Max Geißler
Ein Beitrag von Max Geißler, 01.10.2015

Berufsunfähigkeit Zehn teure Fehlannahmen

Berufsunfähigkeit kann schlimme finanzielle Folgen haben. Deshalb ist es wichtig, sich dagegen abzusichern. Typische Denkfehler sollte man besser korrigieren.
Berufsunfähigkeit Zehn teure Fehlannahmen

Fehlannahmen können im Fall der Berufsunfähigkeit teuer werden

Jeder Vierte Arbeitnehmer muss vorzeitig seine Erwerbstätigkeit einschränken oder ganz aufgeben, so zeigen es die Statistiken der gesetzlichen Rentenversicherung. Das Problem dabei: Die staatliche Erwerbsminderungsrente gibt es praktisch nur noch, wenn man komplett erwerbsunfähig ist. Wer noch mehr als sechs Stunden täglich arbeiten kann Рegal in welchem Job Рhat keinen Anspruch auf Leistungen aus der Erwerbsminderungsrente. Kann man drei bis sechs Stunden Teilzeit arbeiten, zahlt die Rentenkasse höchstens 20 Prozent des letzten Bruttoeinkommens. Selbst bei voller Erwerbsminderung sind die Rentenleistungen aber eher bescheiden, weshalb eine private Berufsunfähigkeitsversicherung dringend geboten ist. Doch weit verbreitete Fehlannahmen verhindern den Abschluss.

Irrtum 1: Ich bin noch jung, ich brauche keine BU-Police

Vorsicht! Unf√§lle oder Krankheiten k√∂nnen auch in jungen Jahren auftreten. Die Statistik besagt, dass jeder neunte Betroffene j√ľnger als 40 Jahre ist. Junge Versicherte genie√üen den Vorteil geringer Beitr√§ge. Ein 30-J√§hriger zahlt zum Beispiel f√ľr eine garantierte Monatsrente von 1.500 Euro keine 50 Euro im Monat, etwa bei Hannoversche Leben, Canada Life und Gothaer Versicherung. Wer erst mit 40 einsteigt, der muss mit mehr als 60 Euro rechnen.

Irrtum 2: Ich sitze im B√ľro, da passiert mir nichts

Auch B√ľroangestellte k√∂nnen berufsunf√§hig werden. Stress, √úberforderung, Mobbing sind Hauptursachen f√ľr seelische Leiden. Jede dritte Berufsunf√§higkeitsrente geht bereits auf psychische Erkrankungen zur√ľck. Damit sind B√ľroangestellte k√∂rperlich anstrengenden Berufen wie Bauarbeiter oder Krankenschwester dicht auf den Fersen. M√∂glich ist aber auch, dass Bewegungsmangel R√ľckenprobleme verursacht und daraus Berufsunf√§higkeit erw√§chst.

Irrtum 3: Die staatliche Rente reicht aus

Die Geburtsjahrg√§nge ab 1961 erhalten seit 2001 keine Berufsunf√§higkeitsrente mehr. Diese hei√üt jetzt Erwerbsminderungsrente und ist deutlich schlechter. Bei voller Erwerbsminderung gew√§hrt der Gesetzgeber h√∂chstens noch ein Drittel des letzten Bruttogehalts – oft weniger. Die Leistungen sind √§u√üerst bescheiden: So erhielten westdeutsche M√§nner 2014 bei voller Erwerbsminderung im Schnitt nur 659 Euro Monatsrente, ostdeutsche M√§nner bekamen 603 Euro. √Ąhnlich, nur mit anderen Vorzeichen, war es bei Frauen: Ostdeutsche Frauen bekamen 662 Euro, westdeutsche 594 Euro. Damit liegen die Erwerbsminderungsrenten deutlich unter der vom Statistischen Bundesamt ermittelten, aktuellen Armutsgrenze von 979 Euro.

Irrtum 4: Ich habe genug Geld

Eine Fehleinsch√§tzung, der vor allem die Erbengeneration unterliegt. Wer Geld oder ein H√§uschen von Oma oder den Eltern geerbt hat, der steht zun√§chst finanziell gut da. Doch kommt es fr√ľh zur Berufsunf√§higkeit, ist der Kapitalbedarf gro√ü: Wer mit 47 berufsunf√§hig wird und dann bis Rentenbeginn mit 67 Jahren nicht mehr arbeiten kann, der muss 20 Jahre mit seinem Geld auskommen. Monatliche Ausgaben von zum Beispiel 1.500 Euro summieren sich √ľber diese Zeit zu einem Betrag von 360.000 Euro. Im aktuellen Zinstief f√§llt leider auch der Zinseszins als Spargehilfe aus. Das Verm√∂gen kann schneller zu Ende sein, als gedacht. Die Berufsunf√§higkeitsversicherung zahlt hingegen bis zum vereinbarten Alter.

Irrtum 5: Ich habe eine Unfallversicherung – das gen√ľgt!

Falsch. Nur zehn Prozent aller Berufsunfähigkeitsfälle haben ihre Ursache in einem Unfall. In 90 Prozent der Fälle resultiert die Berufsunfähigkeit aus einer Krankheit Рund da zahlt die Unfallversicherung nicht.

Irrtum 6: BU-Leistungen werden mit Erwerbsminderungsrenten verrechnet

Auch das ist falsch: Die Leistungen aus der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente flie√üen auch bei Bezug einer privaten Berufsunf√§higkeitsrente in vollem Umfang. Negativ k√∂nnen sich aber eigene Erwerbseink√ľnfte auswirken. Lohn oder Gehalt kann mit der gesetzlichen Absicherung verrechnet werden. Die Berufsunf√§higkeitsversicherung bleibt hingegen au√üen vor.

Irrtum 7: Ich kann mir keine Berufsunfähigkeitsversicherung leisten

Das muss nicht sein. Ausreichender Schutz ist bereits f√ľr wenig Geld zu haben. Das gilt vor allem, wenn man in jungen Jahren einsteigt. Ist die Pr√§mie zu hoch, kann eine geringere Rentenleistung den Beitrag dr√ľcken. Die meisten BU-Vertr√§ge sehen vor, dass man sp√§ter, wenn das Einkommen gestiegen ist, die Leistungen erh√∂hen kann. Auch ein Vertragssplitting bietet Sparm√∂glichkeiten. Dabei wird die Versicherungssumme auf zwei getrennte Policen aufgeteilt. Die eine l√§uft dann beispielsweise bis zum 57. Lebensjahr und versichert 750 Euro Monatsrente. Die andere l√§uft bis zum 67. Lebensjahr und sichert ebenfalls 750 Euro ab. Vorteil: Bis 57 ist voller Berufsunf√§higkeitsschutz sichergestellt, danach reduziert sich der Leistungsumfang um die H√§lfte. Die kurzlaufende Police ist deutlich g√ľnstiger als die l√§nger laufende. Endet die kurzlaufende Police, √ľberbr√ľckt die zweite, teurere Police die Mindereinnahmen bis zur Altersrente. Der geringere Schutzumfang ist in diesem Alter f√ľr die meisten Versicherten verkraftbar.

Irrtum 8: Ich kann bestehende Erkrankungen unter den Tisch fallen lassen

Vorsicht! Weniger Vorerkrankungen k√∂nnen zwar zu einer g√ľnstigeren Pr√§mie f√ľhren, doch im Ernstfall wird der Vertragspartner Ihre Krankenakte sehr genau studieren. Stellt er Unregelm√§√üigkeiten zwischen Ihren Gesundheitsangaben und den √§rztlichen Dokumenten fest, kann er die Leistungen komplett verweigern.

Irrtum 9: Ich habe nur noch wenige Jahre bis zur Rente

Aussitzen kann teuer werden, schlie√ülich w√§chst naturgem√§√ü das Risiko, berufsunf√§hig zu werden, mit jedem Lebensjahr. Erleiden Sie beispielsweise mit Ende F√ľnfzig einen Herzinfarkt und k√∂nnen nicht mehr arbeiten, kann dies ein teures Unterfangen werden. Werden Sie berufsunf√§hig, m√ľssen Sie die Zeit bis zum Beginn der Altersrente aus eigenen finanziellen Mitteln bestreiten. Und das kostet, wie unter Punkt 4 gezeigt, sehr viel Geld.

Irrtum 10: Berufsunf√§higkeitsschutz gibt’s nicht ohne Lebensversicherung

Quatsch! Zwar sind solche Kombi-Policen noch immer am Markt, aber sie sind keine Pflicht. Heute ermöglichen alle Gesellschaften auch eine separate Berufsunfähigkeitsversicherung.

Tipp: Sinnvoll kann die Kombination von Berufsunf√§higkeit mit R√ľrup-Versicherung f√ľr Selbstst√§ndige sein. Grund: Solche Vertr√§ge sind steuerbeg√ľnstigt. In diesem Fall kann bis zu 49 Prozent der Pr√§mie in die Berufsunf√§higkeitsversicherung flie√üen, und der Beitrag von der Steuer abgesetzt werden.
Vergleich Berufsunfähigkeitsversicherung
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Max Geißler mein Name ist Max Geißler. Auf geldsparen.de k√ľmmere ich mich vor allem um die Themen Geldanlage, Altersvorsorge und Immobilien. Ich habe Politikwissenschaften studiert und bin als Journalist und Buchautor t√§tig.

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