Helga Riedel
Ein Beitrag von Helga Riedel, 07.08.2013

Fair einkaufen Von Weltläden bis Discounter – wie fair ist Fair?

Der Faire Handel boomt – und ist plötzlich auch bei den Discountern angekommen. Wie fair sind Fairtrade-Produkte und sind sie das Geld Wert?
Fair einkaufen: Von Weltläden bis Discounter – wie fair ist Fair?

Fairtrade-Produkte gibt es auch vom Discounter

Kein anderer Konsumbereich verzeichnet vergleichbare Zuwachsraten: 33 Prozent waren es 2012, damit stieg der Umsatz mit fair gehandelten Waren auf 533 Millionen Euro. Ernüchternder sind die Zahlen der Marktanteile:

Beim Fairtrade-Zugpferd Kaffee liegt er bei gerade einmal 2,2 Prozent. Das verstärkte Angebot von Discountern könnte den Anteil nach oben treiben. Anders als bei Bio-Produkten ist vorerst auch nicht mit Lieferschwierigkeiten zu rechnen.

Denn laut TransFair, der Organisation, die in Deutschland das Fairtrade-Siegel vergibt, kommen bislang nur etwa 40 Prozent der fair produzierten Rohstoffe als solche in den Handel. Doch sind Fairtrade-Kaffee oder -Kakao von Discountern genauso fair wie die teureren Produkte im Weltladen oder Einzelhandel?

Ob Rosen bei Penny, Orangensaft von Lidl oder Kaffee bei Aldi – die über 12.000 fair gehandelten Produkte in Deutschland sind nicht mehr nur im Welt- oder Bio-Laden, sondern zunehmend auch bei Supermarktketten und Discountern erhältlich.

Wie bei allen anderen Waren kalkulieren die Händler je nach Kosten und Gewinnspanne auch die Ladenpreise der Fairtrade-Produkte. Das heißt: Ob die fair gehandelten Bohnen eines südamerikanischen Kaffeebauern für Discounter oder Delikatessenhändler wie Dallmayr, Käfer und Co. eingetütet werden, hat keinen Einfluss auf den ihm garantierten Mindestpreis.

Ziele, Standards und Kontrollen des Fairen Handels

Der faire Handel garantiert den Erzeugern von den Schwankungen des Weltmarkts unabhängige Mindestpreise und langfristige verlässliche Handelsbeziehungen.

Die internationalen Standards dafür wurden von der Fairtrade Labelling Organisations International (FLO) entwickelt. Zu ihren Leistungen gehören jährliche Prämien für notwendige Investitionen in nachhaltige Entwicklung wie Schulen, medizinische Versorgung oder Maschinen und Beratung bei der Umstellung auf ökologische Wirtschaftsweise.

Im Gegenzug verpflichten sich die Produzenten zu gesundheits- und sozialverträglichen Arbeitsbedingungen ohne Ausbeutung, Diskriminierung von Frauen sowie Kinderarbeit und umweltverträglichen Anbaumethoden. Die Einhaltung der Standards kontrolliert das unabhängige Zertifizierungsunternehmen FLO-CERT.

Fairtrade-Handelsorganisationen

Als 1992 das grün-blau-schwarze Fairtrade-Siegel eingeführt wurde, gab es bereits seit 20 Jahren Organisationen, die sich für gerechte Handelsbeziehungen mit den Ländern des Südens einsetzten.

Neben den aus entwicklungspolitischer Arbeit der kirchlichen Jugendverbände hervorgegangenen Weltläden die 1972 gegründete Organisation El Puente, die Gepa (1975), BanaFair (1986) und der Weltladen Ableger dwp ("dritte-welt partner GmbH", 1988). Sie alle haben jeweils eigene Standards für Fairtrade-Produktion und –Handel entwickelt, die mit unterschiedlicher Gewichtung denen der FLO ähneln bzw. über sie hinausgehen. Gepa und dwp beispielsweise zahlen nach eigenen Angaben höhere Mindestpreise.

Allen Handelsorganisationen gemeinsam ist: Die Auswahl der Produzenten und Lieferanten erfolgt aufgrund von Selbstauskünften oder Besuchen vor Ort, eigene regelmäßige Kontrollen finden nicht statt.

Als Mitglieder der World Fair Trade Organization (WFTO) müssen sie sich selbst allerdings den Siegel-Voraussetzungen im wesentlichen entsprechenden Standards unterwerfen, deren Einhaltung alle zwei Jahre über einen umfangreichen Fragenkatalog, Geschäftsberichte und Aktionspläne kontrolliert wird.
Anders als "bio" ist "fair" kein gesetzlich geschützter Begriff. Ob Jeans, Blumen oder Südfrüchte tatsächlich fair produziert und gehandelt wurden, kann der Verbraucher an der Ware nicht erkennen.
 

Fair einkaufen - auf was sollten Verbraucher achten?

Aussagen auf Etiketten über faire Produktion oder Label, die eine solche nahe legen sollen wie bei Rewe "Pro Planet" mit dem Zusatz "Soziale Bedingungen verbessert", dienen häufig vor allem der eigenen Imageverbesserung. So deckte der ARD Marken-Check katastrophale Arbeitsbedingungen auf spanischen Tomaten-Plantagen auf, die mit dem "Pro Planet"-Siegel ausgezeichnet waren.
Wer sicher gehen will, faire Produkte zu kaufen, sollte sich bei Lebensmitteln am Fairtrade-Siegel und den Fairtrade-Organisationen orientieren wie:

Gibt es auch ein Siegel für faire Kleidung?

Komplizierter ist die Lage bei Kleidung, da bislang nur wenige Hersteller ihre tatsächlich fair produzierten Waren wie z.B. die schwedische Jeans-Marke Nudie auch siegeln lassen.

Hier helfen Seiten wie netzwerkfairemode, saubere-kleidung, transfair, fairwear oder cleanclothes mit umfangreichen Informationen weiter.

Überaus nützlich ist auch die Browser-Erweiterung aVOID (avoidplugin.com): Sie blendet beim Internetshopping Artikel, die im Verdacht stehen, mit Kinderarbeit produziert worden zu sein, einfach aus – weltweit bislang 1,3 Millionen Produkte.
Tipp: Viele weitere nützliche Informationen findet man in der Broschüre "Verbraucher konkret – Fairer Handel" der Verbraucher Initiative e.V. (verbraucher.org).

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