Fritz Himmel
Ein Beitrag von Fritz Himmel, 19.09.2013

Bausparvertrag Nicht aus Vertrag drängen lassen

Bausparkassen versuchen mit vielen Tricks, Kunden aus gut verzinsten Altverträgen zu schmeißen. Das muss man sich nicht immer gefallen lassen.
Bausparvertrag: Nicht aus Vertrag drängen lassen

Kunden sollten sich nicht einfach aus einem bestehenden Bausparvertrag schmeissen lassen

In vielen Familien gibt es langjährige Bausparverträge. Und diesen sollten sie wenn möglich auch behalten. Wer beispielsweise vor Jahren in Zeiten hoher Zinsen einen Bausparvertrag abgeschlossen hatte, kann heute damit zwischen vier und fünf Prozent Zinsen kassieren, mit Zulagen sind sogar sechs Prozent drin.

Aber das ist den Bausparkassen ein Dorn im Auge: Anbieter wie Wüstenrot, BHW, Schwäbisch Hall oder auch die Landesbausparkassen versuchen derzeit viele ihrer Kunden aus gut verzinsten Altverträgen zu drängen.

Denn für die Kassen sind sie teuer: Sie müssen die hohen Zinsen für die Guthaben aus alten Verträgen aufbringen, können diese aber in der jetzigen Niedrigzinsphase nicht durch hohe Darlehenszinsen ausgleichen. Ende August kündigte daher die Bausparkasse Wüstenrot insgesamt rund 15.000 Altverträge.

Wann ist eine Kündigung rechtens?

Manchmal haben die Kassen durchaus das Recht zu einer Kündigung. Das trifft dann zu, wenn die vereinbarte Sparsumme erreicht ist: "Kündigt eine Bausparkasse einen voll besparten Vertrag, können Kunden sich kaum wehren", sagt Finanzexpertin Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Voll besparte oder übersparte Verträge dürfen Anbieter mit einer Frist von drei Monaten ganz regulär kündigen. Dies bestätigte auch das Oberlandesgericht Celle (Az. 3 U 257/09).

Wie kann man seinen guten Bausparvertag behalten?

Doch oft gibt es Wege, eine solche Kündigung zu vermeiden und den gut verzinsten Bausparvertrag zu retten. Dazu müssen Sparer aber rechtzeitig aktiv werden.

Die Strategie heißt hier:
Vor dem Erreichen der vertraglich vereinbarten Bausparsumme (bei etwa 85 Prozent) die Einzahlungen stoppen. Und dann den Vertrag beitragsfrei stellen. Alle Familienmitglieder sollten daher prüfen, ob das laut Vertrag zulässig ist und dann entsprechend handeln, empfiehlt Finanzexpertin Oelmann.

Tricks mit Prämien und Tarifwechsel beachten

Ein beliebter Trick der Bausparkassen ist es ebenfalls, die Treueprämien und Bonuszahlungen bereits auf die Sparsumme anzurechnen, bevor die vereinbarte Bausparsumme erreicht ist. Dadurch wollen die Anbieter erreichen, dass so die Bausparsumme wesentlich schneller erreicht wird und sie früher kündigen können.

Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg rät hier, sich gegen dieses Vorgehen zu wehren. Die Erfolgschancen hängen dabei vom Wortlaut der Bedingungen im Einzelfall ab. Jedes Familienmitglied sollte auch hier im Vertrag nachlesen: Kann der Bausparkunde aus dem Vertrag ein Recht auf ein Bauspardarlehen ableiten, darf die Bausparkasse nach Ansicht des Verbraucherschützers nicht kündigen.

Auch auf einen weiteren Trick sollten Bausparer nicht hereinfallen: Mit diversen Lock- Argumenten legen Bausparkassen ihrem Kunden einen Tarifwechsel nahe. Angepriesen wird meist beim neuen Vertrag ein niedrigerer Darlehenszins.

Der Fallstrick: Stattdessen wird aber der Zinsbonus gestrichen, was die Sparrendite dauerhaft deutlich schmälert.
Bei diesem Vorgehen muss man unbedingt auch die Zinsen mit einberechnen, die regelmäßig auf den Bausparvertrag fließen. Sonst könnte es passieren, dass sich das Guthaben dadurch irgendwann trotzdem über die vereinbarte Bausparsumme schleicht.

Am sichersten lässt sich der Kontostand über den Kontoauszug kontrollieren, den die Bausparkassen meistens zu Jahresbeginn mit dem Stand vom Ende des Vorjahrs versenden.
Rat von Geldsparen.de: Geben Sie einen guten Bausparvertrag auf keinen Fall vorzeitig aus der Hand. Mit den attraktiven Sparzinsen von über bis zu fünf Prozent sind die meisten Altverträge zurzeit eine lukrative Geldanlage.

Liebe Leserinnen und Leser,

Fritz Himmel mein Name ist Fritz Himmel. Bei geldsparen.de kümmere ich mich um alles, was Telekommunikation, Altersvorsorge und Versicherungen betrifft. Zudem schreibe ich regelmäßig für Tageszeitungen.

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