Von SP-X, 02.01.2015

Auto und Familie Autohersteller kÀmpfen um das letzte Gramm

Jedes ĂŒberflĂŒssige Kilo am Auto erhöht unnötig den Kraftstoffverbrauch. Hersteller und Zulieferer kĂ€mpfen daher um das letzte Gramm. Auch an Stellen, an denen man das zunĂ€chst nicht vermuten wĂŒrde.
Auto und Familie Autohersteller kÀmpfen um das letzte Gramm

Audis Leichtbau-Feder (links) und ein Exemplar aus Stahl

Karbon, Aluminium, Magnesium – Leichtbau ist machbar, aber sehr teuer. Viele Hersteller setzen daher auf clevere ErgĂ€nzungen und Alternativen zu den kostspieligen Hightech-Materialien. Hier fĂŒnf kleine DiĂ€tmöglichkeiten nach dem Motto „Die Masse macht's“.
Sitze: Schon ein Standard-Autositz wiegt gute 20 Kilogramm. Und die meisten Autos haben zwei davon – jede Menge Sparpotenzial also. Weil aber ein Bambus-Stuhl mit Rattangeflecht zwar federleicht, aber weder besonders bequem noch wirklich sicher wĂ€re, ist das Abspecken kompliziert. Aktuell ersetzen die Hersteller etwa Stahl- durch Kunststoffkomponenten oder modellieren die Lehnen besonders dĂŒnn. Wie das GestĂŒhl in Zukunft nochmals leichter werden könnte, hat etwa der Zulieferer Johnson Controls zuletzt gezeigt und mit dem „Synergy Seat Gen 3“ die Studie eines Federgewicht-Sitzes aus Naturfasern vorgestellt. Das Material soll aufgrund eines speziellen Spritzgussverfahrens so stabil sein wie glasfaserverstĂ€rkter Kunststoff. Auf die herkömmliche Metallstruktur im Inneren der RĂŒckenlehne kann daher komplett verzichtet werden.

Kabel: FĂŒr einen Großteil der Gewichtszunahme beim Auto ist die Elektronik zustĂ€ndig – allein die rund drei Kilometer Kabel lassen die Waage in die Knie gehen. Seit Anfang des Jahrzehnts kommt daher zunehmend Aluminium an Stelle von Kupfer zum Einsatz. Die Stromleiter aus Leichtmetall wiegen dem Zulieferer Delphi zufolge bis zu 48 Prozent weniger und sind zudem Ă€ußerst widerstandsfĂ€hig gegen Abknicken. Allerdings benötigen sie wegen ihrer geringeren LeitfĂ€higkeit einen grĂ¶ĂŸeren Querschnitt als Kupferkabel, was ihren Einsatz auf Stellen im Fahrzeug begrenzt, wo ausreichend Bauraum zur VerfĂŒgung steht. Toyota setzt Alu etwa fĂŒr die Verkabelung in den TĂŒren ein.

Federn: Leichtbau kann nicht nur fĂŒr den Spritverbrauch vorteilhaft sein, sondern auch fĂŒr den Fahrkomfort. Zumindest dann, wenn es um eine DiĂ€t bei den ungefederten Massen geht – also bei RĂ€dern, Bremsen und AufhĂ€ngung. Audi will daher mit Fahrwerksfedern aus glasfaserverstĂ€rktem Kunststoff gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Die gemeinsam mit einem Zulieferer entwickelten Schraubenfedern sollen rund 40 Prozent leichter sein als die gewöhnlichen Exemplare aus Stahl. Das Fahrzeuggewicht sinkt so um 4,4 Kilogramm, wovon rund die HĂ€lfte auf ungefederte Massen entfĂ€llt. Optisch unterscheiden sich die Kunststoff-Federn durch ihre dickeren FaserstrĂ€nge und eine geringere Windungsanzahl von Schraubenfedern aus Stahl. Zudem hat Audi die Federn hellgrĂŒn eingefĂ€rbt. Premiere hat die Technik in der Spritsparversion des A6 gefeiert, weitere Modelle sollen folgen.

Bremspedal: Die Aluminium-Pedalerie ist bei sportlichen Autos besonders aus optischen GrĂŒnden beliebt. Zur Gewichtseinsparung setzen viele Hersteller mittlerweile aber auf Pedale aus Kunststoffen. Zulieferer ZF etwa bietet ein Bremspedal aus endlosfaserverstĂ€rktem Plastik an, das gegenĂŒber Exemplaren aus Stahl rund 50 Prozent Gewichtseinsparung ermöglicht. Das Material soll zudem besonders fest und steif sein, zudem lĂ€sst es sich recyceln.

Weglassen: Am wenigsten wiegen Komponenten, die gar nicht an Bord sind. Dass Verzicht kein Verlust sein muss, zeigt aktuell etwa Citroen. Die Franzosen lassen bei ihrem kompakten Crossover C4 Cactus einfach ein paar Extras weg: So gibt es im Fond beispielsweise weder Fensterheber noch Kurbeln, sondern die heutzutage nur noch bei Transportern ĂŒblichen Ausstellfenster. Auch die LĂŒftungsdĂŒse samt Luftkanal an der rechten Armaturenbrettseite spart sich der FĂŒnftĂŒrer. Der Beifahrer hat zum Heizen und KĂŒhlen nur die DĂŒse in der Mittelkonsole zur VerfĂŒgung. Der immerhin 4,16 Meter lange Wagen wiegt so in der Basisversion nur noch wenig mehr als eine Tonne.
 
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