielmehr müssen sie bei ihrer Pflegekasse oder ihrem privaten Versicherungsunternehmen aussagefähige Quittungen der jeweiligen Dienstleister vorlegen. Das vorgestreckte Geld wird den Betroffenen dann bis zum Betrag von 125 Euro erstattet.

31.07.2017 16:21 Uhr
Pölking: Entlastungsbetrag
Guten Tag, für was könnte ich den Betrag nutzen, außer Urlaub? Muss immer ein Pflegedienst eine Betreuung übernehmen? Bitte nennen sie mir mehrere Möglichkeiten. Mein Pflegedienst übernimmt nur einfache Hausarbeiten, aber da ist mir nicht mit geholfen. Ich benötige Hilfe beim Einkaufen schwerer Sachen, Treppenhausreinigung,Fenster putzen. Bei meinem Pflegedienst Caritas darf die Haushaltshilfe nicht auf Hocker oder Leitern steigen.


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