Fritz Himmel
Ein Beitrag von Fritz Himmel, 22.05.2014

Berufsunfähigkeit Abgelehnt: die Alternativen

Sie bekommen aus gesundheitlichen oder beruflichen Gründen keine Berufsunfähigkeits-Police? Wer sich trotzdem absichern will, kann diese drei Alternativen nutzen:
Berufsunfähigkeitsversicherung: Welche Alternativen es gibt

Der Versicherer Canada Life bietet eine Berufsunfähigkeits-Alternative an. Der Firmenhauptsitz ist in Toronto, USA

Immer mehr Menschen in Deutschland werden vorzeitig berufsunfähig. Dabei sind Nervenkrankheiten und psychische Erkrankungen mittlerweile der häufigste Grund und nehmen mit über 28 Prozent bereits Platz eins ein.

Wer also auf seine Arbeitskraft angewiesen ist, muss gegensteuern. Der sicherste und beste Schutz bleibt eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU). Ein Problem dabei: Rund 25 Prozent bekommen aus gesundheitlichen oder beruflichen Gründen keine oder zumindest keine bezahlbare BU.

Wer sich trotzdem absichern will oder wegen seiner Familie muss, kann Alternativen nutzen – sie bieten zwar keinen vollständigen Ersatz, sind aber oftmals besser, als im Ernstfall mit ganz leeren Händen da zustehen.

1. Alternative: die Erwerbsunfähigkeitsversicherung

Die Erwerbsunfähigkeitsversicherung zahlt dann eine monatliche Rente, wenn ein Versicherter in gar keinem Beruf mehr tätig sein kann, also zu 100 Prozent invalide ist.

Wichtigster Unterschied zur BU: Die berufliche Qualifikation, bisherige Lebensstellung oder die Arbeitsmarktlage werden nicht berücksichtigt. Solange jemand irgendeine Tätigkeit ausüben kann - also ein Betriebswirt noch als Pförtner arbeiten könnte - fließt keine Rente.
Tipp: Dafür ist die Police aber bei Anbietern wie der Hannoverschen Leben, Cosmos Direkt oder Europa auch um bis zu 40 Prozent günstiger als die BU.

2. Alternative: Dread Disease

Die sogenannte Dread Disease bietet finanziellen Schutz bei bis zu 47 Krankheiten wie etwa Arthritis, Lähmungen, Herzinfarkt oder Krebs. Sie wird beispielsweise von Canada Life oder der Gothaer angeboten. Anders als bei der BU zahlt die Dread Disease-Versicherung auch, wenn keine Berufsunfähigkeit vorliegt. Hier genügt es, wenn die versicherte Krankheit diagnostiziert wird.

Es gibt im Versicherungsfall aber keine monatliche Rente, sondern einen vertraglich vereinbarten Betrag per Einmalzahlung. Diese Versicherungssumme schützt vor einem finanziellen Verlust, falls man eine Zeit lang nicht arbeiten könnte. Zudem sind oft bei schweren Erkrankungen sofort hohe Ausgaben fällig, zum Beispiel wenn Betroffene besondere Therapien, Pflegebetreuung oder einen Umbau von Wohnung, Haus oder Auto finanzieren müssen.

3. Alternative: die Grundfähigkeitsversicherung

Der Schutz bei einer Grundfähigkeitsversicherung orientiert sich nicht an den Verlust der Arbeitskraft oder an eine bestimmte Krankheit, sondern an den Verlust einer oder mehrerer Grundfähigkeiten, die in zwei Fähigkeiten-Katalogen eingeteilt sind. Verliert ein Versicherter die hier definierten Fähigkeiten wie beispielsweise Sehen, Hören, Orientieren oder auch den Einsatz der Hände, erhält er eine Rente. Voraussetzung dafür ist, dass die betreffenden Kräfte fast vollständig verloren sind und das für mindestens ein Jahr. Die Beeinträchtigung bzw. der Verlust der Grundfähigkeiten kann dabei Folge eines Unfalls, einer Krankheit oder durch alterungsbedingten Kräfteverfall sein. Im Gegensatz zur Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt die Grundfähigkeitsversicherung auch dann, wenn die Grundfähigkeiten fehlen, aber die versicherte Person trotzdem noch arbeitet. Nachteil: Andere Krankheiten, wie etwa Krebs oder psychische Erkrankungen, führen nicht zur Rente.

Grundfähigkeitsversicherung günstiger

Gute Anbieter sind u.a. Canada Life, Janitos, WWK oder der Münchner Verein. Die Allianz bietet mit ihrer "Körperschutzpolice" eine Kombination aus Grundfähigkeitsversicherung und Schwere-Krankheiten-Vorsorge, eine ähnliche Variante hat der Volkswohl Bund.
Ein Vertragsvergleich zwischen einer Berufsunfähigkeitsversicherung und einer Grundfähigkeitsversicherung: Ein 30-Jähriger Altenpfleger, Nichtraucher, zahlt für eine monatliche Rente von 1.000 Euro und einer Versicherungs- und Leistungsdauer bis zum Alter von 67 bei einer BU-Absicherung im günstigsten Fall mindestens 80 Euro im Monat. Für eine Grundfähigkeitsversicherung würden bei der Canada Life nur 37 Euro und der WWK 34 Euro monatlich anfallen, bei der Körperschutzpolice der Allianz 48 Euro.

Leistungen vorher genau prüfen


Die jeweiligen Leistungskataloge bei der Grundfähigkeitsversicherung sollte man vorab genau vergleichen, denn ab wann ein Versicherer bereits zahlt, hängt oft am Detail. So liegt etwa bei Canada Life bei der Grundfähigkeit „Knien oder Bücken“ schon ein Verlust der Grundfähigkeit vor, wenn ein Betroffener nicht fähig ist, niederzuknien und den Boden zu berühren. Ebenfalls erhalten Versicherte hier neuerdings die vereinbarte Rente auch dann, wenn ihre geistige Leistungsfähigkeit bedeutend beeinträchtigt wurde, zum Beispiel durch den Verlust von Konzentrations- und Aufmerksamkeitsfähigkeit, des Gedächtnisses oder der Fähigkeit, sich zu orientieren. Auch gut: WWK und Canada Life bieten eine Beitragsbefreiung im Leistungsfall.



Vergleich Berufsunfähigkeitsversicherung
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