Anja Lang
Ein Beitrag von Anja Lang, 17.06.2015

Krankenkasse 2015 Was bringt das neue Gesetz für Familien?

Neues Gesetz: Die Terminvergabe beim Facharzt darf künftig nur noch 4 Wochen dauern und dem Ärztemangel wird der Kampf angesagt.
Krankenkasse 2015 Was bringt das neue Gesetz für Familien?

Bis man als Kassenpatient endlich im Wartezimmer vom Facharzt sitzt, kann es mancherorts Monate dauern

Das neue Krankenkassen-Versorgungsstärkungsgesetz sorgte schon im Vorfeld für reichlich Zündstoff. Ärzteverbände liefen Sturm, Sozialverbänden gingen die Regelungen dagegen nicht weit genug. Nach einigen Änderungen am Gesetzesentwurf wurde das sogenannte Krankenkassen-Gesetz zur Stärkung der Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung nun letzten Donnerstag im Bundestag endgültig verabschiedet.
 

Was das neue Versorgungsstärkungsgesetz für Familien bringt

 

1. Ärztemangel auf dem Land


Familien mit mehreren Kindern wohnen lieber auf dem Land als in der Stadt, denn Kinder können hier unbesorgter herumtollen und auch die Mieten sind in ländlichen Regionen in der Regel deutlich erschwinglicher. Schon seit Jahren zeichnet sich aber gerade auf dem Land ein zunehmender Mangel an Ärzten ab: Immer weniger junge Ärzte zieht es nach dem Studium aufs Land. Wenn alte Praxen schließen, finden Landärzte immer seltener Nachfolger. Die medizinische Versorgung auf dem Land bekommt Lücken.

Plus für Familien: Mit dem neuen Krankenkassen-Versorgungsstärkungsgesetz sollen Ärzte nun, vor allem mit finanziellen Anreizen, für eine Niederlassung auf dem Land motiviert werden. In den überversorgten Ballungszentren sollen Arztpraxen dagegen nur noch dann wieder neu besetzt werden, wenn dies für die Versorgung der Patienten Sinn macht. Darüber hinaus sollen die Kassenärztlichen Vereinigungen überschüssige Arztpraxen aufkaufen dürfen.

Kritik: Die im Gesetzesentwurf ursprünglich verfassten Vorgaben wurden im aktuell verabschiedeten Versorgungsstärkungsgesetz wieder deutlich entschärft. Laut AOK Bundesverband, soll eine Kassenärztliche Vereinigung damit erst dann aktiv werden, wenn für bestimmte Arztgruppen und Planungsbereiche ein Versorgungsgrad von 140 Prozent erreicht sei: "Ein solcher Wert wird allerdings nur in sehr seltenen Fällen erreicht. Als überversorgt gilt ein Bereich auch weiterhin, wenn der Versorgungsgrad 110 Prozent erreicht hat. Ab diesem Wert "kann" die Kassenärztliche Vereinigung wie bisher bereits Arztsitze aufkaufen. In der Praxis passiert dies nur in Ausnahmefällen."
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Krankenkasse

2. Wartezeiten für Facharzttermine


Die meisten Familien sind gesetzlich versichert, denn der nicht arbeitende Ehepartner sowie sämtliche Kinder sind hier kostenfrei mitversichert. Leider fühlen sich gesetzlich versicherte Familien immer häufiger als Patienten zweiter Klasse, vor allem, wenn es darum geht einen Termin beim Facharzt zu bekommen. Hier müssen Kassenpatienten im Schnitt 24 Tage länger warten, als Privatversicherte.

Plus für Familien:
Mit dem Versorgungsstärkungsgesetz soll sich das nun ändern. Künftig sollen gesetzlich Versicherte nur noch höchstens vier Wochen auf einen Facharzttermin warten müssen. Dazu sollen die Kassenärztlichen Vereinigungen, bis Anfang nächsten Jahres, sogenannte Terminservicestellen aufbauen, die sich dann um eine rasche Vermittlung von Facharztterminen kümmern.

So funktioniert´s: Für die Terminvermittlung zum Facharzt müssen Sie eine Überweisung vom Hausarzt vorlegen.

Ausnahme: Augen- oder Frauenarzttermine, hier wird keine Überweisung benötigt. Sollte die Terminservicestelle es nicht schaffen Ihnen innerhalb von vier Wochen den gewünschten Facharzttermin zu verschaffen, dürfen Sie künftig auch ins Krankenhaus gehen, um sich dort ambulant behandeln zu lassen. Auch Psychotherapietermine sollen übrigens über die neuen Terminservicestellen vermittelt werden, allerdings ist dies erst ab Anfang 2017 geplant.

Kritik: Gesetzlich versicherte Familien müssen wissen, dass bei der Terminvergabe keinerlei Anspruch auf die Vermittlung zu einem bestimmten Wunscharzt besteht. Kritiker sehen darin auch die freie Arztwahl gefährdet. Auch besteht kein Anspruch auf einen Facharzt in nächster Nähe zum Wohnort. Die Entfernung zur Facharztpraxis soll allerdings zumindest zumutbar sein, wobei vor allem auch die Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln eine Rolle spielt. Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen sieht in der Einführung von Terminservicestellen keinerlei Verbesserung der Versorgung. Auch die Präsidentin des Sozialverbandes VdK, Ulrike Mascher kritisierte im dpa-Interview, dass die Wurzel des Übels mit den Terminservicestellen nicht beseitigt werde: „Solange es für Ärzte lukrativer ist, Privatpatienten zu behandeln, werden gesetzlich Versicherte benachteiligt bleiben."
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3. Verbesserungen beim Krankengeld


Wenn in einer Familie der Hauptverdiener wegen Krankheit ausfällt, ist die Existenz der kompletten Familien bedroht. Das Krankengeld puffert zwar einen Großteil ab, formale Spitzfindigkeiten konnten bislang aber dazu führen, dass der komplette Anspruch verloren ging.

Plus für Familien: Mit dem neuen Krankenkassen-Versorgungsstärkungsgesetz wurde eine bestehende Stolperfalle beim Krankengeld jetzt deutlich entschärft: Bisher mussten sich die alte und die neue Krankschreibung nämlich zwingend um einen Tag überlappen.

Neu: Zukünftig reicht es aus, wenn die Folgekrankschreibung nach dem Freitag erst wieder ab dem nächsten Werktag ausstellt wird. Dazu Stephanie Jahn, Geschäftsführerin der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD): "Mit dem neuen Gesetz ist eine große Stolperfalle beim Krankengeld entschärft. In unseren jährlichen Berichten an den Patientenbeauftragten der Bundesregierung hatten wir auf dieses folgenschwere Problem hingewiesen. Denn viele Patienten und Ärzte kannten die komplizierte Regelung schlichtweg nicht und das mit fatalen Auswirkungen: Ohne wieder fit für den Job zu sein, bekamen die Betroffenen kein Geld mehr von der Kasse und mussten sich Sorgen um ihre finanzielle Existenz machen."
 

4. Mehr Leistungen im Krankenhaus


Wenn Sie oder ein Familienmitglied als Patient im Krankenhaus entlassen werden, darf, der behandelnde Krankenhausarzt Ihnen künftig – anders als bisher – jetzt ein Rezepte für Medikamente bzw. für Heilmittel für einen Zeitraum von bis zu sieben Tagen ausstellen. Diese Regelung gilt übrigens auch für die Ausstellung von Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen.

Plus für Familien: Der Übergang vom stationären Aufenthalt in einem Krankenhaus hin zur ambulanten Betreuung beim niedergelassenen Arzt wird damit deutlich erleichtert. Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus, müssen Sie jetzt nämlich nicht mehr umgehend Ihren Haus- bzw. niedergelassenen Facharzt aufsuchen, um sich ein Rezept oder eine Krankmeldung ausstellen zu lassen. Sie haben dazu künftig bis zu einer Woche Zeit.
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