Anja Lang
Ein Beitrag von Anja Lang, 27.03.2015

Wurzelbehandlung Wann die Krankenkasse zahlt

Eine Wurzelbehandlung wird nicht in jedem Fall von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt. Wann die Krankenkasse noch die Kosten übernimmt.
Wurzelbehandlung Wann die Krankenkasse zahlt

Wem eine Wurzelbehandlung bevorsteht, dem schmecken nicht einmal mehr Kuchen-Pops

Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen eine Wurzelbehandlung nur noch dann, wenn abzusehen ist, dass der Zahn durch die Behandlung auch tatsächlich erhalten werden kann.

In diesen Fällen zahlt die Krankenkasse die Wurzelbehandlung

Die Chancen dafür sind grundsätzlich umso höher, je gründlicher und damit tiefer die Wurzeln vom Zahnarzt gereinigt und anschließend auch befüllt werden können. Dafür müssen zwei Bedingungen erfüllt sein, ansonsten müssen gesetzlich Versicherte die Wurzelbehandlung aus der eigenen Tasche zahlen: 

Bedingung 1 für die Wurzelbehandlung:

Erste Bedingung der Krankenkassen für die Kostenübernahme der Wurzelbehandlung ist somit, dass der Zahnarzt die Wurzelkanäle bis an die Spitze behandeln kann und auch eine Füllung bis dahin möglich ist.

Bedingung 2 für die Wurzelbehandlung:

Für die Wurzelbehandlung der Backenzähne gelten außerdem zusätzlich noch gesonderte Bedingungen, von denen mindestens eine zutreffen muss.
  • So zahlt die Krankenkasse die Wurzelbehandlung eines Backenzahns, wenn der Zahn in einer bis dahin noch vollständigen Reihe ohne sonstige Lücken steht und mit der Wurzelbehandlung diese ununterbrochene Zahnreihe erhalten werden kann. 
  • Und/oder wenn durch die Wurzelbehandlung eine sogenannte einseitige Freiendsituation vermieden werden kann. Das heißt, dass verhindert werden kann, dass auf einer Seite der letzte Zahn fehlt. 
  • Und/oder wenn der Zahn einen bereits bestehenden und funktionstüchtigen Zahnersatz trägt und dieser dadurch erhalten werden kann.

Wird keines dieser Kriterien erfüllt, besteht die Kassenleistung für die Wurzelbehandlung lediglich im Entfernen des erkrankten Zahns.

Was kostet eine Wurzelbehandlung als Privatleistung?

Nicht immer ist es für den Zahnarzt einfach im Voraus zu bestimmen, ob die Krankenkassen-Kriterien eingehalten werden können. Manchmal sieht man einen Wurzelkanal auf dem Röntgenbild nicht richtig. Manchmal wird erst während der Behandlung klar, dass Wurzelkanäle weiter verzweigt sind, als man dachte. Können die oben genannten Bedingungen dadurch nicht mehr erfüllt werden, darf der Zahnarzt die Kosten nicht mehr über die Krankenkasse abrechnen.

Die Therapie wird zur Privatleistung

Dabei werden häufig auch bestimmte moderne Verfahren empfohlen, die zu höheren Erfolgschancen führen sollen, aber privat bezahlt werden müssen. Dazu zählen der Einsatz eines OP-Mikroskopes bzw. OP-Lasers, die elektronische Wurzellängenmessung oder auch die Anwendung von elektrophysikalisch-chemischem Methoden. Alles in allem können dann – je nach Aufwand und Verlauf der Behandlung – Kosten von 200 bis 800 Euro auf den Patienten zukommen.
Krankenkasse

Was passiert bei einer Wurzelbehandlung?

Wird Karies über längere Zeit nicht versorgt, können Bakterien in die tieferen Schichten des Zahns vordringen und in den Zahnwurzeln eine äußerst schmerzhafte Entzündung auslösen - Zahnverlust droht. Soll der Zahn erhalten bleiben, muss der Zahnarzt die Entzündung rechtzeitig und nachhaltig stoppen. Dazu führt er eine sogenannte Wurzelbehandlung durch.

Bei einer Wurzelbehandlung öffnet der Arzt den Zahn an der Zahnkrone durch ein Loch und entfernt mit speziellen sehr feinen Instrumenten das entzündete Mark, die Blutbahnen und das Nervengewebe aus den Wurzeln des Zahns. Die entstandenen Hohlräume werden anschließend desinfiziert und dann mit einem speziellen Wurzelfüllmaterial wieder gefüllt. Danach verschließt der Zahnarzt das Loch wieder. In der Regel sind mehrere Sitzungen nötig. Häufig wird der behandelte Zahn – zur besseren Stabilisierung – anschließend noch überkront.
Geldsparen-Tipp: Ob sich dieser Einsatz lohnt, hängt natürlich in erster Linie vom Erfolg der Behandlung ab. Gelingt ein Erhalt des Zahnes, lohnt sich die Wurzelbehandlung – auch privat bezahlt – allemal. Denn bei Zahnersatz, wie etwa eine Brücke oder einem Implantat, liegen die Kosten wesentlich höher.

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Leserkommentare

 

18.01.2017 16:21 Uhr
Geldsparen-Redaktion: @ Kurt
Vielen Dank für Ihren ausführlichen Erfahrungsbericht. Bei Problemen mit der Zahnzusatzversicherung kann Ihnen möglicherweise der Ombudsmann weiterhelfen. Der folgende Link könnte Ihnen behilflich sein, wenn Sie Beschwerde einlegen möchten: https://www.pkv-ombudsmann.de/ihre-beschwerde/beschwerde-einreichen/

18.01.2017 15:45 Uhr
Kurt: gesetzlich krankenversichert + Zusatzversicherung
Bei der jährlichen Zahnuntersuchung hat man mir eine Wurzelbehandlung am Backenzahn empfohlen, weil ich angeblich eine chronische Entzündung drin haben soll. Ich habe keinerlei Beschwerden, weder beim Kauen noch auf Kälte usw usw. Naja kein Thema dachte ich und daraufhin meinte meine Zahnärztin, dass sie mich an einen Spezialisten weiterschicken müsste. Dieser Spezialist hat mir einen Kostenvoranschlag von 700,00 EUR gegeben. Ich dachte, naja egal für was habe ich den die sündhaft teure Zahnzusatzversicherung bei der ich seit über 13 Jahren bin. Antwort der Zusatzversicherung war, dass über 300 Euro nicht erstattungsfähig ist und mit irgenwelchen GOZ Kennzeichen bla bla. Daraufhin habe ich das dem Spezialisten weitergeleitet, der behauptete, dass die Versicherung falsch liegt und alles abrechnungstechnisch korrekt sei. Fazit war, ich habe den angedachten Termin für die Wurzelbehandlung storniert und werde meinen Zahnarzt auch wechseln. Ich habe weder Schmerzen, noch irgendwelche anderen Probleme und ich bin mir fast sicher, dass es nichts anderes ist als ABZOCKE. Das wird man zu seinem Spezl weitergeleitet und somit wird meiner Meinung nach nur die Kunden hin und her geschoben um ordentlich mal alles aus einem Patienten finanziell rauszuholen. Eine absolute Frechheit, für was wir eigentlich noch gesetzliche + Zusatzversicherungen haben, wenn am Ende des Tages sowie der Patient das meiste selbst bezahlen muss.

29.12.2016 11:25 Uhr
Zahnfee: Kosten Wurzelbehandlung
Nun ja, man sollte sich bei solch einem Problem immer eine Zweitmeinung bei einem anderen Arzt einholen. Bei einem Zahnarzt der auf Wurzelbehandlungen spezialisiert ist zahlt man 800-1.400 EUR. Ich frag mich was wir noch zahlen müssen und ärgere mich jedes Jahr aufs Neue. Jetzt gibt es Zahnzusatzversicherungen, in ein paar Jahren wird es weitere Versicherungen geben. Die Ideen hören ja nicht auf.

01.12.2015 17:03 Uhr
Stefan: Immer vorher den Zaharzt fragen ob und was die Krankenkasse nicht bezahlt
Ich kann allen nur raten, vor jeder Behandlung den Zahnarzt zu fragen, ob zusätzliche Kosten entstehen. Das wissen die Zahnärzte genau. Das muss ich auch mit meiner Unterschrift zustimmen. Die Krankenkasse sind dabei knallhart und zahlen vieles nicht. Am besten nach einem Kostenplan vor der Behandlung fragen (wenn es kein Notfall ist) und sich bei der Krankenkasse informieren. So gibt es später keine bösen Überraschungen. Versuchen Sie mit Ihrem Zahnarzt eine Ratenzahlung zu vereinbaren. Das ist besser als mehrere hunderte Euros auf einmal zu zahlen und sollte nicht unversucht bleiben. Gute Besserung!


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