Anja Lang
Ein Beitrag von Anja Lang, 21.01.2014

Gesetzliche Krankenkasse Nie mehr Bohren: Kariesinfiltration

Die Behandlung via Kariesinfiltration ist eine Alternative zum Bohren und schont dazu noch die Zahnsubstanz. Was es kostet und wie viel die Kasse √ľbernimmt.
Zahnarzt Zähne Karies

Die gesetzliche Krankenkasse beteiligt sich an den Kosten f√ľr die Kariesinfiltration

Die Berliner Charit√© hat in Zusammenarbeit mit der Universit√§t Kiel eine Methode entwickelt, die beginnende Karies auf den Zahnfl√§chen und in den Zwischenr√§umen ohne das bei Jung und Alt unbeliebte Bohren stoppt. Bei der sogenannten Kariesinfiltration bleibt die gesunde Zahnsubstanz erhalten, die beim Bohren sonst zwangsl√§ufig verloren geht. Die klassische F√ľllung ist dann nicht mehr notwendig.

Jedes Loch fängt mal klein an

Karies beginnt, wenn sich Zucker oder andere Kohlenhydrate aus der Nahrung im Mund zu Säuren umwandeln und den Zahnschmelz angreifen. Dabei werden Mineralien aus der Schmelzoberfläche gelöst und der Zahn wird an der Stelle zunehmend porös. Sichtbar wird die beginnende Karies an weißen Flecken auf dem Schmelz.

Auch im R√∂ntgenbild l√§sst sie sich gut erkennen. Unbehandelt werden immer mehr Mineralien der Zahnsubstanz herausgel√∂st, was schlie√ülich zum richtigen Kariesloch mit Schmerzen f√ľhrt. Bislang hatte der Zahnarzt bei anfangender Karies nur zwei M√∂glichkeiten: Er konnte die entkalkten Stellen beobachten, besondere Putzempfehlungen geben und zahnst√§rkende Substanzen, wie Fluorid, auftragen - in der Hoffnung, dass die Karies nur langsam voranschreitet. Oder er stoppte den Prozess sofort, indem er Karies mit dem Bohrer entfernt und eine klassische F√ľllung legt. Die Alternative dazu hei√üt: Kariesinfiltration.

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So funktioniert die Kariesinfiltration

Um noch eine Alternative zu Bohren oder Abwarten zu haben, wurde das Verfahren der Kariesinfiltration entwickelt. Es kann bislang nur bei Karies im Anfangsstadium angewendet werden. Die Kariesinfiltration dauert insgesamt nur etwa eine Viertelstunde und erfolgt in einer Sitzung.

Dabei wird zuerst ein s√§urehaltiges Gel auf die entmineralisierten Stellen aufgebracht, das die kari√∂sen Schichten weg√§tzt. Das S√§uregel wird nach nur wenigen Minuten Einwirkzeit abgesp√ľlt und dann die Stellen mit Alkohol und Luftgebl√§se gr√ľndlich getrocknet. Anschlie√üend wird bei der Kariesinfiltration ein spezieller und besonders d√ľnnfl√ľssiger Dentalkunststoff aufgetragen, der tief in die Zahnstruktur eindringt und dabei vom Porensystem des Zahnschmelzes wie ein trockener Schwamm aufgesaugt wird. Dieser Kunststoff wird noch mit Licht ausgeh√§rtet.

Jetzt ist der Schmelz repariert und die Kariesgefahr gestoppt. Auch die wei√üen Flecken auf den Z√§hnen sind in der Regel dank Kariesinfiltration nicht mehr sichtbar. Die kariesstoppende Wirkung kann allerdings bislang nur f√ľr einen Zeitraum von rund zwei Jahren wissenschaftlich belegt werden. Das liegt daran, dass das Verfahren noch sehr neu ist. Deshalb liegen noch keine Langzeiterfahrungen in der Praxis vor. Experten gehen aber davon aus, dass der Schutz weit l√§nger anh√§lt.
 

Wie viel Kariesinfiltration kostet

Die Kosten einer Kariesinfiltration betragen pro Zahnfl√§che etwa zwischen 80 und 100 Euro. Im Zahnzwischenraum wird es etwas teuer. Hier kostet eine Behandlung rund 120 Euro. Die Kariesinfiltration wird bislang weder von den gesetzlichen noch von den privaten Krankenkassen √ľbernommen. Sie ist derzeit noch eine reine Privatleistung. Allerdings bieten einige gesetzliche Krankenkassen ihren Patienten √ľber Modellprojekte satte Zusch√ľsse an. So bezuschusst zum Beispiel die BKK Mobil Oil im Rahmen einer mehrj√§hrigen wissenschaftlichen Studie derzeit bis zu vier Infiltrationsbehandlungen mit jeweils 70 Euro pro Patient.

Auch andere Kassen √ľbernehmen einen Teil der Kosten im Rahmen von Bonusprogrammen, √§hnlich wie bei der professionellen Zahnreinigung. Allerdings ist hier die Behandlung meist an die Zusammenarbeit mit vertraglich gebundenen Zahn√§rzten gekn√ľpft. Man sollte sich deshalb m√∂glichst bereits im Vorfeld genau bei seiner Kasse informieren, welche Kosten zu welchen Bedingungen √ľbernommen werden.
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