Anja Lang
Ein Beitrag von Anja Lang, 20.12.2011 (Aktualisiert 01.08.2013)

Minuskalorien Märchen oder Wirklichkeit?

Immer wieder werden Diäten propagiert mit Lebensmitteln, die angeblich mehr Energie verbrauchen, als sie selbst enthalten: Sogenannten Minus-Kalorien. Wir wollten wissen, was an diesen Diäten tatsächlich dran ist und haben eine Ernährungswissenschaftlerin dazu befragt.
Minuskalorien:Märchen oder Wirklichkeit?

In bestimmten Obst- und Gem√ľsesorten sollen die sogenannten Minuskalorien enthalten sein

„Richtig reinhauen“ und dabei immer schlanker werden. Das soll funktionieren, wenn man auf Lebensmittel setzt, die sogenannte Negativkalorien enthalten. Der Begriff ist dabei allerdings etwas missverst√§ndlich, wenn nicht gar falsch, denn negative- oder Minuskalorien gibt es streng genommen gar nicht. Treffender ist wohl eher von einer negativen Energiebilanz zu sprechen, die entstehen soll, wenn der K√∂rper bei der Verwertung bestimmter Nahrungsmittel angeblich mehr Energie verbraucht, als er durch das Produkt selbst bekommt.

Diese Gabe wird vor allem bestimmten Obst- und Gem√ľsesorten zugeschrieben. So z√§hlen zum Beispiel Artischocken, Spargel, Sellerie und s√§mtliche Kohlsorten dazu, aber auch Erdbeeren, Ananas, Grapefruit und Papaya sowie diverse Kr√§uter. Sie enthalten selbst nur sehr wenige Kalorien, sollen aber so aufw√§ndig zu verdauen sein, dass dem K√∂rper nach dem Genuss weniger bleibt, als durch den Verzehr bekommt. Und mit diesem Trick sollen die Pfunde nur so purzeln.

Klingt fast zu schön, um wahr zu sein

Doch bislang gibt es f√ľr diese Theorie noch keinerlei wissenschaftlichen Beweis. „Mir ist keine einzige Studie bekannt, in der belegt wird, wie viel Energie der K√∂rper zur Verdauung einzelner Nahrungsmittel tats√§chlich ben√∂tigt“, erkl√§rt Diplom√∂kotrophologin Isabelle C. Keller von der Deutschen Gesellschaft f√ľr Ern√§hrung (DGE). „Was wir dagegen wissen ist, dass Menschen sehr, sehr unterschiedlich verbrennen.“ Damit l√§sst sich auch erkl√§ren warum manche Menschen bei gleicher Temperatur frieren, w√§hrend andere sich pudelwohl f√ľhlen oder gar schwitzen. „Nat√ľrlich ben√∂tigt der K√∂rper f√ľr Transport und Speicherung der Nahrung Energie. Bei normaler Mischkost geht man grob von etwa 8-10 Prozent der eingebrachten Energie f√ľr die sogenannte Thermogenese aus“, erkl√§rt die Ern√§hrungswissenschaftlerin. „Dass f√ľr einzelne Lebensmittel 100 Prozent und mehr verbrannt werden, ist mir nicht bekannt und auch wissenschaftlich nicht belegt.“

Die Energiebilanz muss stimmen

Bleibt die Argumentation mit Nahrungsmitteln, die gar keine Kalorien enthalten, wie etwa kaltes Wasser oder Eisw√ľrfel. Auch sie gelten als Erzeuger von Minuskalorien, weil der K√∂rper zur Erw√§rmung angeblich zus√§tzliche Energie aufwenden muss. Dem erteilt die Fachfrau allerdings eine Absage. „Falls tats√§chlich zus√§tzliche Energie eingesetzt wird, d√ľrfte die so gering sein, dass sie kaum ins Gewicht f√§llt“, urteilt Keller. „Abnehmen kann man nur, wenn die Energiebilanz stimmt.“ Wenn also wirklich weniger Kalorien √ľber das Essen zugef√ľhrt werden, als der K√∂rper f√ľr Atmung, Herzschlag, usw. plus s√§mtliche k√∂rperlichen Aktivit√§ten ben√∂tigt. „Beim Abnehmen nur auf die m√∂gliche Verdauungsleistung zu gucken, halte ich f√ľr wenig zielgerichtet“, erkl√§rt Keller.

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