Anja Lang
Ein Beitrag von Anja Lang, 21.08.2015

Vorsorgeuntersuchung Welche die Krankenkasse zahlt

Jedes Kind in Deutschland hat Anspruch auf insgesamt elf Vorsorgeuntersuchungen. Drei wichtige Vorsorgen werden jedoch nicht erstattet.
Kinder Vorsorge Untersuchung Krankenkasse

U1 bis J2 - Welche Kasse leistet bei Vorsorgeuntersuchungen?

Vorsorgeuntersuchungen bei Kindern - sogenannte U-Untersuchungen Рsollen zeigen, ob das Kind gesund ist und sich altersgerecht entwickelt. Werden Entwicklungsprobleme entdeckt, sollen diese so möglichst rasch behandelt werden können. Kurz nach der Geburt erhält die Mutter dazu vom Kinderarzt ein gelbes Heft, in das die Ergebnisse der jeweiligen U-Untersuchungen eingetragen werden.

Keine gesetzliche Pflicht

Seit 2008 sollen im Rahmen der U-Untersuchungen zus√§tzlich auch F√§lle von Vernachl√§ssigung und Missbrauch aufgedeckt und unterbunden werden. In s√§mtlichen Bundesl√§ndern wurde dazu eine verbindliche Meldepflicht f√ľr fast alle U-Untersuchungen eingef√ľhrt. Wird eine U-Untersuchung vers√§umt, werden die betreffenden Eltern schriftlich aufgefordert diese nachzuholen. Kommen die Eltern dieser Empfehlung nicht nach, k√∂nnen die Jugend√§mter unangenehme Nachfragen stellen. In Bayern und Baden-W√ľrttemberg m√ľssen Eltern auch beim Antrag auf Landeserziehungsgeld, bei der Anmeldung in einer Kindertageseinrichtung und bei der Schuleingangsuntersuchung das ausgef√ľllte U-Untersuchungsheft vorlegen. Eine gesetzliche Pflicht zur Teilnahme an den U-Untersuchungen besteht aber auch hier nicht.

 

Sechse U-Untersuchungen im ersten Lebensjahr

U1
Die erste Vorsorgeuntersuchung erfolgt direkt nach der Geburt. Dabei wird der Allgemeinzustand des Neugeborenen begutachtet und mit dem sogenannten APGAR-Wert in Punkten abgebildet.
U2
Am dritten bis zehnten Tag nach der Geburt wird die U2 oder auch Neugeborenen-Basisuntersuchung durchgef√ľhrt. Meist passiert das noch in der Klinik. Hier werden die Organe, Sinnesorgane und Reflexe gr√ľndlich untersucht. Wer nur zur Geburt in die Klinik kommt, zu Hause oder in einer Hebammenpraxis entbindet, sollte sich rechtzeitig um einen Termin beim Kinderarzt bem√ľhen. Die Krankenkassen √ľbernehmen die Kosten f√ľr diese wichtige Untersuchung n√§mlich nur bis zum 14. Lebenstag des S√§uglings. Danach muss der Arzt die Untersuchung als sogenannte Igel-Leistung in Rechnung stellen.
 
U3
Zwischen der vierten und der f√ľnften Lebenswoche ist die dritte Vorsorgeuntersuchung f√§llig. Sie ist meist die erste Untersuchung au√üerhalb der Klinik. Der Kinderarzt testet an diesem Termin die altersgem√§√üe Entwicklung der Reflexe, der Motorik, des Gewichts und der Reaktionen. Er erkundigt sich nach dem Trink- und Schlafverhalten und untersucht die Organe sowie die Entwicklung der H√ľften. Auch hier sollten sich die Eltern, im Sinne ihres Kindes, an die vorgeschriebenen Termine halten. Zum einen, weil eine zu fr√ľhe oder zu sp√§te Untersuchung keine aussagekr√§ftigen Ergebnisse liefert und zum anderen, weil die Krankenkassen nach der achten Lebenswoche die Kosten nicht mehr √ľbernehmen.

U4 bis U6
Zwischen dem dritten und vierten Lebensmonat bis zum ersten Lebensjahr finden insgesamt nochmal drei Vorsorgeuntersuchungen statt. Hauptaugenmerk liegt hier auf der zeitgerechten körperlichen und geistigen Entwicklung. Auch der Aufbau eines umfassenden Impfschutzes ist jetzt ein zentrales Thema. Die erste Impfung wird meist im Alter von drei Monaten verabreicht.

U7
Kurz vor dem zweiten Geburtstag findet dann erst wieder die nächste Vorsorgeuntersuchung statt. In dieser Phase sollte das Kind sicher laufen können und bekannte Gegenstände zuordnen und benennen können. Auch die Feinmotorik wird getestet. Thema sind außerdem das Sozialverhalten und die Sauberkeitsentwickung.

U7a
Die U7a wurde erst vor wenigen Jahren, im Juli 2008 in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen, aufgenommen, um die L√ľcke zwischen der Zweijahresuntersuchung (U7) und Vierjahresuntersuchung (U8) zu schlie√üen. Die U7a ist f√ľr knapp Dreij√§hrige gedacht. Hauptaugenmerk dieser Vorsorge liegt auf m√∂glichen allergischen Erkrankungen, Sozialisations- und Verhaltensst√∂rungen, √úbergewicht, Sprachentwicklungsst√∂rungen, Zahn-, Mund- und Kieferanomalien.

U8
Im Alter von etwa vier Jahren wird dann die U8 fällig. Hier untersucht der Arzt vor allem die Beweglichkeit und Geschicklichkeit des Kleinkindes. Er testet das Seh- und Hörvermögen sowie die Sprachentwicklung und fragt nach dem Sozialverhalten und dem Grad der Selbständigkeit.

U9
Die letzte der ersten zehn Vorsorgeuntersuchungen findet im Alter von f√ľnf Jahren, im Jahr vor der Einschulung statt. Sie ist besonders umfangreich. Hier wird nochmals die Grob- und Feinmotorik getestet und das Sprachverst√§ndnis sowie das H√∂r- und Sehverm√∂gen untersucht. Im Hinblick auf die Schule spielen auch das Sozialverhalten und die geistige und psychische Entwicklung eine gro√üe Rolle. Auch sch√§tzt der Kinderarzt zu diesem Zeitpunkt grob ein, inwieweit er das Kind f√ľr schulreif h√§lt.

J1
Nach der U-Untersuchung im f√ľnften Lebensjahr kommt erstmal lange nichts. Erst zwischen dem 12. und 14. Lebensjahr sieht der Gesetzgeber wieder eine U-Untersuchung als Kassenleistung vor, die sogenannte J1. Hier geht es um die altersgerechte k√∂rperliche, soziale und sexuelle Entwicklung, um den Impfstatus sowie √ľber die Aufkl√§rung gef√§hrdender Verhaltensweisen. Sie gilt als sehr wichtig, weil Jugendliche in diesem Alter nur noch „im Notfall“ zum Arzt gehen. Im Rahmen dieser U-Untersuchung erfolgt auch eine Blut- und Urinuntersuchung.
 

U10, U11 und J2 zahlt nicht jede Krankenkasse

Kinder√§rzte empfehlen aber noch drei weitere Vorsorgeuntersuchungen bis zum Erreichen der Vollj√§hrigkeit. Vor allem f√ľr die gro√üe L√ľcke zwischen dem f√ľnften und dem 12. Bis 14.Lebensjahr empfehlen Fachleute zus√§tzlich die U-Untersuchungen U10, U11 sowie mit 16 bis 17 Jahren noch die J2. Seit 2006 gibt es daf√ľr ein gr√ľnes Check-Heft, in das diese Vorsorgen eingetragen werden k√∂nnen. Diese zus√§tzlichen U-Untersuchungen sind allerdings keiner Pflichtleistung der gesetzlichen Krankenkassen. Sie m√ľssen daher grunds√§tzlich aus eigener Tasche bezahlt werden. Im Rahmen von speziellen Einschreibeprogrammen mit ausgew√§hlten Vertrags√§rzten √ľbernehmen aber viele BKK¬īs die Kosten, wobei hier direkt √ľber die Chipkarte abgerechnet werden kann. Andere Krankenkassen, wie z.B. die Techniker Krankenkasse, die AOK Bayern oder auch die SBK, erstatten im Rahmen freiwilliger Leistungen. Wichtig: Oft erfolgt die Abrechnung hier nicht direkt √ľber die Kassenkarte, sondern im Erstattungsverfahren. Dabei stellt der Arzt eine Rechnung aus, die der Patient bezahlt und anschlie√üend wieder bei seiner Kasse zur Erstattung einreichen kann. Dabei ist wichtig im Vorfeld genau abzukl√§ren, welche Kosten die eigene Kasse genau √ľbernimmt, da auch hier gewisse Standards gelten. F√§llt die Vorsorge n√§mlich besonders ausf√ľhrlich aus, kann es sein, dass Eltern auf Mehrkosten sitzen bleiben.

U10

Die U10 gilt als Grundschulcheck und ist ist eine Vorsorgeuntersuchung f√ľr Schulkinder zwischen dem siebten und achten Lebensjahr. Ziel dieser Untersuchung ist es Entwicklungsst√∂rungen, wie zum Beispiel eine Lese-Rechtschreib-Rechenst√∂rung, St√∂rungen in der motorischen Entwicklung, sowie Verhaltensst√∂rungen, wie zum Beispiel ADS oder ADHS, fr√ľhzeitig festzustellen und entsprechend therapieren zu k√∂nnen.

U11

Im Alter von neun bis zehn Jahren empfehlen Kinder√§rzte die U11. Schwerpunkt dieser Vorsorge, in der dritten bis vierten Klasse, ist das Erkennen von Schulleistungs-, Sozialisations- und Verhaltensst√∂rungen sowie von Zahn-, Mund- und Kieferanomalien. Au√üerdem wird √ľber gesundheitsbewusstes Verhalten aufgekl√§rt und versucht dieses zu f√∂rdern. Dabei wird auch untersucht, ob ein gesundheitssch√§digendes Medienverhalten vorliegt. Viele Kassen erstatten die Kosten auf Anfrage innerhalb eines bestimmten Rahmens.

J2

Im Alter von 16 bis 17 Jahren bieten Kinder√§rzte schlie√ülich noch eine Vorsorgeuntersuchung im sp√§teren Jugendalter an. Diesen Termin d√ľrfen die fast Erwachsenen bei vielen √Ąrzten auch ohne Beisein der Eltern wahrnehmen. Dabei werden die Patienten nochmals eingehend internistisch und orthop√§disch untersucht und Fragen zur Sexualit√§t und zu eventuell bestehenden Problemen innerhalb der Familie besprochen. Auch geht es darum m√∂gliche Verhaltens- und Sozialisationsst√∂rungen zu erkennen. Auch die Berufswahl aus gesundheitlicher Sicht ist ein Thema.

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